Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 49 (6.12.1866)
- Date
- 1866-12-06
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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201 Tcjiclt ist an die Stunde, dein ist ein Vertrauen auf die Zukunst und Befriedigung der sinnlichen Bedürfnisse dringender nöthig als allen Anderen, irrn ein gewisses Gleichmaß der Gefühle hcrzustellen. Der Lehrcrstand durste hoffen, daß seine gerechten Auforderungen bald Gewährung finden, denn die öffentliche Stimme hatte sich fast einmnthig dafür ausgesprochen. Armer Lehrerstand! Die Sieger auf deinem Felde erhalten keine Dotationen. Du wirst jetzt wieder lange, lange warten müssen! Darum staunte ich nicht, als mir kürzlich ein Freund schrieb: „Man spricht setzt viel von Lehrerbildung und auch der „Isr. Lehrer" stimmt ein. Sollte man nicht im Gegentbeil dahin wirken, daß alle Lehrerbildungsstättcn geschlossen würden, damit zu der großen Masse unserer Kollegen, die mit ihrem Stande unzufrieden sind, nicht noch eine junge Schaar hinzutretc mit erhöhten Anforderungen — ohne Aussicht auf Befriedigung! Nein, Nein! mir dürfen uns das Vertrauen' auf volle Befriedigung in der Zukunft nicht rauben lassen! Damit aber das möglich sei, so helfen Sie mit, geehrter Herr, daß wir Abschlagszahlungen erhalten, daß mindestens ein Theil unserer gerechten Anforderungen Krhörung finde; denn nur aus einer theiliveisen Befriedigung kann das Vertrauen auf stetige Steigerung emporsprießcn. Doch nicht dies Vertrauen ist eigentlich der Vorwurf meines heutigen Schreibens. (Fortsetzung folgt. > Bemerkungen zu der Krage *) „Toll das □'□rrn? «• f* w ** aucd ferner noch feine Vollgültigkeit haben? ,'vit allen Stücken ist nach dem Talmud der Taubstumme nicht dem Blödsinnigen und Knaben gleichgestellt, denn z. B. bei der Khaliza wird der rin (beiderlei Geschlechts > eben aus dem Grunde nicht zugelasseu, weil er nicht sprechen und hören kann, (in:,jnv''r "J2 -xd siehe Tos Chol. 12, J s. v sr ]N-(, der Knabe, weil er kein Mann ist, der Blödsinnige aber, weil er keinen Begriff hat l.rcpno). Ebensowenig. wird der Taubstumme für bildungsnn fähig gehalten, da er einen Scheidcbrief schrei b e n darf. Das Zusammenstellen verschiedener Klassen geschieht auch öiter im Talmud bei anderen Personen, z. B. Frauen und Sklaven, und doch ist zwischen denselben in der Abstammung (3™) ein himmelweiter Unterschied, die Zusammenstellung geschieht ohite Absicht aut Zurücksetzung, itur die Gleichheit in der vorliegenden Sache bedingt die Zusammenstellung. Wenn auch eine ganze Klasse von irgend einer Handlung ausgeschlossen ist^ so sind Ausnahmen für hervorragende Mitglieder dieser Elaste nicht allemal ausgeschlossesi, wie z B. -"-q n»ya siehe brach. 16, a. u b. Nach 801 ist Chol. 12 b. die .TJ'n» eines cnn?c. in Gegenwart eines andern geeignet, ibid 1A b. ebenfalls die eines Blinden und zwar ohne Einivendung von irgend einer Seite. Vielleicht'der Uiustand, daß dem Blin- ») Nr. 39 d. Bl. den nur ein Sinn, dem Taubstummen aber zwei Sinne fehlen , führt für Letzteren die größere Zurücksetzung herbei, denn die Ausschließung des Taubstummen geschieht in Rücksicht auf „idpbp' wxoic". Vielleicht könnten s k (beim Schlachten) Fehler machen und dadurch etwas verderben, denn es kann Jemand, dem zwei Sinne fehlen, leichter etwas verderben, als derjenige, dem nur ein Sinn fehlt. Don der praktischen Seite betrachtet, sollte man einen Taubstummen nicht zur nu-rw heranbilden, denn schon ein (np'L) Gesunder hat alle fünf Sinne nöthig, um weder einen Fehler zu begehen, noch sich oder seinen 'Nebenmenschen zu beschädigen (otupb lyr: c'x), wer aber soll für den nn verantwortlich gemacht werden? — — — F. Reccnfion. Volksklänge. Lieder für mehrstimmigen Männerchor. In Einzelstimmen und Partitur ^erauSgegeben von Lud. Erk. Dritte, vermehrt? und verbesserte Aufl. Leipzig 1866. Druck und Verlag von Julius Klink ha cd. Vor mir liegt das 2 Heft genannter Liedersammlung des bekannten Herausgebers, der es versteht, bei den deutschen Gesangvereinen das Volkslied wieder in Credit zu bringen So löblich und anerkennensmerth es einerseits ist, daß fast in allen deutschm Städten und Dörfern unseres Vaterlandes Männerchöre in's Leben gerufen worden und werden, und so gewiß Jeder, der für Bildung und Fortschritt des Volkes Interesse zeigt, einsehm wird, welch' ein mächtiges Bildungsmittel ein guter deutscher Männerchor ist; io sehr zu beklagen ist cs anderseits, wenn viele deutsche Vereine, insbesondere in kleineren Städten und Dörfern auf eine falsche Fährte gerathen und dadurch ihren schönen Zweck verfehlen. Während nämlich solche kleinen Vereine, deren Mitglieder meist nicht musikalisch sind, sich wehr auf die Einübung einfacher Chöre beschränken und stets im Auge haben sollten, daß ihr Verein nicht eine Kunstschule sei. weichen sie von diesem Grundsätze dadurch gänzlich ab, daß sie Lieder einübeu, die für ihre Kräfte zu hoch gehalten, deren musikalischen Werth sie nicht verstehen und die darum nur höchst selten richtig aufgefaßt und vorgctragen werden können Anderseits werden osif solche Chöre eingevaukt, die fast gar keinen, oder nur wenig musikalischen Werth haben, dagegen sehr groß sind, und deren Text wegen seines drolligen meist aber nichtssagenden Inhaltes bei Nichtkennern beliebt ist. Die Folge davon ist, gewöhnlich Abspannung und Ermüdung der Mitglieder, Unzufriedenheit mit sich und ihrem Dirigenten, wenn solche Chöre nicht den gewünschten Erfolg haben, oder, umgekehrt, Ueberhebung und selbstgefällige Zufriedenheit, wenn Lieder ihres launigen Textes, wegen, bei öffentlichen Aufführungen vor einem nichtcompetenten Publikum, beklascht werden. — Und wie viel unnöthige Ze t und Mühe ward oft zur Einübung eines solchen Liedes vergeudet! — Warum wird das Volkslied nicht mehr gepflegt? Das hauptsächlich ist es, welches neben anderen einfachen ächt deutschm Männerchören« an denen wahrlich kein Mangel, den Zweck der Gesangvereine, insbesondere aus dem Lande,