Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 45 (8.11.1866)
- Date
- 1866-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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er IsrsMisrKe Jehrer. Zeitschrift fürl die ^esüMmten -AMy^Uen des israelitischen Lehrerstand« s und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israclitis Wittwen und -Waisen in Deutschland. er Lehrer, Lehrer- J\g 45. Mainz, den 8. November 1866. (Sechster Jahrgang.) . Wöchentlich 1 3iv,irmn. Vierteljährlicher Ildorneinenibpi eis 27 Ir. V« Thlr. Bei irniiliricr Zuiendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 fr. Anzeigen zu 1 £gr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Jakobs Erstgeburt und Legen. Predigt von vr. Rothschild über Gen. 2.7, 29—34 und 27, ff. , : (Schluß.) Aber rigenthümlich I Juden sprechen diese beschuldigenden Auslegungen über das Leben und! den Charakter unsiis Erzvaters Jakob oft unbewußt und gedankenlos nach; sie kennen nicht Quelle und Absicht — 'und glauben, daß Deutung und Behauptung so recht sei. Das sind die Früchte unsrer modernen Bildung, welche neben ihren vielen Lichtauch ihre Schattenseiten hat. Denn durch den Umstand, daß gar Viele in unserer Zeit ihre Bildung in der Schule, von Lehrern und aus Büchern der Andersgläubigen genossen haben, jüdischer Lehrer aber entbe'. rtcn, jüdische Lehren nicht suchen und jüdische Bücher nicht lesen, wird ihr Geist mit gar vielen falschen und judenfeindlichen Ansichten g-- nährt. Und dazu gehört auch diese von dem Leben und Charakter Jakob's. Jakob's Wesen sollte heimtückisch, schlau, listig, betrügerisch gewesen-sein I Grundfalsch u'.id im strikten Widerspruch mit den eigenen Aussprüchen der hcilio>n Schrift über ihn steht diese Ansicht und IBehauptung der Menschen. Jakob beweist die Geradheit sem^s Charakters von Anfang an, und darum nenn? ihn die Schrift selbst auch einen cn trx „einen geraden, einfachen, schlichten Mann," — das gerade Gegentheil von dem, desien man ihn beschuldigt. Er will nicht lügen, yryc\cz /pjjn 'N"ru ’3x ’jtrc’ ’fix “Dia Ml r6t>p 'by ’psoni. „Vielleicht würde mich mein Vater betasten, und ich stände dann als Lügner vor ihm und brächte Fluch über mich statt des Segens" (Gey. 27, 12), entgegnet Jakob seiner Mutter, um der ron ihr beab« fichtigten, listigen Erschleichung des väterlichen Segens zu entgehen. Er erstrebte auch die Erstgeburt des Bruders und den Segen des Vaternicht um des weltlichen Bestes und Vortheilr willen; sein ganzes Erlangen ging trotz des erlangten Erstgeburtsrechts und Segeus ja nur aus: mzbh -um b3vch Dr6 ch |pji „daß Gott ihm gebe Brod zum Essen und ein Gewand zum Kleiden" (Gen. 2h, 20) Er ist auch nicht Üab- und gewinnsüchtig; er gelobt, von diesnn notbwendigsten Beda-je noch zu heiligen und wohllhätigen Zwecken/zu opfern: 'b -pp *rx Tr: Id uiz-j;x hcy. Von Allem, was du mir giebst, o Gott, will ich dir den Zehnten geben (Das. V 22).. Und wie treu er dieser Gesinnung und diesem Gelübde gelebt! Bei seinem Scheiden aus Laba/ns Hause, bei seiner Zlstcht aus demselben , kündigt sich der rettende Gott ihm jcn als: i-u ctr 'b r—r: -rx?x hz 7.sri *3;x . . . „Ich j bin der allmächtige Gott von Bethlehem, wy du mir dass Gelübde 1 gcthan." (Das. 31, 13).] Er ist auch nicht stolz! gemacht durch die Vermehrung sinner Reichlhümer, er ruckt und findet darin nicht die Gwße und Wirre des Menschen; er speicht: gi3^ Pr« p*rj: nrx rcxp Zz-zc-isnn rzz \-:Dp nurr: uz'd r..-;;: xr, *-p*n_ px 3;’ "z~zi -z „Jch^ bin zu gering, 0 Gott,/und verdiene nicht alle/die Gnade, und Treue, 'welche du deinem Dienen-erwiesen/ denn nur mit meinem Stab' gjng ich da über den Jordan, als" dahin mit Er diente akod svricht ich meine Heimatb verließ, und nun kehre ich doppelten Neichthümerit zurück." (Das. 32, I I) auch Laban unnonst, rnd mit welcher Treue! s zu feinen - Frauen, Le bans Töchtern: bz: -3;ry; -3'3x px Tizy '~3 „ )hr wisset, daß ich eureist Vater nckt! all meiner Kraft gcdü nt habe (Das. 31, i!) und zu Laban: n~p 3“N -JTrx =••;/ \rr,. „Bei Tage verzehrte mich sie Kälte, der Sck.laf wicü aus me.nm Augen." (Das. 31, 40). Und Laban selbst erkennt dies an indem er Jakob antn ortet: idd:3 •zz-z-.l „Ja, Gott hat mich durch dich gesegnet." (Das. 30, 2Sj. Aber, warum sti ebte denn nun Jakob nach der Ersige- : burt des Bruders, r nd den Segen des Vaters? Jakob strebte auch nicht danach um der weltlichen Portheile willen, welche damit etwa verbunden waren. Er suchte kein Recht damit zu erlangen, andern nur PflichtenJu übernehmen. Denn der Erstgeborene in der Familie Äbraban/'s, der Erbe und die Stütze des Hauses, hatte die Pflicht, die überkommene Gottese'kenntniß und Lehre zu erhalten und zu verbreiten, dafür zu sorgen, daß ne ein' Eigenthum des l Hauses und der Familie Abrahams bleibe und von da > aus Eigenthum aller Menschen und Völker! werde. ' l ' ’