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Der israelitische Lehrer · 1866-09-06 · 36 (6.9.1866) · p. Seite 148

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
36 (6.9.1866)
Date
1866-09-06
Page
Seite 148 (sequence 2)
Language
German
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148 klültet die Gemeinden —.und doch ist es nicht die Ueberzeugung, die die Basis dieser Parteigezänke bildet. Dort sucht man einen Mann der goldenen Mitte als Prediger, aber — er soll, auch vor leeren Bänken — beileibe nichts „Specist'ch-jüdisches,* kein Wort über Gemeindegebrechen, kern Wort über den verheerenden Jndiffecentismus oder über den inneren. Zerfall der Gemeindezustände sprechen! Und die Zugend? Sie wächst in diesen Gemeinden, in welchen sich Lehrer für jede Art Zedier" Künste — für Tanen, Reiten uns Schwimmen - reich'ich ernähren, ohne allen Religionsunterricht aui! May scheut sich einen Religionslehrer zu haben und hat man ja einen solchen auch neben dem Rabbiner angestellt oder dem Rabbiner selbst den Religionsunterricht übertragen-: wie cinaefchränkt ist die Wirksamkeit derselbenvwie abgezwu.igen die Stunden, die man ihnen für ihren Unterricht zuweist. ' Wo soll da der frische, belebende Geist Herkommen, der von der Jugend ins Alter "chinüberrUchti:? So ist die Jugend ohne Halt, die nur die Religion bietet in ernster Zeit! O,,Jhr Männ'r, die Ihr be usen seid, in den. großen Gem ind.n für die religiösen Bedü kniffe vieler Hnnomte, ja Trübende zu >o gen, wenn Ihr in diesen schweren Zeiten, d.e eben vorndecgegangen sind, Trost und Beruhigung, bei Gott su .:tet, wenn J>r in die'em Gefühle das Gotte.yaus'betrat t: — :st Eu h der Gedanke. nicht nahe gekommen, daß auch für Eure minder sin nal eine solche schwere Zeit nahm dürste, nahen könnt?, und daß sie dann den Trost nicht finden dürit n, wo Ihr ihn 'uri-tet und fand.r?! Treiuz.t Eure Kinder doch n cht vo n v:e tauscndjährigen Lebensbaum der Religion! Gönnet ihn n eine Stätte, wo sie unierwiesen weroeü in der h.iligen Lehre und m der heiligen Ge'chichte, damsi auch sidem G tteshauie, das Ihr :n t ane.ke.nenswerlhen Op'ern erbaut habt, zur Zierde gerochen; denn d'er schönste Schmuck des Gotteshauses, das^sind seine zahlreich v.rsammelten Gläubigen 'Uno wie — was" sollten unsere Nachkommen in diesen Gotteshäusern'sinoen, w mn nicht der Grund gelegt ist, aui den die Synagoge weiter bauen kann? Gönnt der Religionss'chntc eine bescheidene aber wohlbe.'echtigte Stätte neben den Gotte.hauie und d-»» Religiousle rer der Jugend eme anslänoew begründete Stellung in En er Gealeinde. Wabrlich, es >ft hohe Zeit, daß in diesir Richtung. etwas geschehe,, wenn wir nicht mit eigenen Augen zusehen wollen dem völligen Zerfall des Juoenthums — trotz der glanzvollen Synagogen! Doch, in den kirnen Gemeinden fft: ni±t viel beffer I Wie lange wirds noch dauern, bi?, die Einsicht gereist rsi, daß rem Lehrer anständige Behandlung, anständiger Lohn gebührt, wenn er in seinem Berufe Ersatz finden soll für lohnenderem Erwerb anderer Gesell'chastsklaffen °? Der Lehrer- . Mangel wird immer fühlbarer -und doch geschieht nichts, um dieser Calamität abzuhelfen. Man hat in letzterer Zeit die : Ansicht geäußert, daß es die Aufgabe der Regierungen sein; dürfte, für jüdische Lehrerbildungsanstalten zu sorgen Wir glauben nicht, daß dies geschehen wird, und wenn es ge-. schieht, was ist dabei gewonnen, wenn nicht auch die Ge-, meinden Mitwirken, die geeigneten Zöglings herbeizuziehen, indem sie sie in ihrer Studienzeit unterstützen und ihnen Hornungen für eine geeignete Lebensstellung bieten? Was kann alle Kraft und all« Hingebung einzelner Lehrer in | einigen Gemeinden nützen, wenn wieder so viele Jahre lang in andern Gemeinden das religiöse Leben ganz brach liegt! 1 Das wäre ein Entschluß, würdig einer großen Zeit, wenn! die Gemeinden in Israel sich einmal zusammenschaaren! würden, um aus eigener Kraft im Bereine eine Anstalt za : gründen, die die Erhaltung der Lehre Israels für die Zukunft sichert! Was bis jetzt in dieser Hinsicht geschehen, iit lange nicht genügend, ist entweder nicht fest begründet, einseitig und unzulänglich oder nurngelhaft in der Ausführung. Täuschen wir uns jedoch, nicht! Es find nicht allein die großen und kleinen Gemeinden, ihre Borsteher und Leiter, es sind mehr noch die Männer, die als Rrbbiner und Religionslchrer berufen sind, für das Heil der Gegenwart tuiö Zukunft zu wirken, die an der Zerfallenheit unserer Zustände Schuld tragen! Wenn auch, wir wollen es nicht läugnen, die Berhäliniffe vielfach beengend wirken auf die Personen und sie in ihrem Wirkungskreise nach vielen Seiten hin beschränken, so dürfen wir uns doh nicht verhehlen, daß es den Meisten an dem Einen fehlt, was dem Manne, der einen weitreichenden üffentsichen Beruf hat, vor allem Roth thu.: an würdigem entschiedenem Char-aktör! Wir sprechen öier nicht vom privaten, persönlichen Charakter, von de: persönlichen Würdigkeit die auch dem Prioatmanne znkömmt, sonder::-von jener edlen, herrlichen Manueskcaft, die für ein hohes Ziel'einsteht, für eine Wahrheit wirkt, duldet und kämpfet. Wir sprechen von dein öffentliche« Charakter, der „nicht biegt, sondern bricht;" von jener erhabenen Treu; der Ueberzeugung, die nicht losiaßt von dein als Wahrheit Erkannten! Wird die neue Z.it, die an uns herantritt, und die, so hoffen wir, tiefem-chneidende Aenderungen auf allen Gebieten des Ledens und geistigen Schaffens bringen wird, auch nach dieser Richtung hin Großes wirken? Am Anfänge oieses Jahrhunderts, insbesondere noch in den 30c Jahren, da gab es Männer im Jaoenthume, die wußten, was sie wollten und in der Richtung, die sie einmal eingeschlagen hatten, mit oer Entschiedenheit redlich gewonnener lieberzeugang ihr Wort und ihr Leben für die Wahrheit einsetzten. — Die Ueberreste dieser Männer, die die reiche Literatur der Reuz. it begründeten und scri'üh ten, sind älter geworden; aber umsonst sehen wir uns um nach kcäf igem Nachwuchs unterRabbinen wie unter Lehrern der jüngeren Periode. Blaffe Gestalte«, die es recht-gut verstehen, den Mantel nach dem Winde zu hängen, Halbheit, Unentschiedenheit, Unklarheit, Selbstsucht, Frömmelei, Heuchelei — keine kräftige vielverhebende Blüthe, kein entschiedenes Wirken; Gehenlassen, - mit solchem Thun begründet man nichts Großes. Leider ist diese Selbstsucht auch unter Manche der Aelteren gefahren, — ^wir sprechen hier insbesondere von hervorragendenRabvinen — ''und Untreue,»Berrath, schnödes Rivalisiren, Verketzerung- und Verkleinerungssucht haben jene Achtung und Ehrfurcht bedeutend geschwächt, die wir vor der Vergangenheit jener Männer, ihres hervorragenden WiffenS und edlen jugendlichen Strebens Willen, haben müßten. j Es thut Roth, daß wieder der Gedanke gemeinsamen, hingebenden Wirkens, — ein Jeder von seiner Stätte aus, — die Männer verbinde, die das Heil des Judenthums im Auge haben; daß Wahrheit, Charakter, Treue die Genossen im Geiste verbinde zu einer heiligen, strebenden, geistigen Gemeinde, daß dje. Wahrheit gelehrt und ver-

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