Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 46 (15.11.1866)
- Date
- 1866-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Kr Krsrlitjsrke Iekrer. Zeitschrift für die gesummten Jnteresien des israelitischen Lehrerstandes und zugleich Organ für dm Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Wittwen und -Waism in Deutschland. Lehrer- M 46. ' Mainz, den 15. November 1866. (Loolrslsr Jahrgang.) Wöch««tlich 1 Simmuer. Vierteljährlicher,LbonnemmtLp,ns 27 lr. *- 1/4 Thlr. Bei franlitter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Anzeige« zu 1 Ltzr. die Prtüzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. --- Die Semmarfrage (Schluß.) Die Beschaffung geeigneter LehrerbildungL - Anstalten 'ist eine TageSsrage geworden. Als Bedürfniß der Gesammtheit ist fie eme Aufgabe derselben, eine Aufgabe der Gemeinden. Wird fie entsprechend gelöst werden? ' Halbheit kann hier nur schädlich wirken. Anstalten, aus welchen nicht durchgebildete Lehrer he: vorgingen, schadeten mehr als sie nützen. Sie erfüllen die Zöglinge mit eitlem Dünkel, bilden „fertige" Menschen, die, weil sie selbst nicht entwicklungsfähig sind, auch nicht zur Entwicklung drr Schule beitragen. O, wir haben leider schon eine große Menge dieses faulen Gesindels, die den Zeitschriften, den Büchern, den Lehrer-Vereinen und Versammlungen abhold sind, weil sie nicht gestört sein wollen in ihrem Dusel; für die es keinen Fortschritt giebt; die todt sind für. die geistige Bewegung. Entweder, oder! Wie muß unsere israelitische Lehrerbildungsanstalt der Zukunft sein, wenn sie chrer Aufgabe ganz genügen soll? 1) Sie darf nicht auf einen kleinen Kreis, auf eine Provinz oder Land beschränkt sein, sondern muß chrer Anlage nach von vorn herein darauf berechnet werden, einer großen Gesammtheit zu dienen. Wir nehmen als Minimalzahl der Zöglinge 60 an. Nur so wird die Anstalt die gehörig- Mischung der Kräfte, hinreichende Anregung für die Schwächeren, einen hinlänglich befriedigenden Wirkungskreis für die nöthige Zahl der ständigen Lehrer bieten. Nur so wird fie sich auch hinreichend Mittel verschaffen können. Nur keine Seminar-Garküche I 2) Mit dem Seminare muß eine tüchtige jüdische Bürgerschule, Musterschule, in Verbindung stehen. „Die Bildung künftiger Lehrer zerfällt in eine theoretische und in eine praktische, d. h. sie erhalten selbst Unterricht und sie sollen daS Unterrichten lernen. Beides liegt nicht außer, sondern ineinander; der Unterricht der Seminaristen selbst ist ganz praktischer Art und Natur. Alles bezieht sich auf ihre Bildung zur bewußten Praxis des Unterrichts. Das Lernen der Lehrers ist zunächst ein Beobachten, ein Sehen, I ein Erleben, ein Leben in einer Sphäre, wo das Lehren lebt, in einer Praxis, die sie an sich erfahren und an Kudern beobachten, mit sich und mit Andern lehrend beschäftigt und unterrichtend bethätigt. Wie der Handwerker, der Künstler rc. sich vorzugsweise in einer Künstle:Werkstatt tüchtig ausbilden, so der Schullehrer durch eine Musterschule. Sein Beruf ist ein praktischer; die Trennung des Wisiens in Theorie und PraM hat für ihn gar keine Geltung. ES giebt für den Schullehrer keine Biloung durch reine Theorie. Dieselbe führt ihn von seinem Berufe ab. Das wesentlichste Bedürfniß einer Lehrerbildungsanstalt ist darum eine musterhaft eitlgerichtete Schule." (Diesterweg.) 3) Das Seminar muß die sämmtlichen Religions- und allgemeinen Unterrichtsfächer gleichmäßig und in harmonischem Zusammenwirken betreiben. Das Seminar darf ebensowenig bloß armselige Dreffuranstalt für künftige PariaS der Gesellschaft sein, d. h. für blose Religionslehrer, die zur Ertheiluug eines ausgiebigen Elementar- und VolksschulunterrichtS unfähig find, noch darf das religiöse Fach, oder sagen wir gleich daS Hebräische, zu kurz kommen. Jenes ist nöthig, wenn der Lehrer in der menschlichen Gesellschaft eine würdige Stellung einnehmen will; dieseist die Aufgabe des Seminars als eines jüdischen. Die fortschrittj liche Richtung darf uns nicht blind machen gegen das unabweisbare Bedürfniß, daß das Judenthum von seinen Bekenner» ein Eingehen auf die Religionsauellen unbedingt zu fordern berechtigt ist. Der Religionslebrer muß in den Rellgionsschriften. soweit ne allgemeine Bedeutung haben, insbesondere in Bibel, jüdischer Religionsgeschichte und Liturgie vollkommen bewandert und zu weitergehenden Studien vorgebildet sein. 5) Das Seminar muß dem angehenden Lehrer zugleich praktische Gelegenheit zur Ausbildung im Vorbeterdienste bieten. Wir wißen, daß mit dem größten Theil der jüdischen Lehrerstellen daS Cantoramt verbunden ist. Wir wissen , daß sehr oft — zur Zeit leider fast im Uebermaße — viele Gemeinden zuweilen ein größeres Gewichtmuf den Borbeter legen, als auf den Lehrer. Wir wiffen, wie selbst tüchtige Lehrer in unangenehme Stellung zur Gemeinde kommen, wenn sie bescheidenen Anforderungen in dieser Rich-,