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Der israelitische Lehrer · 1866-09-06 · 36 (6.9.1866) · p. Seite 149

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
36 (6.9.1866)
Date
1866-09-06
Page
Seite 149 (sequence 3)
Language
German
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149 kündigt werde um ihrer selbst Willen, mit Offenheit und Entschiedenheit! Und das ist die Aufgabe der Rabbiner wie der Lehrer! Wir können nicht umhin, hier zu wiederholen, daß der Unterschied zwischen beiden Gesellschaftsklassen wohl nur ein äußerlicher ist, daß aber im Grunde beide ein gleiches Ziel haben, daß die Erkeimtniß, daß beide zusammengehören, nach einer Richtung arbeiten, sich einander unterstützen, fördern müssen, der erste Schritt zu einer Beflergestaltung der Verhältnisse beider Gesellschaftsklassen ist. Darum, Ihr Rabbinen, die Ihr Eure Zeit und Eure Stellung mißkennt, lernt endlich einmal einseyen, daß nur,, indem Ihr die Lehrer unterstützt, achtet, ihnen als theilnehmende Freunde zur Seite steht, sie in Allem fördert, was nur in Eurer Macht ist, Ihr Euch selbst ehrt und hebt! — Lernt begreifen, daß nur! em tuchttger Religionsunterricht, vo r braven und geachteten Lehrern crtheilt. Eurer Stellung Festigkeit, Bedeutung, Eueren Personen Anerkennung und Autorität zu sichern vermag. Für die Lehrer und ihre Bestrebungen hat die Gegenwart und die nächste Zukunft viel Störendes im Gefolge. ES wird lange dausnr, bis sich die Verhältnisse'genugsam geklärt haben und die Leiter d.s Staats wieder daran denken, daß auch für diejenigen'noch viel zir thun ist, die den Kampf mit den argen Mächten: Rohheit, Dummheit und Unwissenheit zu kämpfe»« ha en. Die Vertreter der Schule werden für lange Zeit noch die Stiefkinder der Gesellschaft bleiben und ihre berechtigten Wünsche werden kein Gehör finden. Uin so niehr tritt immer der Gedanke der „Selbsthülfewieder in den Vorderg-und. Selbsthülfe ist aber nur möglich, wenn »vir uns selbst von Innen heraus entwickeln, die Zeit begreifen und unsere Wirksa»nkeit den Anforderlmgen der Gegenwart und Zukunft gemäß gestalten. Nicht, indein wir wie ein schwankes Rohr der Einflüssen eines jedes Lustzuges uns preiszeben, sondern irrdem wir in wahrhafter Erkenntniß der ewigen Grundlagen aller wahre > Menschenbilvung dem Gedan'en des Fortschritts her Menschheit unser Leben widnlcn. Bewahren wir uns darum die Liebe zu unserem Berufe, bewahren wir uns die Errungen'chasten, die Bereinigungen zu unserem Schutze und zu unserer Erhebung, dir> wir gegründet haben; festigen wir in uns den collegialifchest Geist: Einer für Alle und Alle für Emen! — Suchen »vir int einheitlichem Geiste im ner fortzuwirken zuni He le des Judenthums und der Menschheit! Mag der Krieg manche Hoffnung auch s ir Uns für den Augenblick vernichte: haben und das Friedenswerk, das jetzt für die Gemmmtheit geschaffen wird, unsere Bestrebungen in den Hintergrund drängen und die Gegenwart unseren Wünschen nicht gerecht werden - wenn wir klar sind in dem, was wir wollen und sollen, wenn wir uns kräftigen, indem wir uns einigen, dann wird man unseren Forderungen gerecht werden müssen, so wahr die Sonne nicht, stille steht m ihrem ewigen Laufe. So möge denn auch dieses Jahr uns weiters-ähren in unserem Berufe, weiterführea in der Einsicht dessen, was uns Roth thut und in der Erfüllung un'erer gerechten Wünsche und Erwartungen. Möge insbesondere das Werk der Einigung, der Versöhnung und des Friedens gelingen, sowie im Lehrerstande also auch in der ganzen Menschheit. . 28 o eh e n b e r i ch t. (Brief Cremieur'S an Havtn.— Fortferung.) Auch den Fürsten vabe ich als einen Mann von edler Gesinnung kennen gelernt. Er sagte mir, tag er sich aanz dem Dienste seines neuen Vaterlandes widme. Derselbe hat eine liberale Erziehung und eine gutgesinnte Umgebung. Die Kammer schloß verschiedene Elemente in sich, aber die Majorität schien mir über Vornrtheile und Rückschritte erhaben. Ich batte eine Unterredung mit dem Präsidenten Emperia, einem Moldauer, eine» Manne von Herz, Bildnn i und Vaterlandsliebe Er sagte mir: wir Aristokaten mrchm für dir JUaelüen P oprgando. Er lud mich in se n Büreau ein. wo sich mehrere Depukirte versammelten um sich mit m»r üver die Unrerdrückang der Juden zu beratsen. ES waren wohl an der Zahl, unter denen si» der Justizminister, der Minister der öfi ntlichrr. Arbei'en re. befand n. Alle kamen mir mit Liebenswürdigkeit ent egen. Ich dankte mit einigen Worten für die liebevolle Aufnahme und äußerte mich daun in folgm er Weise über den Gegenstand der Beratbung: M ine Herren, werden Sie den eingeborenen I iden eine vollkommene Emancipation bewilligen? Ein starkes Vorurlhell de» herrscht diese so einfache Frage, man findet einen liefen Haß gegen die Jiden. Ist dieser gereckt? Und war ist sein Motiv! Die Juden baden E.ristuS gekreuzigt, sie haben Gott ans Kreuz genagelt? Tat ist seit 1* J^hrbunde ten, seit 6" Generationen der Grund d s Hass-s! DaS Verbrechen ist groß, aoer wird die Rache sich nst befriedigt säbl n? Und welche Rache: Raub, Vertreibung, Einzieiung der Güter, Sclovecei, Tortur, Scheiterhaufen,' Tod durch Feuer und andere Qualen, eine Unzahl geschtacht.ter Opfer! Der Zorn der Feinde fand weder istnhe, noch Be'rie.digung, und doch meine Herren wenn Sie die Tödtunz Christi vom religiösen, philosophischen und MLpsckliche« Standpunkte aus Prüfer: finden sie oie Juden da schuldig? verdienen sie so ohne Unterlaß gest-ait zu werden? Zuerst vom religiösen Standpunkte arS: Jesus Christus war Gott, ein Gott von Ewigkeit der, wie Gott der Vater: „Im Anra ig," sagt der Aposstl. „war das Wort bei Gott, und daS Won wa: G.tt und rm Anfang' ist nichts gemacht worden ohn: es." Von Ewigkeit her war Gott entschlossen, sich zu opfern und am Kreuze zu sterben, er hatte den Tag und die Stund: seines Sterbens bestimmt. Er hatte gewollt, daß die Jaden ihn verkennen und di:se grausam' und «rostlost Mission erfüllen zollten. Wie konnten die Jaden al'o dieser schrecklichen Be.rimmung entgehen? Gott wollte es, wie konnten st: sich de» Willen Gottes entziehen? Wollte es Galt nicht, so war nichts einfacher für I sus EhristuS, als fern m traurigen Geschicke zu rntgehm E: br.uchtr.nur sein: Anne zn kreuzen vor den ioa gefanz nnehm:nd:n Garden und zu sagen „ich will es nicht/ Alle wären auf die Knie gefallen, von seiner göttlichen Erscheinung g blendet. Er ließ aber ihre Herzen verhärtet, da er fie doch erweichen uno ihren Zorn b sänftigen könnt». Kurz, die Juden haben Go.t nach sein m erzenen Willen geopfert (Schluß folgt.) AuS Rheinhessen. Ein Rabbiner aus unserer Nachbarschaft thcilt unS folgende interessante, ihm von Außen zngekommcne Rechtsfrage mit, über di: er zur gutachtlicken Aevße» rung ausgesordert wurde. Sir zeigt un-, welche Anschauungen man noch, auch bei den Gerichten, von der jüdischen Reliiio» ha°.— Eine Frau verklagte ihren Mann, der sic böslich verlassen, aus Ehescheidung. Sie weist ihm unter Anderem l(nsirtlichkeit und Ehebruch nach, und der gegnerische Anwalt legt nun, indem er die Thatsrchen eingesteht, derselben den Beweis ans, daß solche Handlungen im Jndenthum religiös verboten feien. Er leugnet dies und knüpft daran den Schluß, daß demzufolge zur Scheidung keine Veranlassung vorliege Commentar ist unnöthig. Vom Rheine, 1. September. Sie brachten vorlängst ein 0-

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