Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 39 (27.9.1866)
- Date
- 1866-09-27
- Page
- Seite 161 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Viertelstunde» Hinausgehendeu rütteln und treiben durch ihre »u große Lebendigkeit den Staub in die Höhe. A) E» fehlt häufig vor den Treppen und Thüren die nöthige Anzahl von Reisbündeln, Strohdecken und Scharreisen. Wo Tag für Tag ein so zahlreiches Volk aus- und ein schwärmt, da ist ein einziger Scharreisen unmöglich zureichend, denn die jungen Herrchen und Dämchen warten nicht gern, am allerwenigsten gern bei schlechtem Wetter. 4) Die Fußböden der Schulklassen werde» zu selten gewaschen und zu wenig sorgfältig gekehrt. Ersteres muß wenigstens alle acht Tage ein Mal, letzteres täglich, wo Vor- und Nachmittags Stunden gegeben werden, zwei Mal geschehen- 5) Die Schüler werden zu wenig angehalten, ihre staubigen Kleider zu reinigen und auszuklopfen. Die Acltern "sind immer noch der Meinung, daswerde — wie früher, wo der Bakel noch seine große Rolle spielte — der Lehrer besorgen. Aber die Lehrer sind gescheidter geworden. Die Socken, wollenen Joppen, Röcke und Tücher sind — namentlich in gefüllten Mädchenschulen — mächtige Staubbehälter." Es wäre wohl wünschenswerth, daß Lehrer, denen es gelungen ist, ihre Lehrzimmer vom Nebel des Staubes zu befreien, die Einrichtungen öffentlich mittheilten, durch welche sie die Beseitigung ermöglicht haben. Sie würden sich dadurch viele Kollegen zu großem Danke verpflichten. - (A. D. B.) .W ochenbericht. Alz ei im Sept. Der hiesige Rabbiner sprach an den Festtagen in Veranlassung der Thora- und Haphtora-Abschnitte für die ,->"i-Taze vom religiösen Unterrichte und der rel giösen Erziehung unsrer Jugend. Em interessantes Thema für Ihr Blatt,, worin auch die überhand nehmenden Lehreroacanzen und die Vernachlässigung des Religionsunterrichts auf der einen, und die Blasiitheit aus-der andern Seite rur Sprache kam, welche die Predigten der Rabbiner für die Erwachsenen als überflüssig und nutzlos erklärt und der Anstellung von Rabbinern nur noch um der Jugend und ihres Religionsunterrichts willen das Wort redet.*) Man bedenkt nicht, daß für den Elementarunterricht akademisch gebildete und der Wissenschaft lebende Männer in der Regel weder theoretisch noch, praktisch vor- und ausgebildet sind. So wenig Sinn hat auch unsere gebildete Zeit für jüdische Wissenschaft, daß sie das Institut des Rabbinenthums, zur Zeit der einzige Träger jüdischer Wissenschaft iu Deutschland, für überflüssig und nutzlos erklärt, wenn cs sich nicht dazu versteht, die Kinder, im hebräischen ABC zu unterrichten. Israel scheint in der nächsten Zeit einer schöne a Zukunft entgegen zu gehen I Doch Gott.ist 121" Frankfurt. Hermann Goldsmith, bekannt als *) Vielleicht würde der geehrte Redner sich bereit finden, die betreffenven Reden hier mitzutheilen. Gewiß sind sie ein schätzbarer Beitrag zur Klärung des Verhältnisses zwischen Genieinde, Rabbiner und Lehrer, für dm wir und unsere Leser sehr dankbar sein würden. (Red.) Astronom, starb am 10. S«pt. zu Fontainebleau, wo er Stä kung seiner schwachen Augen suchte. Er war in Frankfurt am 27. Juni 1802 geboren und widmete sich zuerftz dem Handel,-dann unter Schnorr und Cornelius der historischen Malerei, endlich der Astronomie, welche er-privati» zu Paris trieb seit 1848. Ec entdeckte nicht weniger akS 14 kleine Planeten. Go dsmith opferte sein Vermögen der Wissenschaft und bezahlte sein Streben noch mit dem Verlust seines Gesichts. Er war Jsraelite. Camberg in Nassau. Vor mir liegt Nr 33 deS „JSr. Lehrer", worin m r > der Bericht über die Schulverdättnisse der israelitischen Gemeinde in Wien ga-z besonderes Interesse ja b:etcn versprach. Doch sah ich wich, zu meinem Bedauern, umsonst nach Etwas um, was ich vorzüglicher Weise gerne darin gesunden.hätte. Es war das eine Nachricht über die, meine- Wissens in Wien bestehende isr. Taubstummenanstalt. Ich Härte um s» lieber Etwas über dise Anstalt «rj hren, als ich seit lange« Ich en von R gierungswegen beaujtrazt bin, an der hiesigen Ta ebstum nenanftalt den ccnfessionellen Religionsunterricht zu ertheilen. Noch nie ist mir Etwas zu Gesicht /eksmmen, wonach ich den Gang bei diesem Unterrichte hätte bemessen können, und so mußte ich stets nur meinen ei,-neu Gang gehen. Eins stand mir v.m Anfang an klar vor Augen: wenn irgendwo, so ist es hier unumgänglich ncthwendig, die bibl. Ge» scvichle ganz allein als Basis zum Religionsunterricht zu verwenden. Freilich labe ich auch hierzu wieder nickt eine bibl. Geschichte finden können, ie diesem Zwecke, namentlich für diese Classe von Kindern, ganz entlp-ochen hätte, und so mußte ich mir das Material selber zusammen tragen, während ich den Kinde-n, damit sie nur einen Anhallspunkt hätten, den kleinen ^Fledinger" zur Hand gab. Das von mir gewählte Material lasse ich von den Kindern eufschreiben, worauf dann sowohl sprachliche als sachliche Erklärung folgen muß Dieses Verfahren scheint mir d'm Verständnrß wie dem Gedächtniß dieser Kmder am angmssensten zu sein. Viele Lehrbücher diesen Kindern in die Hand geben, würde mehr verderblich alS förderlich sein, da sie doch nicht vermögend sind, deren Inhalt sich anzueim n. Nebst und mittelst der Kenntaiß der bibl. Geschichte ist diesen Kindern die Kmntmß aller Sitten- und Reli ionSgesetze, wozu wir als Manschen und alS Israeliten verpstichtet sind, beizubringen und es darf da nichts, bis berunter zu der den jüdischen Gesetzen nach eigenthümlichcn Einritt n.g der „Küche" unberührt bleiben. Für weniger notbwendig erachte ich einen eigentlichen Unterricht in der hedräi'cken Sprache Hebräisch lesen wird in« dsss n auS dem Grunde nicht vergeblich gelehrt sein, weil der Taubstumm: dadurch den jüdischen Ritus mindestens dem äußern Ausammendana nach begreifen lernt. Dam Ausdrücke, die so ganz in das jüdische Leben eingreisen, wie: rüP, 31b Dr und überhaupt die Namen aller Feiert'ge und der südlichen Monate; dre Bezeichnung der Tazszebete: rmntp, nruo, rc. ferner: ->P3, nriD, ycn, nsa, 3did — alle derart g- Bezeichnungen sollen auch dielen Kindern weder in der Ausspr cke not auch in der Sckrift/und zwar m der Ori nnalschnft, fremd sein. Für Knaben kürite die Erle nung der rrinn noi3, pd'LN und n'dll anzurathcn sein. In Betracht dessen aber, daß der Taubstumme, selbst wenn er im Gotteshaus ist, doch nicht eigentlich mit der G mciude beten kann und sein Gebet also immer alie»;’ lj’U anzusehen ist, möchte ein weiteres Ber>tälidwß der hebräischen Gebete nrcht nur. nicht nothwendig sein, vielm-hr wird die darauf ver-