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Der israelitische Lehrer · 1866-11-15 · 46 (15.11.1866) · p. Seite 189

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
46 (15.11.1866)
Date
1866-11-15
Page
Seite 189 (sequence 3)
Language
German
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1 189 vorzüglicher Lehrer! Und nicht, wie es dermalen ist, sondern wie es in Zukunft werden soll, ist der Gegenstand unserer Erörterung. Darum verlangen wir, daß an den Seminarien „tüchtig geschulte Schulmeister," keine s. g. Literaten als Lehrer wirken. Der jüdische Lehrer hat eine doppelt schwierige Aufgabe. Mrn fordert von ihm nebst einer vollständig entsprechenden Leistung in allen Elementard. i. Volksschulsächern auch noch Tüchtiges im Hebräischen. Das kann er nur vermittelst erhöhter methodischer Leistung; d. h. die jüdischen Lehrer müssen in weniger Zeit dasselbe leisten, was die christlichen Ui leisten haben; was extensiv (für einzelne Fächer) verloren geht, muß intensiv ersetzt werden. Um dies zu bewirken, nruß die Lehrerblldung eine tüchtige, elementarische, praktische sein. ÄÜeS muß auf die Schule bezogen werden. Diesterweg, — nach unserer Ansicht der größte Schulmeister unserer Zeit und da die Welt fortgeschritten ist und stets fortschreitet, der größte Lehrer aller Zeiten, da in ihm wohl die pädagogischen Errungenschaften aller Zeiten stch verkörperten; der Mann also, besten Ansprüche auf diesem Gebiete klassisch sind — Diesterweg sagt in dem Aufsatze,*) „Wie cs mir erging" der, ein Bild seines amtlichen Martyriums, mit seinem Herzblute geschrieben ist: „Und doch sind praktisch gebildete Elementarlehrer, die von der Picke auf gedient haben, die einzig nützlichen, die wichtigsten Lehrer an einem Seminar. Es mag in mancher Benetzung gut sein, wenn der Direktor akademische Bildung hat; norhwendig ist cs nicht; daß er ein Theologe sein müsse, halte ich für eine sehr schädliche Marotte. Ein künftiger Srminarlehrer kann auf der Universität Stoste sammeln; das Lehren aber kann er daselbst nicht lemen. Alls, was er von akademischem Wesen in das Seminar hineinträgt, verdirbt die Anstalt; dieses gilt sogar von dem „wis- -enschaitlichen" Inhalte; von der Methode, vom Dociren versteht es sich von selbst. Die Literaten sind in der Regel die Verderber der Seminarien; die praktischen Lehrer sind ihre Hauptlehrer." So Diesterweg. Was er gewollt, war die freie Entwicklung des gottentstammten, ihm ebenbildlichen Menschengeistes zur Selbstthätigkeit im Dienste des Wahren, Guten und Schönen." Erstreben wir das nicht auch als Israeliten? So lastet uns den bewährten Ansichten des Meisters folgen. Lehren ist eine 'dunst, die gelernt sein muß. 1«») Die Lehrer, am Seminar müsten gut gestellt sein; sie müsten den „niederen Dienst der Volksschule," wie Manche 'agen; den heiligen Volkslehrerverus, wee wieder Andere sagen, als ihr Lebensziel erkennen, und im Seminar die höchste Stufe, in dem Wirken dort das Höchste, daS sie erreichen können, gesunden haben. 11) Das Seminar muß huf 4 aussteigende Jahreshtrie berechnet sein. Jedoch müssen die Zöglinge der ihrem 1 Eintritte ins Seminar das sechez-hnte Levensjahr zurückgelegt und die entsprechende Vorbildung genossen haben, damit in den zwei ersten Jahre das Wlsten inhaltlich abgerundet, ergänzt und erweitert werde und dann daS dritte und oierte Jahr hauptsächlich der Pädagogik alsspecieller Fach- > Jahrbuch W51, S. 59. Wissenschaft und der praktischen Derwerthung des Materials zugewendet werden kann. Die Vorbereitung zum Seminar kann in einer Realschule, bei einem Präparandenlehrer oder in eigenen Präparandmschulen geschehen. Schlecht beanlagte oder körperlich untaugliche Menschen müsten von vorn herein nachsichtslos vom Schuldienste ausgeschlossen werden. 12) DaS Seminar steht unter Aufsicht einer Behörde, die mindestens theilweise aus praktischen Lehrern besteht. Die ständigen Lehrer der Anstalt baden Sitz und Stimme in diesem Schulrathe. Alles, was dem Seminar jedoch dm Stempel oder nur dm Anschein einer Parteianstalt geben könnte, bleibt ausgeschlossen. Das ist die erste und letzte Anforderung. Wir wollen eine jüdische Lehrerbildungsanstalt; weder eine orthodore noch eine reformistische. Voraussetzungslos, ohne Gewistensscrupel oder Furcht müssen die Zöglinge des Seminars von dm Gemeinden aufgenommm werden. Lehre und Leben im Seminar müssen principiell streng religiös sein; Ausschreitungen nach beiden Seiten hin müssen sorgsamst vermieden werden. Täglicher Gottesdienst, strenge Sabathfeier, koschere Küche sind selbstverständlich zu wahren — oo werdm die Lehrer freundliche Aufnahme in allen Gemeinden findens und ihre freie geistige Entwicklung kann nur gerade in solcher Weise gefördert und vor innerem Zwiespalt gewahrt werdm. Wir laflm es bei diesem Dutzmd Wünschen vorläufig bewenden. Noch viel Verdienst ist übrig. Mögm einstweilm . diese unsere Anschauungen Berücksichtigung und gmeigteS Gehör bei den Männern finden, welchen in kürzerer oder längerer Frist die Aufgabe einer" Organisation oder Reorganisation einer Lehrerbildungsanstalt näher tritt. Wir glauben für unsere Anforderungen das volle Einverständniß der stimmberechtigtm Schulmänner zu haben. Solltm andere Ansichten herrschen, so sind wir geme bereit, ihnm die Spaltm unserer Zeitschrift zu öffnm. Die Lehrerbildungsfrage ist die wichtigste Frage des Judenthums der Gegenwart. Sie würde am besten gelöst werdm, wmn die MännörP denen das Heil des Judenthums und der Schule am Herzen liegt, einegroßefreie Versammlung beriefen, und einen Ausschuß wähltm, der einen Plan auf festen Grundlagen entwirft und ihn durch die Presse" der öffentlichen Besprechung und allgemeinen Zustimmung überantwortet. Einseitig kann diese Frage mcht befriedigend gelöst werdm. Wo sind diese Männer? ' An Euch aber, ihr Lehrer, ergeht die Anforderung, alle Schritte, die die Bildung einer solchen Anstalt bezwecken könntm, nachdrucksvollst zu unterstützen. Das Heil, des gesammtm Lehrerstondes kann nicht Vesser gefördert' werden, als durch einen tüchtigm, durchgebildeten, charakter- - vollenselbstbewußten Lehrerstand. B ü ch e r s ch a u. Homer's C biMcf, bearbeitet mi Ferdinand 2cf mibt IIL Auslage, mit 2"> Illustrationen von <*. Bartsch Berlin, Perlag von Hugo Kästner u. Comp. (Pr. 20 Sgr.) Von Rbeinsberg :c. :c. bis Köyigsgrätz., Preußens Krieg gegen s

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