Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 45 (8.11.1866)
- Date
- 1866-11-08
- Page
- Seite 184 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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184 pxn "u ba Tjnra. „Durch deine Kinder sollen gesegnet werden alle Völker der Erde." (Das. 22, 19)', sprach Gott zu Abraham. ' Das erkannte Rebekka mit dem Scharfblick, welcher in solchen Dingen Frauen, und Müttern insbesondere, oft in höherm Grade eigen ist, als den Männern und Vätern, gar bald, was von Jiaak in seiner leiblichen und geistigen Blindheit nicht bemerkt wurde, daß Esav nicht fähig war, solche Pflicht« zu übernehmen und nicht geeignet, Träger der Gotteserkenntstiß und Lehre zu werden. Und sie irrte sich darin nicht. In seinem Leichtsinn achtete Eiav sogar die weltlichen Vorjtheile und Ehren nicht, welche mit seiner Erstgeburt verbunden waren. Wähnend, daß Jakob auf diese nur Absichten habe, weil daraus auch nur sein Sinn gerichtet war, sprach er: maa c n? naai -jPn c;x mn. „Ich muß ja doch dereinst sterben,- wozu soll mir da die Erstgeburt?" (Das. 25, 31). Er begriff die Ideen und PstiLten gar nicht, welche ihm als Erstgeborenen auferlegt waren, und begriff er sie auch, wollte er sie doch nicht übernehmen, er wieS sie verächtlich von sich; rnaan nx jan. „Esav verachtete die Erstgeburt" so schließt kurz und bedeutungsvoll die Erzählung (Dast V. 34) Esav hatte nur Sinn für momentanen Gemck, aber kein Streben für die Ausgaben und Zwecke der Zukunft, selbst nicht für die weltlichen, geschweige für die geistig-idealen. Esav's Charakter war wild, oberflächlich, Jakob'S einfach, aufrichtig, tief-sinnig, geistig-denkend, gemüthtich-empfindend. So wären beide'Brüder von Natur geartet. Und dieiler höhere, religiöse Sinn war bei Jakob noch durch die Erziehung des Hauses und den Einfluß der Mutter gestärkt worden, denn derselbe erhält gerade seine Pflege besonders durch die häusliche Erziehung und seine Nachhaltigkeit mehr durch die Innerlichkeit, Gemüthlichkeit und Idealität der! Mutter, als den auf Äußerlichkeit und Weltlichkeit gerichteten Sinn des Vaters. Diesem Einfluß sich Eiav zudem noch entzogen, und der Aeußerlichkeit und Weltlichkeit gerichteten der Mutter hatte Vater, dessen auf sie liebe, bringe noch segne, bevor Sinn die Sch.ist hervorhebt, — man höre: nx pnä’ anx’i T22 c -rv. „Jiaak liebte dm Esav, west er Wildpret jagte für feiten Mund," Und den sie kur; vor seinem Tode im ernsten, heiligen Momente noch zu seinem Sohne Esav sprechen läßlj: tsj *p-orr ptaya ... dtveo nryi ri-x a-aa. „Bereite mir schmackhafte Gerichte, wie ich re mir, daß ich Ire esse, damit ich dich ach sterbe-(Das. 27, 4), der Vater, sage ich, war nachsichtig und blind gegen die Fehler seines Soh-/ nes, nicht erst im Alter, sondern schon in den früheren Iah-' ren seines Lebens: und drängte ihn nicht zur Betheiligung an diesem wohlthqtigen Einflüsse seiner Mutter. So übernahm denn Jakob diese Pflichten der Erstgeburt, und von da an sind sie bei den Söhnen Jakob'S, den Kindern Israel, geblieben, -ca pa H anp. „Heilige mir alle Erstgeborenen" (Das. 13, 2), sprach Gott zu Israel sofort bei der Erwählung und Berufung in Aegytm, und dieses Gebot ist ein Hauptgebot unter Israel geblieben.' «in c. (Das.) „mir seien sie geheiligt und geweiht," meinem Dienste sollen sie sich ergeben, die Pflichten, welche die heilige Sache Gottes, die Erhaltung und Verbreitung der Gotteserkmntniß und die Ausübung der Gotteslehre erfordern, übernehmen. Der Erstgeborene eines jeden Hauses in Israel übernehme die Pflicht, israelitische Lehre und GotteSerkenntniß als ein Erbeigenthnm in Israel zu erhall« und zu bewahren „apy nPnp nanio". (Deut. 33, 4), damit sie von Israel aus Eigmthum der ganzen Well werden könne — nach den Worten unsers Glaubens und unserer Verheißung acan-po 'n -tan nun xvn p’SD c „die Lehre wird von Zion, das Wort Gottes von Jerusalem ausgehen" (Jes. 23). . Nunmehr war für Jakob aber auch der väterliche Segen ein Recht und eine Nothwendigkeit gerade, — denn ohne Segen von Gott, — und das bedeutete Jakob der Segen des Vaters, — kann dem Menschen Nichts gelingen aus Erden. Nicht allein, daß ihm daher nach seiner streng religiösen und idealen Denkweise der Segen nicht gleichgültig sein konnte, er gebührte ihm vielmehr als ein Recht und eine nothwendige Folge; er fiel Jakob gleichsam von selbst zu, denn das Recht auf dm väterlich« Segen war mit dm Pflichten der Erstgeburt innig verbunden und konnte davon nicht getrennt werden. Die Scene, welche Jakob auf der Mutter Geheiß beim blinden Vater oorführt, daß er sprach: „Ich bin dein Sohn Esav," und er war doch Jakob, — „segne mich, mein Vater!", auf diese ging er auch nur wider seinen Willen und lediglich aus Rücksicht gegen den alten Vater ein, dem man dm Schmerz der Enttäuschung über die Entartung seines erstgeborenen Sohnes Esav dm er liebte, ersparen wollte. Jakob betrog dabei den Vater nicht und Hinterainz auch den Bruder nicht, weil Täuschung und Betrug außer seiner Absicht lag. Und wie treu ist Jakob, wie treu ist Israel diesm Pflichten dm Erstgeburt nachgekommen! Jakob sowohl, wie Israel hatten von Anfang an mehr weltliche Nachtheile, als Vortheile davon. Und wäre es nicht die Pflichttreue gewesen, welche Israel vom Erzvater Jakob her dafür übernommm, Israel hätte längst Grund gehabt, wie Esav zu sprechen: ^Jch verachte die Erstgeburt, ich will sie nicht!" Aber Israel sprach nicht so, es ertrug geduldig, was diese Pflichttreue, der höhere Beruf , das ideale Streben ihm auferlegtem Oder vermag es Einer zu behaupten, daß die Familie Aorahrm's, das Haus Jakob, das Volk Israel, die Erstgeburt nicht besitzt unter dm Familien der Völker der Erve? ^War die Erkenntniß von nar, des Einen, allmächtigen Gottes, nicht zuerst die Hbraham's? war der Ruf .j>off „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist efinzig," (Deut. 6, 4) nicht zuerst der Ruf Israels und die Lehre: -paa -y-6 nanxi „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst," (Cev. 19,18) nicht zuerst seine Lehre gewesen? Und von Rechten der Erstgeburt will man reden, von weltlichen Bortheilm, welche damit verbunden gewesen. Was haben die Väter es sich nicht kosten lassen, waS laffm die Enkel es sich nicht heute noch kostm, diese Erstgeburt sich zu wahr«? Was haben ste dafür ertragen, was geduldet, waS geopfert bis auf den heutig« Tag? Und waS hätten sie dafür empfangen? — O, wer zählt die Smfzer, welche Israel dafür ansgestoßen, wer mißt die Sttöme Bluts, welche es dafür vergoffm, wer kmnt die Opfer alle, welche es dafür gebracht hat imd noch bringt? WelllicheS Gut hatte Jakob, hatte Israel nie damit erworben. Dm» wie Jakob fliehm mußte, ohne väterliches Erbe, ohne Heimath, wie er ein umherirrender, verstoßener und verlassener Wanderer gewordm, die nackte Erde sein Lager, ein harter