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Der israelitische Lehrer · 1866-09-27 · 39 (27.9.1866) · p. Seite 162

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
39 (27.9.1866)
Date
1866-09-27
Page
Seite 162 (sequence 4)
Language
German
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162 > " wendet« Zeit viel nützlicher für andere Zwecke verwindet werden können. Man maa dem Taubstummen da- Velen in seiner Mu'tersprache zur Aufgabe machen; denn hier dürfte ganz besonders in Anwendung zu bringen sein der Talmudische Grundsatz: ynv nn« irx peo $23 %eno mn lyov „Bete in der Sprach« die du verstehest * _ So viel in kurzen Umrissen, über das, waich als Religionsunterricht für Taubstumme als zweckdienlich halte. Sehr gerne würde ich auch die Meinung Anderer darüber hören, selbst für den Fall, daß ich in meinen Ansichten widerlegt würde. Indessen reihet sich an diese Besprechung eine, meiner Anficht nach, sehr wichtige Frage. Nach dem Tasmud, der die Autorität nicht nur unserereligiösen, sondern, so weit es uns. noch eigenthümlich, auch unseres bürgerlichen Lebenist — bie-her gehören namentlich alle Bestimmungen im Betnsf der Ehe —; nach dem Talmud also ist der Taubstumme — enn — und zwar gerade der enn 1212 ij-xi y?v ü'xp in allen Stücken dem ppi noi» — also dem Blkdsinni-en und dem Unmündigen gleichgestellt, und das aus dem sehr natürlichen Grund, weil man den enn für völlig bildungS unfähig gebalten. Nun aber die neuere Wissenschaft auch dieser Unglücklichen sich angenommen, und sie der menschlichen Gesellschaft wenigstens insoweit zugeführt bat,, daß dir mistest unter ihnen durch den Betrieb eines bürgerlichen. Gewerbes selbstständig werden — nachdem der Staat sie cmarcipirt,-und in die rollen Bürgerrecht; eingefübrt bat — soll da die Svr.aaoge allein nach sie auSschließen? - . ■ ‘ * Es fragt sich also: soll der-wiri zu ^22 und 521:2 gezählt werden? soll das;cpi. ncis? emo pn pcnw $2,n auch ferner noch seine BollgüUigkeit labe«?. Diese und noch gar manche dahingehörende Frage dürsten doch wohl der Erörterung werth sein. Es würde mir zur großen Genugthuung gereichen, wenn ich die Veranlassung gegeben hätte, laß gewichtige Stimmen sich darüber vernehmen ließen. Gewiß wäre hier anwendbar des großen Propheten Wort sN2I1 Hwik. M. S. Ans Westfalewim Sept. Das Statut des Rreinifch- Westiälischen Lehrers, minars zu Münster ist sicher eine Angelegenheit, welche die ganze de ussche-jüdische Lrhrerwelt interessirt. Wir daben und kennen nun enclich di« lang erwarteten Statuten. Wahrlich, da gilt das Horazische: Partucinat monte» etc. (^Sehet den kreisenden Berg, wie er aufschwilll; kam doch heraus eine Maus!*) In der Thal trne lächerliche Zwerggestalt. Die Anstalt ging einestheils aus den philanthropischen Ideen devorigen Jahrhunderts, in denen der Stifter, der sel. Haindorf, groß gezogen war. huderntheils au? dem JndifierentismuS gegen das spccifi'cke Judenthum, welcher die Zeit des damaligen Uebergangs charakterisirt, hervor'. Selbst Haindorf kannte sein 'Judenthum nur von ungebildeten Ehedarlebrer» und seiner ignoranten, verwandtschaftlichen Umgebung. Seine späteren philosophischen und medicinischen Studien brachte ihm dasselbe nicht näher. Sein Geist war dem Jutenthum: entfremdet, doch sein jüdisches Herz bewahrte die Lieb« str seinen angestammten Glaubensgenossen. Er wollte, zum Danke dafür, daß die liebevolle Unterstützung einzelner Juden ihm seine Bildung ermöglicht hatte, sie den Juden überhaupt erleichtern und zugänglich machen. Darum gründete er den Verein zur Aus rertunz von Handwerke» und Künsten unter den Juden und errichtete ein jütische- Lehrerseminar in Münster. Er hielt dafür, daß den Juden nur allgemeine Bildung zugesührt, aber durchaus nicht die religiöse Bildung bei ihnen gepflegt werden müffe, welche er überhaupt für überflüssig, für die Juden aber als schädlich erklärte. Die jüdischen Lehrer bedürften nach seiner Meinung daher auch nicht deS Unterricht» im Hebräischen und in sonstigen religiösen Dikciplinen. WaS er darin von Anfang bewilligte, war nur ein vorläufiges Zugefländniß, eine Eoncesiion, die er noch den tama'igen Umständen und Verhältnissen machte. Und wain diesem Punkte die späteren Jahre gebessert haben u war nur der Erfahrung und dem Emflusie fremder Factoren zu danken. H. war auch inzwischen alt geworden und ließ dre Lehrer der Anstalt, welche die Sache in der That besser verstanden, gewähren. Wir wollen damit dem Vei dünste de-verstorbenen Haindorf nicht zu nahe treten. Er hat seiner Sache mit vieler Liebe, persönlicher Hingebung und materiellen Opfern gedient. Sein Schwiegersohn Löd stand der Anstalt schon während der späteren Lebensjahre ihre- Stifters wor. Er that dies aus Pietät gegen s inen Schwiegervater, nicht auS Liebe zur Sache. Aich diese Pietät ist es nur. welche ihn jetzt, nach dem Tode d-S Schwiegervaters, die Ansrat fortleiten läßt. Dies geht mit Deutlichkeit auS den Statuten hervor. Sie ist zur Familienstiftung umzewandelt worden. Wir hätten nichtdagegen, wenn da» Judenthum nicht ta':ei in Gefahr käme, zu« Opfer zu fallen. Die Stift-r und Leite« der Anstalt haben, wie wir dargethaa, dem jüdisch religiösen Interesse nie gedient. Die Perssönl chkeit Löd's, bei aller persönlichen Ehrenhaft gke t und unbeschadet der Hochachtung, d>e wir ihm zollen müssen — läßt, zumal nach den vorliegenden Eta'uten, in der Zukunft ein Gleicheerwarten. L.'S ganzes Leben steht dem Jukenthum fern. Die Synaogc besucht weder er, noch" seine Familie, selbst nicht an den öchsten Festtagen. Seine Kinder sind von christlichen Hauslehrern unterrichtet worden, -die älteren, Knaben wie Mävchen, sind bereits getauft und christlich verheirathet. Kann ein solcher Mann bei einiger Gerechtigkeilsliebe verlangen, daß man die Leitung eines jüdischen Lehrerseminars, scmit die Jugend und die Zukunst Israel-, ihm anvertraut? Ihr jüdischen Gemeinden Rheins ids und Westfalens, ihr Rabbiner, Lehrer und Vorsteher dort! die deutsche, ja die gesammte Judenheit siebt auf Euch. Möge man die Anstalt auf wahrhaft jüdischer BasiS auferbauen, und zwar — ohne diesen Mann und seiner gegenüber solchen Forderungen geringfügigen Geldunterstützung. Und wenn nicht — Kassel und Hannover sind jetzt "mit Preußen geeinigt; beide Städte haben bewährte jüdische Seminarien. Wendet Eure Kräfte diesen zu - und eS wird besser werden mit der jüdische« Lehr-.rbildung als bisher un> in — Zukunft in Münster oder Hamm. Der materielle Gewinn, welchen die jüdischen Gemeinden Rheinland- und Westfalens von der Verbindung mit dieser Familienstiftung haben, ist wahrlich zu unbedeutend, als daß Ihr zögern solltet, die Gemeinschaft mit derselben aufzugeben Ihr w rdet die Zukunft Israels nicht Preis geben. Dir Lehrer Westfalens aber müssen, bei aller Pietät gegen die Anstalt, der sie entwachsen find, dock» zuoesteben, daß für die jüdische Erziehung der Lehrer nie etwa- Rechtes hier geschehen ist, »och weniger geschehen wird. Bei 28. Adolf & <So. in Berlin 59. Unter den Linden ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Kochbuch für israelitische Frauen von Rrlrcka Wolf, geb. Hkinemanu. Rebst vollständiger Speisekarte und Hausapotheke, Anweisung zur Führung einer religiös jüdischen Haushaltung. Vieri« »erb. Aust. — Preis: geh. 1 Lhlr. Sauber geb l1/* Thlr. ^Verantwortlicher Redakteur: I. Klrngenstein in Odernheun in Rhrmhefien; Selbstverlag, der Redaktion. Für den Buchhandel: in Commission bei Oskar Leiner m Leipzig. — Tampf-Schnrllprefsrndruck von I. Gottsleben in Mainz. f

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