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Der israelitische Lehrer · 1866-11-15 · 46 (15.11.1866) · p. Seite 188

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
46 (15.11.1866)
Date
1866-11-15
Page
Seite 188 (sequence 2)
Language
German
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18S* — tung nicht genügen, während das Gefallen, das man am l Cauior findet,'daS Lehramt ungemeln^>rleichtert. Es muß daher mit dem Seminar ein Gottesdienst' verbunden sein, I der praktische Hebung erleichtert. Ist die Zahl der Semij noniten so groß, als wir oben schilderten, so dürfte wech-! selwene in verschiedenen Lokalen Pnvatgottesdienst anzuordnen sein. 5) Es muß dafür gesorgt fein, daß eine Anzahl der Zöglinge ganz oder theilweise ihren Unterhalt im Seminar durch Stipendien haben. Ob hier nicht -das aus alter Zeit i im Judenlhum hergebrachte Familien- und Pcivatstipendiat dem ■ vom Seminar zu vergebenden vorzuzieh-n sei, dürste der > Erörterung werlh sein. Eine Einrichtung, wie die bei den ■ Fraukel'schen Stiftungen in Breslau gebräuchliche, — daß; nämlich gewisse größere Gent inden einen oder mehrere i Zöglinge auf ihre Kosten ausbilden lasten, —dürste sehr zu empfehlen sein. Es könnten ja bewndere Fonds in den Gemeinden gebildet werden, ibo etwa alle 5—10—20 Jahre j ein Zögling auf Kosten der betreffenden Gemeinde ausge- I bildet wird. ' 0i Es muß den Zöglingen die Gelegenheit geboten sein, gegen ganz billige Vergütung im Seminar selbst oder i anderwärts die Kost in anständiger, ausreichender Weise zu 1 bekommen. Sogenannte „Äofttage" sind gänzlich zu untersagen. Sie beschämen und erniedrigen. Das Erternat (die Wohnung in der Stadt, in beliebigen Miethlokale,) ist dem Internat (dem Wohnen im Seminargebäude) weitaus vorzunehen, ja bas Letztere geradezu durchaus zu verwer- - fen. Tatsachen beweisen, daß -die Beaufsichtigung einer größec.-n Zahl von rusammenwohnenden jungen Männern von 10—20 Jahren durchaus unmöglich ist, und daß dies - Zusammensein und Zummmenschlasen solcher, jungen Leute oft ' zu den gröbsten llngehörigkeiten führt. Besteht eine Aussicht, so führt dieie nur zu Tämchungen. Verheimlichungen und anderen Unsittlichkeiten, zu knechtischem Gehorsam, zu klösterlicher Einschränkung und Lurch Entbehrung der den Men- , schen zu seiner sittlichen Entwicklung und Kräftigung durchaus nöthigen Freiheit --- zur Ünsittlichkeit und Unfreiheit. Dabei ist aber auch der freie Umgang mit gebildeten Men- ' ichen anderer Beru'sgattungen dem werdenden Lehrer durchaus nothwendig, um, ihm jxue Freiheit und Sicherheit im geselligen Umgänge zu verschaffen, die ihm für feine spätere Lebensstellung unbedingt Noth timt. Nicht durch Zwang, sondern durch nttliche Freiheit, erzieht man Männer. Kinder mögen durch Gewöhnung in geschloffenen Anstalten gewinnen; Seminaristen, die demnächst als Lehrer in die Welt treten, muffen lernen, stch selbst vorzustehen und zu beherrschen und stnd verloren, wenn , sie nicht im Stande sind, in ihrer eigenen sittlichen Ueberzeuaung den Maßstab für ihr Verhalten im Leben zu finden. Wie mag man Zöglingen, die eben einer klösterlichen Dressur-und Abrichtungsanstalt entnommen sind, die. Leitung und Erziehung von -Kindern übertragen? sie, die noch nicht einmal den Beweis geliefert baden,-daß ihre Selbsterziehung dis zu dem Grade gediehen ist, daß sie in „freier Lust" sich bewegen und erhalten können? 7> Das Seminar muß geeignete. Helle, und weiteMäume für den Unterricht und genügende Hilfsmittel nach jeder Richtung — Bibliothek, Naturaliensammlungen u. dgl. — haben; eine Forderung, die zu selbstverständlich ist, als daß wir mehr Worte darüber verlieren sollen. 8) Das Seminar muß einen Dirigenten und eine hinlängliche Anzahl ständiger Lehrer haben. Das Hilsskehrerweserr wirkt durchaus schädlich und ist nur für einzelne Fächer Zeichnen, Mustk, Schönschreiben — zur Noth zulässig #ür die verschiedenen Fächer muffen geeignete Fachlehrer in genügender Anzahl vorhanden sein. Diese müffen einestheils, einen hinlänglichen Wirkungskreis im Seminar sölbst sinden; anderentheils aber auch, die nöthige Muße haben zur tüchtigen ausreichenden Borbereitung und Fortbildung sowohl in Ihrem speziellen Fache als auch im Schulwesen überhaupt*). Die Pädagogik mit ihren HstsSwiffenschaften (Anthropologie, Psychologie) muß unbedingt in der Hand des Direktors der Anstalt siegen, dem wir außerdem höchstens noch etwa den systematischen Religionsunterricht und theilweise den Biüesimterricht zuweisen möchten. Dam» braucht man noch einen Lehrer für den weiteren hebräischen Unterricht, einen solchen für deutsche Sprache, Geschichte, Geographie, für Mathematik und Naturwissenschaften. 9) Sämmtliche Lehrer der Anstalt muffen vor Allem Elementarpädagogrn^in der vollen Bedeutung bes Wortes sein. Was sie sonst noch nebenbei sein mögen, — Theologen, Drs. der Philologie und der Philosophie oder dzl. — ist im Grunde ziemlich gleichgülttg; es kann, genau genommen, dieses „Nebenbei" wohl oft schaden, selten nützen. Die Lehrer sollen für ihren praktischen Berns, als Lehrer der „Elemente des Wissens' vorgebildet werden. Der Ansichtsvolle wird vie Schwierigkeit nn°> die Bedeutung dieser Arbeit anerkennen. Niemand wird es einsallen, einen Geistlichen zum Gerichtsdirektor zu machen, oder einen Berwallungsbea nten zum Prediger zu berufen. Noch vielweniger würde es gut thun, wenn es einer Behörde ein siele, einen Geistlichen darum, weil er ein vorzüglicher Theologe ist, züm Prozessoren des römischen oder deutschen Rechts zu machen. Jedermann wird schon diesen Gedanken lächerlich sinden. Glaubt man vielleicht, der Bolksschulunterricht oder die Volksschule seien weniger Fachwissen, weniger schwierig und bedeutungsvoll? Man versuche eS denn einmal, man lasse die Herren, welche sich zu Lehrern der Lehrer geeignet siuoen. selbst eine praktische Probe ablegen. Man prüfe einen solchen Semmarlehrcr, indem man ihm die Ausgabe st'llt, in der untersten Schulklaffe eine analyttsch-sy lthetische -Lese- und AnschauungSunterrichlSstunde nach Dr. Vogel zu ertheileu. Oder man beauftrage ihn. in einer anderen Klaffe den Begriff des TheilenS oder MeffenS, oder Der Brüche oder der Dezimalbrüche zu entwickeln und zu erläutern. Und. diese Herren wollen die Lehrer der Lehrer sein? — Wohl wird man unS einwenden, daß die Zahl der Elementar-Lehrer, welche ih-er Aufgabe nicht genügen, sehr groß sei;- daß es, leider, sehr viel schlechte Lehrer gäbe! Zugegeben! Aber es gibt doch auch eine sehr namhafte Anzahl *1 Das neuerrichtet« Pädagogium städtische Lehrerfortbildungsanstalti in Wien hat die Stelle eines Direktors mit 2500 'und eines ersten Lehrer« mU fl. 1500 und beier Wohnung bei wöchentlich 14 Stunden Unterricht ausgeschrieben. Freilich etwas wenig! Doch dürften je 20—2L Stunden ein Marimum sein!

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