Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 40 (4.10.1866)
- Date
- 1866-10-04
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- I ' ‘ — 164 - wollen wir denn heute wiederholt von Lehrerbildung, von den jüdischen Seminarien sprechen. Ein Zusammentreffen von Umständen weist uns mit Macht darauf hin^ diese Frage nunmehr offen uuv uuzescheut, rückstchtslos und frei zur öffentlichen Discussion zu bringen. Es ist vor Allem der Umstand, daß, lo weit wir uns umschauen im deutschen Vaterlande, keine der bestehenden jüdischen PehrerbildungSanstclten un Augenblicks der Art fest steht und so sttuirt ist, daß wir mit Sicherheit behaupten können', daß sie aus die Zukunft übergehen wird, und daß wi" ihr die Aufgabö, die Lehrer der Zukunft zu bilden,! mit ruhigem Gewissen zuweilen dürsten. Um das zu er- 1 weisen, müssen wir eine Reche faktischer Thati'achen vori führen. Ist dies an und für sich schon ein s hr mißliches; Geschäft, w wird es um so mißlicher, weil hier die Thatj sachen mit Persönlichkeiten verknüpft erscheinen. W r setzen j jedoch voraus, es werde din betreffenden Herren wie uns; selbst uni die Sache zu thun sein und -sie sich überzeugt. : , halten, daß w'.r nicht daran denken, irgend Jemanden zu! beleidigen oder wehe zu thun. W r wollen nur der Sache \ dienen. Ist in unsecn Augen das Lehramt in einer gewöhn-! lichen Volksschule schon ein wahrhaftes Priesleramt, so ist i das A-"t eines Se.nmariehrers ein Hohepriesterthum. Wir; kennen nichts Höheres, Heiligeres', der Mann, der die künfl tigen Volkslehrer zu bilden hat, hat eine so erhabene Auf- . gäbe, mit sie nur irgend ein menschlicher Beruf zu die- : ten vermag. Er ist geweiht und ihm kann Gemeines nicht! nahen. Wir haben dann noch eine Vorfrage. Ist eine i ü b is che Lehrerbildungsanstalt dringendes Bevürfniß? Ist nicht vielmehr die Au-nahme der j üdischen Zöglinge in allgemeinen Lehrerbildungsanstalten anzustreben und könnte für die Ausbildung der Juden in specisch jüdischen Fächern nicht ausreichend in andrer Weiie gesorgt werden? Wir begegnen -äer. »:n'nr anderwärts ausgesproche en M'.ßvs'ftandniß, -dem wir entgegenzutreten von mehreren Seiten aufgefo-dert sind.-/Ja den preußischen Seminarien werden Juden nur ausnahmsweise und höchst ungern als Hospitanten ausgenommen Wie Preußen überhaupt das Judenthum, die jüdische Schule und den jüdischen Religion-unterricht bisher.fast ganz ianorirte, so bekümmerte es sich 'auch nicht uin die 'jüdische Lehrerbildung Ungefähr aus gleichein Standpunkt standen die Se.uinar:en in g 'nz Norddeutschland, In Süd:eutschland hingegen" in Bayern, Württe "lerg, Baden uns H.ssen waren die! jüdi'chen Seminaristen sh e . .cyr stlichen Eommilitonen vollkommen gleichberechtigte und g'eichbehandeltr Zöglinge und es sind beiipirlweise aus dem katholischen --eminare zu Würzburg früher— in Hergenrötyers Zeiten und herab bis vor 10 Jahren Männer hervorgegangen, die ausgezeichnet als B-brer ist jeder Bestehung, ihrerrÄuigabe auch in den w.ciell jüyiichen 'Fächern - ganz und voll gerecht werden. S:e hatten sich ihre jüdische Ausbildung vor dem Seminare, ihre fachwissemchastliche (profane würden die ) Ahr nennen hier nur die uns bekannten ausgezeichneten. Leh. er Bayers: Ürämer, Lindirer, kie. tsebrüoer Blümlein, rieb, Bergmann, Lebrecy:, Sulzbacher, Afüller, Wolfsheinisr u. s. f. Auch Würitemb.rg, Badens .vofn-n und bie bayr. Pkal; zählen wohl ausgezcichnele jüdiiaie Lehrer, d>: kein jübliche- Seminar.besuchten. _ j Herren im Würzburger jetzigen züdische« Seminare sagen) ' in dm christl. Seminarim errnngm. (Forts, f.) W 0 cd e n b e v t d> t. Alzei, 23. Sept. *) Die ^IIiLaos isi-uäl. univ. hat >.ihrm ersten Sl-mestralbericht l. I. versandt. Derselbe gibt uns nun neue Beweise von dem stetigen Fortschlitt dieser Institution nach Auffen, wie nach Innen Bon erstere« zeugt die Erwerbung neuer Mitglieder, wie die Bildung neuer Local- und Bezirkscomites, von letzterem b:e fortgesetzte und meist glückliche Bcniühung um Errichtung und Eryaltung von Sch len, wie die energische Vertretung der rechtlichen Jntereffen bedrückter und verfolgter Glaubeasgenoffen. Im Grunde ist dieser äußere politische Rechtsschutz, welchen die A. dem gefährdeten und verletzten Judenthu» angdeihen läßt, ihr erster und Hauptzweck. Die geistige und sittliche Hebung der Jasen durch Schulen ist secunsä er Zweck und geht von ersterm aus So glaubt man die Juden am leichtesten und bestm vor Bedrückung und Verfolgung selbst unter uncivilisi.tm Völkerschaften zu schützen, denn Bildung macht frei. Obgleich diese Ansicht noch discuffionsfähig ist, beugen wir uns doch vor der Macht der Thatsachen. Die A. besteht und ist einzig in ihrer Art. Denn wenn wir auch in dem Boarck of Deputies (London) und den Bnei Berith (Rew-Aork) ähnliche Körperschaften besitzen, so vertritt jme doch nur die englischen und diese die amerikanischen Juden, keine aber hat, wie die Alliance ,he Verbindung über die Juden des ganzen Erhkccises ausgedehnt. Uns deutschen Juden scheint es. nach der anscheinenden 7 »beiterung des von Geiger und Genossm in Frank furt ongeregtm Projekts, vorläufig vollmds uumö stich, auch nur eine derartige Be bindung für uns zu schaffen; — eine Folge wohl unsrer politischen, wie religiösen Zerrissenheit. Ob die ctwas näher gerückte politische Einigung Deutschlands ‘ die religiöse Einigung auch unter Israel erleichtern wird? j — Es ist mindestens zweifelhaft. Jedenfalls aber ist jene; noch weit davon entfernt, verwirklicht zu sein. Bis dahin rathen wir nmrer'eits wiederbolt iru Anschluß an tue Alliance. Diese vertritt zwar die geistigen Inte: effen ocs Judenthu.ns nicht in der Weite und Vollständigkeit. w.e dies der für Deutschland projektirtee Bereu im Sinne vatte; aber vielleicht bildet da< hinzutretende deulsche Element ein Ferment für . die Alliance, ihre Tendenzen auch nach dieser Sette bin aus zudehnen Jedenfalls hat es aber auch für uns schon fein Gute-, die äußerticheo stitereffen des Jadenthums >0 gewahrt zu wiffen, wie dies Seitens der Ä. bisher geich 'hen ist. Für das Schulwesen nehmen w:r mit Wohlgefallen von dem Beschlüsse Rot-z eine Anstalt zue Bildung von Lehrern für die Sa-ulen des Orients zu gründen. Der Antra , auf Bildung eines Fonds zur Unterstützung der Allswanderung nach Amerika für die Erlösung und Befreiung vom Druck der Verfolgung bedürftige Juden ist in Erwägung gezogen, dagegen der aus Unterstützung der Auswanderung nach Palästina durch Verbindung mit dem Colonlsations-Vereine in Thorn nur bedingungsweise ange- > nommen, d. h. vorläufig zurückgewiesen worden, i Die Vorgänge in Betreff der Emancipatiou der Juden! *) Ter Festtag« Willen verspätet.