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Der israelitische Lehrer · 1866-12-13 · 50 (13.12.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
50 (13.12.1866)
Date
1866-12-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der AsiAKtiseke JeLrer. Zeitschrift für die gesammten Interessen deS israelitischen LchrerstandeS und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittrven und -Waisen in Deutschland. J\§ 50« Mainz, den 13. Dezember 1866. (Lsolislsr Wö«bn>tlich I SNinnnrr. BirrtrljLhrlichrr Abönnemnitsprri» 27 kr. — */« Thlr. Bei frankirier Zui/ndung unter kireuzdand jainUch 2 il. 12 kr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen au. Was den Lehrern vor Allem Nvth thnt. In tftricsen an einen hochgestellten Freund. VI. Vertrauen. (Schluß.) 11 nbedingtcs Bertroukn von Seittn der Gemeinde ist das eiste Eisorderniß für den Lehrer, wie für jeden jüdischen Religionsbeamten, — wenn fern Wirken gesegneten Erfolg baden soll. Wir haben in letzterer Zeit einen traurigen Beleg dafür gehabt, wohin es führt, wenn man den Mann, der sein Amt treu verwaltet und desten sittliches Leben ohne Makel ist, auf Schritt und Tritt aus niedrigen Gründen mit Spürern umgiebt, um Leben und Wirkiamkeit treuer Beamten zu verdächtigen. Tos Judenthum"wird durch solches ceti Vi'rn in den Koth gezogen, und nichtssagende Schwatzereien werden zum Hebel des Unfriedens, des Fanatismus und der Verfolgung. Solches Mißtrauen von Seiten der Gemeinde gegen ihre Lehrtr ist geeignet, den Lehrerstand weit zurückzudrängrn, ihn zu demoralisiren. Wir kennen dos leidige traurige, durch und durch unsittliche Sprichwort, dos bei vsilen Israeliten der Jetztzeit gang und gäbe ist und dos religiöse Leben in seinen Grundvcsten erichütteit: „Wenn id> auch betrunken bin, mein Kutscher muß. nüchtern sein" l Dies an und für sich unsinnige-, aus sittliche und religiöse Dinge aber, der unsittlichen Voraussetzung willen, durchaus nicht anwendbare Wort ist gleichsam die wunderliche Devise der Gemeindezu- und Vorstände geworden, und Männer ohne alle Religiosität, die jeden echtjüdischen Gebrauch' mißachten, für ihre eigene Person alles als lächerlichen Unsinn verhöhnen, was Andern heilig ist, die nie den Eabath halten, die Epeisegesitze durchaus nicht bepchten, sitzen zu Gericht über den Rabbiner und Lehrer und stellen Wachen aus, um zu ermitteln, ob sein religiöses (?) Leben die nöthige Garantie (?) biete. Das ist ein verwerflicher Durcheinander, eine schauerliche Gesinnungslosigkeit, die jede edlere selbstständige Denkungsart verbannen und untergraben und die Lehrer zu Heloten der Gesinnung herabdrücken muß, daß sie nicht mehr wißen, was sie denken, thun oder sagen dürfen.! Eine gleiche oder ähnliche Befangenheit äußert sich in j vielen Gemeinden; dem Lehrer gegenüber, in dem, was seinen! eigentliche Lebens- und Berussausgabe bildet, in dem Ur- \ theil über die Schule und die Wirksamkeit des Lehrers in i derselben. Wir freuen uns der regen,, thätigen Theilnahme | der Väter und Mütter an dem Leben der Schule, an den ^Fortschritten ihrer Kinder. Traurig siebt eS aus, wenn die j Eltern für die Schule keine Theilnahme zeigen; da ist die j Thätigkeit und Kraft des Lehrers vielfach gehemmt. Sein j Thun gleicht dann dem Einschöpsen in's Faß der Danaiden, denn i was er mit Mübe-m der Schule einpumpte, — das Haus l läßt es gleichgiltig wieder auslaufen. — Wohl trifft dies traurige Verhältniß bei Juden seltener ein, da wir — Gott-! lob — ein eigentliches Proletarait nicht haben. Dagegen sehen wir in fast allen Gemeinden jenes traurige Vorur- | theil gegen die Perlon des Lebrers, das an seinem Tbun i und Wirken stets zu tadeln findet, täglich und stündlch di« j ungebührlichsten Forderungen an die Schule stellt, und alle j und jede Tbätigkeit des Lebrers bekrittelt, seinem Wollen! und Strebt mit Mißtrauen begegnet. Hier ist eine Mutter, die doch ihr Kind für besonders geistvoll hält, weil es ihr Kind ist — es ist io gescheit, wie kein Anderes mehr auf der Welt — aber der Lehrer lobt es nicht, seine Fortschritte in der Schulesind unmerklich, langsam; da kann nur der Lehrer cie Schuld tragen, dessen Methode nichts nützt, der für ein >o zartbesaitetes Kind viel zu rauh und ungeschliffen ist. Da waren doch die alten Lehrer andere Leut', die es erlaubten, daß die Kinder von ihren Eltern in und vor der Schule Raschwerke (— vom Malach geworfen) — erhielten. In einem Hause wohnen zwei Brüder verschiedener GeistcSriLtung, verschieden in den Religiösen Anschauungen. Beide haben Söhne in die Schule gehen „Unser Lehrer ist ein irreligiöser Men'ch, ein neuerungssüchtiger Gottesleugner, schlimmer als ein Heide," beklagt sich der eine Bruder beim Schulvorstand, „mein Jakob ist jetzt bereits acht Jahre alt und kann noch nicht hebräisch leien Deutsch Ist st er wie ein Engel, aber vom Hebräischen noch keine Idee; jeden Tag kömmt da« Kind nach Hause und weiß eine biblische Geschichte, ein deutsches Gebetchen, einen

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