Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 43 (25.10.1866)
- Date
- 1866-10-25
- Page
- Seite 176 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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dessen ganzes Leben ihr gewidmet ist, tn dem sich das ganze Getriebe der Anstalt concentrirt und vereinigt, in dem das Leben der Anstalt und einer jeden Enzelnen in ihr, jeder geistige Fortsckritt in dem Leben der Schule und eines Jeden seiner Zöglinge stch wiederspiegelt. Er muß ein Volksschulmann sein in der höchsten, besten und vollsten Bedeutung der Worte«, ein praktischer Schulmann, ein echter Pädagoge durch und durch. Er muß ein weitgehendes Wissen jon der Schule und von den Aufgaben derselben nach jeder Richtung hin haben, — er braucht deshalb nicht gerade ein Gelehrter zu sein, ja er braucht nach unserer tieffien und vollsten Überzeugung nicht einmal akademische Studien gemacht zu haben — ein Büchergelehrter darf er , durchaus nicht sein. Aber das Leben des Volks muß er kennen und die Stellung de« Lehrers allüberall, im kleinsten 1 Dorfe und in der größten Stadt, darf ihm nicht unbekannt geblieben sein. Er muß ein Herz haben voll Liebe und! heiliger Begeisterung für seinen erhabenen Beruf, der dem 1 echten, wahren Schulmanne weither ist denn eine KönigSkrone, es muß ein Mann sein, o, ein Mann, der daS große Wort begreift und in dem es zur Wahrheit geworden: TaS Leben meine Schule . Die Schul« meine Welt. Wo ein solcher Direktor an der Spitze eines Semi-; nars steht, da muß esgut gehen. Hat er dabei die Frei-! heit, ohne die ein! gesegneter Wirken im Kreise der Schule | eben nicht denkbar! ist, hat er Einstuß, um sich mit einem ' Lehrerkreis zu untgeben, der in ihm -seinen natürlichen Mittelpunkt findet, ohne ihm — wie es selbstoer-! stündlich ist — seine eigene Individualität preiSzugeben, was ein richtiger Direktor nie verlangen wird, dann ist'S gut um die Anstalt-bestellt. Fehlt ein solcher Mittelpunkt, dann fehlt die Einheit des Wirken-, fehlt die Sonne —; kehlt Silk I Das Seminar in Cassel mag. tüchtige Kräfte unter; Lehrern und Zöglingen zählen, — ihm fehlte der Direktor, | der in der Anstalt selbst, unter seinen Zöglingen lebte' und! wirkte. Man scheint in. neuester Zeit diese Lüfle durch > eine tüchtige praktische Lehrkraft ausfüllen zu wollen. Wir > hören sogar, daß man damit umgeht , einen. Lehrer zu; engagiren, der als Hausvater oder Inspektor im Hause ' selbst lebt, und wir glauben wohl, dgß damit, je nachdem,; die Anstalt wohl sehr gewinnen könnte i der Direktor ist damit freilich noch nicht ersetzt. — Jedenfalls aber muß ein Seminar, um überhaupt als Lehrerbildungsanstalt zu genügen unumschränkt sein. Möchte man denn doch endlich einmal emiehen , daß böhere BildnngSanstalten —gleich Universitäten — durchaus nicht auf kleine Kreise beschränkt sein dürfen'. Nur dann werden auch die anderen Mängel de« hier von unS genannten Seminars fallen, die wir vorläufig nicht berühren wollen. (Forts, folgt.) Der Lehrer maß seine Zeit kenne» uud verstehen lernen. . (Schluß.) DaS sind die Gebiete , auf dene« der Lehrer sich umthun, sich klare Anschauungen verschaffen muß und zwar als Glied der memchsichen Gesellschaft, der St»fe entsprecheid, die er seiner Bildung gemäß in der Reihe derselben einnehmen soll. Unsere Zeit ist einmal dazu angethan, daß der Lchrcr dieser Forderung gar nicht auSweichen kann. Wollte mau ihm daS eine oder ansere Gebiet verschließen, so würde man ihm den Lebensnerv zerreißen. Ec würde dann von dem Leben loSgerissen, als thatenloser Jznorant zuc Seite geschoben und gar bald die Beute gewandter Schwätzer werden. Unsere Zeiten sind nun einmal nicht mehr solche, in welchen der Lehrer entweder nur in seinem engen “in oder nach Schluß desselben als Factotum seiner Kostgeber sich bewegte, nur in seiner allernächsten Umgebung bekannt war, und die Erscheinungen des öffentlichen Lebenalleuialls wie ein Fata - Morgan» anstaunte. 'Ob jene Zeiten best r oder schlimmer waren? Ich will darüber nicht urtheilen. Ganz vergeblich ist es aber, sich in dieser Beziehung nach Aegyptens Fleischtöpfen zurückzusehnen. Der Lehrer ist nicht blos für seine Person in das Leben hineingestellt, ec soll auch eine Bildung für daS Leben vermitte n Die letzte Behauptung ist allerdings ein ganz weiter Rahmen, in den sich aber gar Verschiedenartiges einfügen läßt. Manche glauben, durch Sätze und Regeln, diese Bildung für das Leben zu bewirken, welche als Wegweiser uud Werksteine an. den Seiten der Lebensbahn aufgepflanzt werden. Aufgaben und Beispiele werden dann so eingerichtet, daß sie für die verschiedenen Vorkommnisse als sichere Waffe bereit gehalten werden können. Zuweilen wird ein solcher Unterricht praktisch genannt und doch ist der Ausdruck „praktisch" in diesem Falle nur bittere Ironie. Man kommt mit einer solchen Ausrüstung auch wirklich immer zu spät. Bis man dazu gelangt, ein recht praktisch für das Leben zugeschnittenes Exempelchen zur Anwendung bei« Schopfe zu nehmen, ist Zeit und Gelegenheit dazu in flüchtiger Weise vorübergehuscht und man hat das Nachsehen. Stur die harmonische Ausbildung aller Seelenkräfte setzt den Menschen in den Stand, sich im Lebeu zurechtzufinden, und den ihm angewiesenen Posten tüchttg auszufüllen, wenn dabei auch die körperliche Ausbildung nicht vernachlässigt worden ist. Der Mensch ist dann in der Fassung, der freudigen wie der traurigen Minute ruhig strs Auge zu blicken, und mit festem Vertrauen ohne herzlose Gleichgültigkeit alle Lebensschicksale muthig zu ertragen. In diesen wenigen anspruchslos hingestellten Sätzen glaube ich bargelegt zu haben, daß die Forderung; „der Lehrer lerne seine Zeit sednen und verstehen," gar glicht unpassend und ungerechtfertigt ist. Wie man dreses Ziel erj reicht, das, ist eine Frage, deren Beantwortung ich einem - Anderen überlassen will. Dieselbe läßt sich nicht in einigen! Sätzen zusammendrängen. Im Allgemeinen nur soviel, daß! dazu gerade kein prunkvolles Einlenken in philosophische 1 Systeme nöthig ist, "ba es ja außerdem noch Gebiete des | Wissens genug gibt, welche dem Lehrer zugänglich sind uud! recht, dankbar die Mühe eines fleißigen Thuns lohnen. ES! ist dazu nur erforderlich: ein scharfes Beobachten, höhere, I gediegene Geistesbildung, entschiedener Wille und eine s Frische des Geistes, welcher den Lehrer bewahrt vor lächer- ] sicher Pedanterie und dünkelhafter Ueberschätzung. Soge- > nannte fertige Lehrer, Lehrer, welche meinen gmug getont