Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 41 (11.10.1866)
- Date
- 1866-10-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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/ Der Israelitische Lehrer. Zeitschrift , I für die gesammten Interessen des israelitischen Lchrcrstandes! und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Wittrven und -Waisen in Deutschland. . ' i Lehrer- 41. Mainz, den 11. Oktober 1866. (Leokster Jahrgang.) Wöchentlich 1 9!munter. Vierteljährlicher Abonnemeniepieis 27 Ir. ’m THIr. Bei (rnnlirlcr Zusendung unter Kreuzband jährlich | fl. IL lr. Anzeigen;u I Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Die Teminarfrage. (Fortsetzung.) Wären die jetzigen christlichen, rcsp. allgemeinen Seminarien denjenigen gleich, die vor der Reaktionspsriode Deutschland zur Zierde und zum Ruhme gereichten, wären sie auch jetzt noch die Anstalten fortschreitender Cultur, die so außerordentlichen Einfluß äußerten auf die Hebung des Volkes, ständen ihi en auchrjctzt noch Männer vor wie Hergenröther, Denzel, Dinier, 'Diesterweg, Karl Schmidt, so dürften wir nicht anstehen, zu behaupten, daß wir unsere Dolkslehrer jenen Lehrerbildungsanstalten entnehmen sollten, und daß jüdische Seminarien unnütz und schädlich seien. Unser eifrigstes Bestreben müßte dann darauf gerichtet sein, die jüdischen Seminaristen mit tüchtiger religio'er Vorbildung vor ihrem Eintritte ins Seminar ausmrüsten, um sie dann diesen Anstalten zu übergeben, in welchen sie ihre fachwiffenschaftliche Bildung erreichen. Aber das sind leider eitle Wünsche und vergebliche Hoffnungen. Die Volksschule ist in, den letzten Jahren weit zurückgegangen, die Seminarien sind zu Anstalten geworden, die der freien menschlichen Bildung ein Halt zurufen möchten, an ihrer Spitze stehen gemeinehiy hochchristliche, hyperorthodoxe Geistliche, Männer der überfrommen kirchlichen Richtung, über deren Wirken und Gebühren, Grundsätze und Anschauungen unS wohl kein Urtheil zusteht, die aber zur Heranbildung jüdischer Volkslehrer nun und nimmermehr taugen Es ist nicht allein die Beschränkung des realen Bildungsstoffes, nicht nur die Zurücksetzung der bildendsten Elemente der Naturwtssenschaften, der deutschen klassischen Literatur, nicht nur der Mangel an eingehender lichtvoller Derarbeitunq eigentlicher fachwiffenschastlicher Studien, — Psychologie, Methodik und Didaktik, — denen ein dürres abtödtendes Gedächtnißwerk entgegengesetzt wird, an besten Stelle man jene unfruchtbare Regulativschulkunde auf den Thron erhob, die unsere jungen Lehrer-,zu Mißgeburten des Geistes, zu fertigen Menschen und ausgetrockneten Seelen macht, für die ein sri cher belebender Gedanke eine Pein ist; es ist ebensosehr der dumpfe, klösterlich-einschläfernde Ton, der in diesen Anstalten herrscht, e der uns - ,e Verp' '.chtung ouferlegt, unsre Zukunst, unsr jungen Lehrer nicht voraussetzungslos borthin ru geben. Der ganze Geist und ^Charakter des Judenthums widerstreitet dieser Richtung. Wir sehen nur ein AuskmfftSmittel, das ermöglichen würde, unsere Zöglinge für's Lehramt gefahrlos diesen Anstalten zu übergeben. Es müßte die Präparandenzeit — die Vorbereitung zum Seminar — entsprechend benützt werden, und ein jüdischer Religionslehrer am Seminar selbst auf die Cbarakterbildung insbesondere einen hinreichenden Einfluß ausüben können, um die schädlichen Einwirkungen in dieser Richtung zu paralysireu. Aber auch dann wäre das Ziel nur halbwegS erreicht, und demzufolge der Einfluß der Seminarb.ldung überhaupt ein sehr unbedeutender. Wir haben also hier dasselbe Dilemma, dem wir bei den konfessionellen Volksschulen überhaupt, beim Lesebuch u. bgl gegenüberstehen. Wären die Seminarien, die Volksschulen, die Lesebücher, was sie sein sollten, blieben sie dem Confessionellen völlig fremd, würden sie sich ganz allein und ausschließlich auf vollständig neut alem und humanem Boden bewegen, so wären wir die Ersten, welche sagen würden: Reicht uns die Hand als Brtider, im gleichen Wirken für gemeinnutze Anstalten und Bestrel pngen; hier habt ihr die unsere. Was uns noch als Juden zu schaffen und zu lehren übrig bleibt, das wollen wir in anderer Weise zu erstreben suchen, ohne daß wir uns deßhalb von der Gesammtheit trennen. Aber — eitle Wünsche! Es ist nichts in unsere Hand gegeben, wir können nichts dazu thun, daß es so werde. Wir können nur unsere Religionsgenoffen reif machen, daß sie die ihnen sich über .kurz oder lang darbietende Hand mit voller Liebe zu ergreifen im Stand-' sind; wir können dahin wirken, daß unsrerseits kein Hindet niß obwaltet, wenn die Zeit kommt, wo allgemeine Anstalten der genannten Art errichtet werden. Unter den jetzt lebenden jüdischen vorzüglichsten Lehrern gibts auch viele, die mau, insbesondere was die allgemeinen wissenschaftlichen Färber und die eigentliche Lehrerbildung anbetrifft, Autodidakten nennen könnte, die nie ein Seminar besucht haben. Das sind glückliche Naturen; Ausnahms-