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Der israelitische Lehrer · 1866-12-13 · 50 (13.12.1866) · p. Seite 204

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
50 (13.12.1866)
Date
1866-12-13
Page
Seite 204 (sequence 2)
Language
German
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204 Denkuav Bibeloers, die eS barhäuptig hersagt; aber es kann bei Tisch weder hebräisch beten, noch weiß eS irgend einen SegenSspruch, der zum JudenthuM gehört. Ich traue oem Lehrer nicht; er geht mir auch zu viel mit unserm säubern Rabbinen um. der auch so ein Reformheld ist; wenn ich zu befehlen hätte, müßte man idm strenger auf die Finger sehen oder — fort mit chm! —" „Aber/ sagt der Lorsteher besten Falls, „unser Lehrer ist doch fleißig und wir haben kein Recht und keine Veranlassung, seine Grwissenbastigkeit zn bezwei'eln * „Mag sein, aber mit einem Worte, ich traue ihm nicht *_ DeS andern Tages kommt der andere Bruder, der im zweiten Stock desselben Hauies wohnt. „Herr Borst, her, Sie bekennen sich zur Fortschritts Partei in Religionssachen Schassen Sie also den Lehrer aus dem Orte, der ein Jesuit, ein Mucker, ein Frömmler ist mit einem Worte und unsere Kinder auf den Weg zurückfübrt, den wir längst zurückgelegt haben. Denken Sie, — ich öl» ohnehin keiii Freund des Hebräischen; Deutsch wollen wir beten, weil wir Deut'che.sind; nun, ich brauche Ihnen das nicht zu sagen. Aber nicht allem, daß der saubere Herr Lehrer unsere armen Jungen mit dem Hebräitrren in der Schule plagt; sie sollend auch noch zu Hause üben, lernen; da plagt er die Ohren meiner schwachen Frau mit den rauhen Klängen, die sie nicht hören mag. Und das nicht allein; gestern näch Tisch — wir hatten grade christlichen Besuch — kommt der Junge mit seinem^ hebräischen Buche, daS ich ihm in einem Anfluge von religiöier Schwachheit gekauft habe, und will ein hebräisches Tischgebet sprechen, das ich ihm suchen soll. Denken Sie, welcher Horror! — Und noch mehr! Hahaha, daS war zum Lachen; ich kam - am vergangenen Frettag spät aus dem Geschärte, und wollte nun ruhen; da kommt der Junge auf mich los. und bittet mich — was meinen^Sie? — ich solle ihm die Hand auf's Haupt legen und ihn segnen! Ter Herr Lehrer habe gesagt, das wäre eine herrliche Sitte, eine hellvolle. mahnende Erinnerung an das Elternhaus, eine Weihe der Familie u. s. f. Nichts öaA das gefällt mir nicht. Der Lehrer geht auch mit dem Rabbinen unnöthigerweiie zu viel um, der auch ein Halbfrömmler und jedenfalls ein Theologe ist. denen man Allen nicht trauen kann, wenn sie sich auch den Anschein geben, der Resormpartei anzugeyören. U n s e r Lehrer soll sich in seinem Unterrichte bequeinen nach der Erziehung im Hause, keinen Zwiespalt :n dre Familien und die Herzen der Kinderbringen; wenn nicht, io schicke ich meine Kinder in die christliche Schule" „Aber, Sie wissen doch, dort herrscht ein scharf ausgesprochener christlich — mystisch — pietistischer Geist .... " „A bah, das fürchte ich nicht, das ist doch kein veraltetes Judenthum." . ' Armer Lehrer, armer Rabbiner, arnrer Vorsteher! Das ist nur eine Seite. Aber das Mißtrauen gegen den Lehrer hat noch andere Quellen und Seiten. Dem Einen geht er zu schnell,- dem Anderen zu langsam, dem Einen ist er zu elementarksch, dem andern zu wissenschaftlich; der Eine hält ihn für faul, der andere für falsch. Alle fühlen sich im Gegensätze mit ihm; scheint es ja fast zu weilen, als sei der Lehrer, — auch der beste, der gesinnungstüchtigste, der beruflreueste — der geschworne Feind aller Gemeindeglieder? Alle umgeben ihn mit Mißtrauen; beobachten jeden Schritt, den er thut, und wollen nicht glauben/ daß es der glühendste Wunsch de« Lehrers ist, da« Vertrauen, die Liebe und die Hochachtung feiner Schüler und seiner sämmtlichen Gemeindeangehörigen zu gewinnen! daß sein Bestreben nur dahin geht, dem Juventhum und! der Menschheit zu dienen j Diese Voreingenommenheit ist ein Hemmschuh mehr der i gedeihlichen Wirksamkeit des Lehrers. O, wenn Sie einen Lehrer gewinnen wollen, wenn Sie , wollen, daß er seiire Aufgabe mit Liebe vollführen soll, so begegnen Sie ihm mit Vertrauen! Achten Sie die sittliche und religiöse Sclbstständigkett des Menschen in ihm und schicken Sie keinen Späher aus, der darauf losgeht, ihm sittliche und' religiöse Mäkel anzudichten. Beachten Sie den erhabenen religiösen Grundsatz aus den Sprüchen der Väter, nwr rpi> D-ixn ‘■o p« p ’in den leider unsere neuorthovoxen Romantiker, wie so manche andere s i t t l i ch e Lehre, in blindem, gehässigem Fanatismus mißachten. Vertrauen Sie dem Manne, dem eine so große und schwierige Aufgabe geworren, und Sie werden finden, daß dies Vertrauen ihn erhebt und beglückt, ihn im Vertrauen auf Gott und aus die Besserung seiner schwierigen Lage stärkt; er kann dann auch vertrauen, daß die Gemeinde seine Wirksamkeit anerkennen will und zu würdigen best ebt ist. Glauben Sie, daß den Lehrer Nergeleien, wie sie so oft Vorkommen, entmuthigen und betrüben und daß nur offenes, gegenseitiges Entgegenkommen diejenige Stellung zwischen Lehrer und Gemeinde herbeiführen, die für beide Theile heilvoll ist. Die Chanukkofeier umgibt uns mit strahlendem Lichte; „ihre Flamme erhebt vom Irdischen den Blick zum Himmlischen empor." Im Vertrauen auf Gott lag der Makkabäer Sieg. Dies Vertrauen hat uns nie getäuscht im langen Laufe der Geschichte; der Herr hat immerdar geholfen. Das Licht einer beglückenderen Z'it umziebt uns. Die Lehrer des Volkes — das sind die Lichtbringer, die Lichtj mehrer I Entfernen Sie, so viel an Ihnen ist. die Schatten i von der Seele der -Männer, oie das Licht des Vertrauens , in der Seele Ihrer Kmoer entzünden, damit immer höher ] strahle der Glanz unserer göttlichen Lehre. „Und zur Aaendi zeit, da wird es Licht werden " Seien Sie, wie immer, der hochverehrte Freund j ' Ihre» ergebensten X.?8 ü d> e r f cb o u. Friedensfeier. Predigt von ör. L. Adler, (Cassel). Auf Verlangen herausgegeden zum Besten der städtischen' Armen ohne Unterschied der Confession. Caffel 1666. Gebr. Gott helft. Gelegenheits-Predigten muffen nach dein Momente beurtheitt werden, welcher sie hervorgerufen hat. Das von Preußen angeordnete Friedensfest bot den Predigern in den anuectirten Ländern gewiß der Schwierigketten manche dar. Der Herr Verfasser hat sie siegrech überwunden. Ec verweist auf den Wechsel des Vaterlands, zu welchem ehemals Israel - durch kriegerische Eceigniffe gezwungen worden war. und auf die religiösen Ermahnungen und Tröstungen, welche der Prophet Jeremia

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