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Der israelitische Lehrer · 1866-10-11 · 41 (11.10.1866) · p. Seite 168

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
41 (11.10.1866)
Date
1866-10-11
Page
Seite 168 (sequence 2)
Language
German
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168 fälle, die hier nickt in Berücksichtigung gezogen werden können, wo es sich um sichere Resultate handelt. Es bleibt also für jetzt nichtübrig, als uns nach den Resultaten der Wirksamkeit der bestehenden jüdischen Seminarien nmzusehen. Es find deren zur Zeit 7 in Deutschland, von welchen nach den neuen politischen Gestaltungen 6 auf Preußen, 1 auf das Königreich Bayern kommen. In Preußen: Berlin, Breslau, Hannover, Kassel, Münster, Bad Ems. In Bayern: Würzburg. Außerdem eristirt noch ein Prioatseminar .iir Karlsruhe (l)r. Plato). DaS Seminar in Berlin .ist'uns völlig unbekannt. Es ist mit der vorzüglichen Ge.neindeknabenichu'e verbunden und steht unter der Leitung des Direktors dieser Anstalt: vr. Horwitz. Zn BreSlau ist die Lehrerabthe li.ng Nebensache, die Rabbinerabth ilung Hauptsache. Ob dies i n Geiste und int- Sinne der Stiftung liegt, vermögen wir nicht zu entscheiden. Auch unsere per önliche Anschauung, daß die Bildung tüchtiger Bolksleh er eine dringlichere Aufgabe ist, kann hier nicht in Betracht kommen Aber nachdem diese Anstalt als öffentliche Anstalt zur Lehrerbildung Programm und Lehrplan - der Oeffentlichkeit übergie' t, haben auch wir das Recht, sie unserer Beurtheilung zu unterziehen, und uns zu fragen, ob sie der Aufgabe, die wir der Lehrerbildungs-Anstalt setzen, durchaus entip icht. Uns liegen mehre e Berichte der Anstalt vor. Sie alle liefern den Bewe s, daß-die Anstalt den Schwerpunkt ihrer Aufgabe in der Heranbildung von Rabbinern erkennend, auch in dem Volk sichrer nur den Religionslehrer steht. Uns ist das wohl nicht ganz, klar, wir wollen aber die Verhältnisse jener Gegend als maßgebend anerkennen. Sind aber das Religtonslehrer? Ist der Lehrp'an, wie er dort sich darstellt ein fachwo fachgemäßer für den Re'igionslehrer, der doch immer- Lehrer ist? Wir kennen keinen Zögling jener Anstalt, der sich dem Lehramte gewidmet hätte, aber wir möchten doch wrssen, was ein solcher, wenn er die Anstalt verl. ssen hat und in die Schule gestellt wird, mit den Schülern beginnt? Ob er sich nicht wie verkauft und verloren fühlt?- Ob er nicht, hat er Gewissen und den Willen, seiner Aufgabe getreu zu leben - vollkommen rathlos sein wird? Es wird in diesem S'minär neben dem Religionsunterrichte — die Religionsgegcnstände -werden unter Combinirung der untern Rabbinerabtheilung gelehrt — noch deutsche Grammatik, Geographie, Geometrie, Rechnra und Physik, Gesang — Alles in sehr beschränktem Maaße gelehrt. - Wo aber bleibt hier der Lebensodem des Lehrers, die Pädagogik-? Ist gar kein Raum sür diese Wissenschaft vorhanden? Bedarf der Religionslehrer ihrer nicht? Was dem Juristen die Jurisprudenz, dem Theologen die Theologie, dem Revier die Homiletik und Rhetorik, dem Arzte eben seine ärztliche Wissenschaft, und dem — Schreiner Hobel und Säge ist, ist d m Lehrer die Pädagogik und ihre Hilfswissenschaften. Eine Lehrerbildungsanstalt, die -nicht in dieseu Fächern ihre eigentliche Aufgabe findet, ist 'e'n Nonsens, ein Unsinn, ein Nichts, schlimmer als nichts. Jemehr wir überzeugt find, daß zumeist in höheren wissenschaftlichen Regtonen man gewissermaßen mit Hohn oder Verachtung ober mindestens mit vornehmer Gering'ch'tzung auf pädagogisches Wissen und pädagogischen Beruf, auf die niederen Elements-gerster herunter schaut, um io schärfer und nachdrucksvoller müssen wir es betonen, daß rechte Lehrerwirksamkeit nur möglich ist, wo man die Ueberzeugung hat, daß alles Wissen in der Volks- und Elementarschule nichts nützt, wenn man nicht damit vor den Kinj dern zu wirthschaften weiß. Wir möchten einmal Einzelne! von diesen hochstehenden Professoren in die Elementarschule I gestellt sehen I Als welche traurige, hilflose Gestalten würden i sie sich da entpuppen I Sie würden dann wohl sehen, daß! auch Kenntnisse unv Einsichten dazu g hören, einem Kinde > die ersten Anfangsgründe des Hebräischlesens des Rechnens I und der Stylistik rc rc. beizubringen. Nicht allein darum | aber handelt es sich, sondern das Kind soll durch diese; Dinge auch geistig und gemüthlich gehoben mnd gekräftiat, j die formale Bildung loll gefördert werden; die Disciplin j ist zu handhaben, das Rechtsgefühl zu entwickeln und zu : schonen rc. rc. Haben jene Herren einen Begriff von einer; -olchen Wirksamkeit? Und nun gar die Religionslehrer! s Wissen die Herren, was es bedeutet, eine Lehre unserer heiligen Religion, die Lehre von der Vollkommenheit Gottes und seiner Schöpfung, von der Bestimmung des Menschen, von der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes, auch wenn er uns straft, von der Nolhwendigksit des anscheinend Bösen und daß es dennoch gut ist — -xd dtö nm nrvD.i :* — von der Unsterblichkeit rc. rc. in der Schule katechetisch zu entwickeln und zwar lo, daß eS zu Fleisch und Blut, im Leben des Kindes wird? Oder glauben die Herren, das sei nicht nothwendia? Wir und mit unS das gelammte jüdische Volk wird in der Ueberzeugung, daß die Thora nicht für einige Auserwählte, sondern dem ganzen Volke gegeben wurde, eine weit größere Bedeutsamkeit der tüchtigen, .dem ganzen Volke dienenden Volksschule zuschreiben, alz der eikssam auf steiler Höhe stehenden Gelehrtenschule, reren erhabene Aufgabe für die Gesammtheit wir damit durchaus nicht unterschätzen und wohl begreifen. Doch ist sie nicht Selbstzweck, wie die Volks- und Religionsschule für unsere Kinder. Wir können nicht umhin, die Bemerkung anzuknüpfen, daß es wohl sehr gerathen wäre, auch den Rabbinen mit etwas Pädagogik und Schulkunde auszurüsten, damit er später als Schuldirigent, als Prüfungscommissär und selbst als praktischer. Religionsbhrer nicht, wie es leider so oft der Fall ist, ungeschickt, linkisch, rath- und hilflos in der Schule steht. Wir können die scharfklingende aber wohlmeinende Bemerkung nicht unterdrücken, daß wir weit mehr Lehrer kennen, die ohne regelmäßige homiletische und rhetorische Studien als Prediger m.t gutem Erfolg wirken, wenn auch ihre Reden selbstverständlich nicht den Regeln der Kunst entsprechend gebaut sind, — als Rabbiner, die ihre Aufgabe in der Schule begreifen, nnd im Stande sind, sich vor den Kindern begreiflich zu machen und hier Fruchtbringendes zu schaffen. (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. (Schl:ß.) Aus Uutcrfranken, im S.'pt mber. Herr Distrikts- Rabbiner Bamberger zog eS vor. eia jü i ches Sem'nar. zu grün« d n. Wenn man nun die Erfolge die'eS Seminarso sehr rühmt, so bin ich g rne bereit, mich zu bescheiden. Nothwen-

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