Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 36 (6.9.1866)
- Date
- 1866-09-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Her Jsrai'titiüchc Iclirer. Zeitschrift für die gesammten Jnteresien des israelitischen Lehrerstandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, - Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 36. Mainz, den 6. September 1866. (Sevl-sisr Wöchentlich I Nunimcr. Bierteljährlicher.Abonnnnentvpecis 27 kr.'--- 1/4 Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 sl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Cgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. r. &um Frieder,! Ist es nicht, als wandle, nach all dem Jammer, der die letzten Monde. dieses Jahres zu ewig denkwürdigen macht, ein Hehler Friedensbote über die trauernden Fluren unseres von Bruderblut getränkten ValkrlandeS? Friede! so rufen sich die Söhne des Vaterlandes zu, und der Darkcsblick nach oben verbindet sich mit der ernsten Mahnung: Versöhnung! Versöhnung der getiennten Stämme, die soeben nrch in blutiger Fehde einander gegenübeistäl.dcn, Versöhnung und Einheit "sind die Sterne, nach denen wir auöschauen muffen; unser Friedcnswe k kann nur Dauer erhalten, wenn in ernster Geistesarbeit bie Männer von Süd und Nord sich begegnen, um auf den Trümmern der alten Zeit einen neuen Tempel der Einheit zu errichten, die Gegensätze auSzue leichen, die künstliche Scheidemauer, die zwischen engverbrüdertcn Menschen aufgebaut wurde und soviel Unheil verrichtete, einzureißen. Inmitten dieses Jubelruss des Friedens, der die schmerzlichen Erinnerungen und Gefühle übertönt und - so manche Thräne in den Augen derjenigen trocknet, welchen diese Monde tiefe Wunden geschlagen, die nimmermehr vernarben; inmitten der großen Arbeit reS Friedens erscheint für uns -als Israeliten diese ernste Zeit der Erinnerung, der Versöhnung und der Freude und eine mahnende Stimme gebietet uns, diese Frist, in der die Gemüther so tief bewegt find, nicht ungenutzt vorübergrhen zu leffcn; auch über unsere inneren Angelegenheiten,-wie alljährlich zu dieser Zeit, ein ernstes Wort zu sprechen. Es kann nämlich nichts irriger und einseitiger sein, als der Gedanke, daß große Zeiten, ereignißschwere Momente, die tiefgehende Bei Linderungen in der politischen und socialen Gestaltung der gcnztN Menschheit oder des gesammten Vaterlandes Hervorrufen, zur Besprechung von inneren Angelegen heilen kleinerer und größerer Genossenschaften, als Therle deS Ganzen, ungeeignet seien. Gerade in solchen Zeiten tiefgehender innerer Erregung dürften solche Gesawmtheiten auch über ihre eigenen Angelegenheiten sprechen und Angelegenheiten der Gemeinden, des Lehrerstondes, der iSroel. Religionsgesellschaft sind wichtig genug, um. auch in-solchen Vcmkntcn Beachtung und Wnrdi. ung beanspruchen zu können. Wenn der Acker vom Pfluge tieigecffnct ist, dann wirft der Landnann verschiedenen Samen-hinein — ein Thcil entwickelt sich n wenigen Tagen, e n anderer erscheint erst in späterer Zeit, wenn er nur in-die lockere Erde gefallen ist. Aber tier muß die Furcbe sein, wenn sie der kern enden Saat 'esten Stand und Saite,,Kraft zur Wurzel-, Halm- und Fruch bildung bieten soll. Wahrlich, unsere Angelegenheiten sind nickt so bedeutungslos, dap sie sich jetzt nicht vernehmen leisen dürften. T'e Zukunft mag dann reifen, was setzt gcsäci wird. Ta? Heil der Eeiammtheit ist an das Wohlsein der Einzelnen geknüp't; das ist ja eine alte, aber leider sehr selten von den Leien der Gesanmtheit.genug gewürdigte Wahrheit. Soll das Vaterland groß, stark und glücklich werden, so muß in den e-ir zelnen Hütten und Wohnungen der Menschen Freibeit, Fnede und Bel ung herrschen, muß die Familie glücklich leben in ih'»n Murr en in wohll egründeter Häuslichkeit, muß die Gen cinde sein esir gottgesegneter Bund zur Förderuna alles Guten, muß-in den Schulen und Gotteshäusern Wah beit, Reckt und Frieden gelehrt werden, die ewigen Grundiäulcn, die in den g öß? en Kreisen d reschen, wenn die M enschheit in naturgemäßem Fortschritt ihrem Ziele zustrebt. ~ - So kann, so soll und muß jetzt und zu allen Zeiten der Blick auch ruf das Einplr.s ge sichtet werden, das dem Ganzen dienen soll W rd der Friede auch belebend wirken auf die jüdische Schule, auf Cimagoge U'd Gemeindelclend Es muß.Vieles anders werden unter uns, ein neuer Geist muß einz'ehen in die leitenden Persönlichkeiten und in die Gemeinden. Klarheit, Entschiedenheit, guter Wille — sie fehlen aüerwärts. Werfen mir zuerst einen Blick in 'die großen Gemeinden I Welche Hohlheit und Verwirrung, welche Kleinlichkeit und erschreckende Leere an belebenden Gedanken tritt uns da enteegea. Fast lebten Jahren herrliche Synaxogen gebaut und splendid-ausgestattet. Ta ist viel Glanz der rechte Geist lebt nur in ivenigen. Der Parteigeist zerüberall wohl wurden in den viel Ponip — cnpr< nm,