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Der israelitische Lehrer · 1866-11-08 · 45 (8.11.1866) · p. Seite 185

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
45 (8.11.1866)
Date
1866-11-08
Page
Seite 185 (sequence 3)
Language
German
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185 Stein sein Kopfkissen gewesen, ach! so erging es auch allen ' seinen Kindern und Enkeln nach ihm. Israel besitzt heute noch nicht Macht und Herrschaft auf Erden, sein Ruhm und seine Herrlichkeit sind nicht die vergänglichen, sondern die ewigen, idealen Güter deS Lebens. Jakod und Israel sind also nicht die eigentlichen Betrüger der Welt, — sie sind die selbstlosesten und opferwilligsten Retter der Welt, die Gott und dem Heile der Menschen von jeher bis aus diesen Tag mit Gut und Blut gedient haben. Gott spricht darum: -«-in" naa -ja „Israel ist mein erstgeborener Sohn," (Er 4, 22) und die Völker müffen es sagen: jni nn -a . 'n "pa „Sie sind das Kind, welches der Vater, das Volk, 1 welches Gott darum gesegnet hat. (Jes. 6t, 9.) Amen!! Wochenbericht. Vom Rheine. Die „Kölnische Zeitung" berichtet: „Es ist uns ein Auftuf zur Gründung eines Seminar» ün Rheinland Behuf» Ausbildung jüdischer Lehrer za Geficht gekommen, welcher nicht verfehlen kann, al» ein Zeichen des geistigen Aufschwünge» unserer israelitischen Mitbürger allgemeine Anerkennung zu finden. Unsere Provinz^zähst (ohne da» angränzende Nassau und Frankfurt, m t wllchen 20,OM Bekenner de» mosaischen Glauben» Preußen geworden) doppelt so viel Juden als Westpha'cn, und doch ist bisher nichts geschehen, um dem überall fühlbaren -Mangel an Lehrern abzuhelfen. Da» Seminar in Münster hatte zunächst dem Bedürfniß seiner eigenen Provinz Rechnung zu tragen, und e» ist ihm mehr oder minder gelungen, durch Heranbildung trefflicher Schulkräfte einen empfänglichen Sinn für Wissen unter der Jugend zu verbreiten, wa» sich im Allgemeinen von der rheinischen Jugend jüdischw Eonfesston, zumal in den vielen kleineren Gemeinden, nicht behaupten läßt. Diesem Uebelstande, mit welchem noch, and >re Hand in Hand gingen, soll abgeholfen werden. Die Rabbiner und Vorstände von Köln, Düffeldorf und Erefeld haben sich an die Spitze de» obgedachten Unternehmens gestellt, und die Hochherzigkeit ihrer intelligenten Gemeindemitglieder hat stch sofort glänzend manifestirt. Ansehnliche Kapitalien und Jahresbeiträge, - welche bereits die Höhe von 200o Thlrn. erreicht, sind in kurzer Zeit gezeichnet worden, und wenn in dem übrigen Theile des Lande», woran kaum $u zweifeln ist, ein gleiches Interesse sich kund gibt — wie vermutet, soll die Unterhaltung des Seminar», einschließlich der freien Verpflegung seiner Zöglinge, 5o00 Thlr. jährlich beanspruchen —, so wird recht bald ein sehr wünschenSwerthes Institut in's Leben treten." So die öffentlichen Blätter. Al» man diese« Artikel bei uns laS, hielt man mit seinem Urtheile zurück, weil man nicht wußte, welche Motive obwalteten, schon jetzt in solcher Weise den Ruin der Münster'schen Anstalt herbeisührea zu wolle». Jetzt, wo die Männer bekannt sind, die an der Spitze stehen, — eS find dir» die Herren vr. Schwarz, Rabbiner in Cölu, Bodenheimer in Erefeld und vr. Feilchenfeld, Rabbiner in Düsseldorf, glaubt man, es möchte den Männern hauptsächlich auch um die totale Trennung von dem westphälischen Seminar deswegen zu thun sein, weil dies Seminar nach den Anfichtm dieser Herren zu wenig für die religiöse Ausbildung und Gewöhnung thut. Wir können den Herren die Berechtigung zu diesem Schritt nicht absprechen, und Sie sind gewiß mit mir der Ansicht, daß Lehre und Uebung im Seminar aus strengreligiösen Grundlagen basiren müffen. Aber doch glauben wir, diese Herren mahnen zu müssen, den Anforderungen und dem Treiben jener überfrommen Richtung aus dem Wege zu gehen, die aus dem Seminare eine Drrffuranstalt zu unpraktischem Wissen und gedanken- und gesinnungSlosend Thun, wie es deren mehrere gibt, machen möchten. Nur, wenn eine wahrhaft religiöse Durchbildung und die Richtung de» ganzen Menschen auf das Höhere Hand in Hand geht mit einer guten, zeitgemäßen Bildung, hat da» Seininar sein« Schuldigkeit gethan. Man erwartet das von diesen Männern und insbesondere von Herrn vr. Schwarz, der. jung und rüstig, bei strengftommer Richtung doch tolerant genug denkt, um die Nothwendigkeit solcher Bildung einzusehen. Auch erwartet man die Vereinigung mtt Westfalen trotz alledem, weil jede Provinz für sich allein zu schwach ist, um etwas Ordentliche» fertig zu bringen, —besonders Rheinland — das seine Lehrer so schlecht besoldet, und bi» jetzt für das Seminar zu Münster weniger gethan hat. Sollten aber die Herren wider Erwarten so ein „Diminutiv-Chedar- Bochurim-Jeschiseche," im Sinne haben, nun bann, dann ist es Zeit! Dann erwarten wir von den ernstreligiösen aber sreidenkeuden Männern und insbesondere Rabbinern und Lehrern Süd- und Westdeutschlands, daß auch sie die-rechten energischen Schritte thun, um ein ächtjüdisches Seminar im Geiste unserer Zeit zu errichten und zu erhalten. Und da denken wir un» -- obwohl Ihnen, verehrtester Herr Redakteur, auS dem Seminar zu Münster schon manche Unannehmlichkeit entgegentrat —, daß man auf dem Bestehenden, von der Vereinsschule zu Münster aus fortbauen sollte. (Aber unbegränzt. Red.) X. P. Z. Berlin, 31. Oktober. Di« hiesige jüdilche Gemeinde beabsichtigt dem StaitSministerium eine Petition einzu'eichen, behufS Aufhebung!)«» fast nur noch in Preußen bestehenden Judeneide». Eafsel. Einem Jsrarliten aus Nordhausen, welcher ei» Engagement in einem hiesigen HandlunqShause angenommen hat, machte die Polizei Auflage, daß er, ehe sie ihm den beansp achten Gewerbeschein behändigen könve, erst um Dispensation von dem Verbot, daß „ausländische" Israeliten nicht als HandlungSdiener re. angenommen werden dürf.n, nachsuchen müsse. Die Einrede, daß er dermalen Inländer sei, blieb unberücksichtigt. Auf die Anzeige von diesem Vorfall bei dem Administrator, Ober-Präsidenten v. Miller, erfolgte kurzer Hand die Abhülfe und der Betreffende erhielt den verlangt n 2 Werbeschein. Dieses Verbot gehört zu den vielen Plackereien, wodurch die ehemalige kurhessische Regierung sich auszeichnete. ES gründet sich auf dre Vorschrift des 8-31 der Verordnung vom 29. November 1823 -und de» StaakSministerial-AuSschreiben« vom 30. December 1828. Das Ministerium Eberhard erklärte durch Mimsterial» bejchluß vom 1. Juni 1840 beide B-stimmangen für aufgehoben und das Ministerium Hasscupflug hob diesen Beschluß unter dem 29. Ociob-r 1852 wieder auf. Frankfurt. Zeitungen bringen die EensationS-Mittheilungen: Das is-.Eentralcomitö*) von Paris hat an sämmtliche Geistliche der jüdischen Religion in Europa einen Aufruf zur Theilnahme an einem Sanhedrin erlassen, welcher zur Zeit der allgemeinen Ausstellung in Pari» veranstaltet werden solle; eS würde sich um eine Berathung' über zwei Hauptfragen handeln, über die Abftaffung gewisser Speiseverbote und über die Verhinderung der Polygamie, welche noch bei den Juden Algeriens herrscht. Letztere Reform wird von der französischen Regierung sehr gewünscht; in Algerien befinden sich dermalen etwa 4« >,000 jüdische Familien. Nachbemerkung der Redaktion. Bis zur Stunde, wo wir dies Blatt zur Presse gebe», haben wir Näheres hierüber noch nicht erfahren: Die jüdischen Blätter von dieser Woche, die uns vorliegen, enthalten nicht» davon. Auch klingt die Sache zu unwahrscheinlich, umsomehr, al» an de« Tage, au welchem obig« Mittbrilunz in die Welt trat, (am 25. Ott.) eben für da» Groß-Rabeinat des Eenttalconststoriums von Paris, (seit dem Tode Ullmann'S »acant) gewählt wurde. *) Centralcomit^ der Alliance oder Centralconsistorium? (Rev.)

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