Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 34 (23.8.1866)
- Date
- 1866-08-23
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428724-5431645--1434-4897930- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
141 tzäagers Ps. 119, 30 vpi» yasvo \-nna rmox -pn „den j „Mg des Glaubens habe ich mir erwählt, deine Vorschrif- ,ten, (Gott!) nehme ich mir zum Vorsatz." In diesen wenigen Worten liegt alles Das, was ich mir als Auf- ' gäbe für das Leben gestellt habe. „Den Weg des Glaubens habe ich mir erwählt" — folglich will ich vor Allem werden: ein frommer Jsraelite, ein treuer Anhänger der väterlichen Religion; die von Moses dem Hause Israel zum ewigen Erbtheil mitgctheilte Lehre soll auch mein ewige- Erbtheil sein und bleiben. Der Glaube an den einigen Gott, dessen Bekenntniß meine theuern Eltern schon von meiner fr.ihesten Kindheit an mir in den Mund gelegt in de» Worten: ysv. '■;i „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig I", dieser Glaube, der unfern Vätern durch die finstere Nacht der Verfolgung Kraft und Math zur Ausdauer, freudigen Tr.st uno immer erneuerte Hoffnung gegeben — dieser reine Glaube soll auch »rein Führer sein und bleiben! An der Hand dieses treuesten aller Füh.er 7-verde ich um so sicherer meines Lebens Ziel erreichen, als jich, wandelnd durch blumige Auen, angelächelt von der Sonne des Glückes, doch nie vergessen werde: daß Alles, was ich bin und habe, von Go't sei, und so die Dankbarkeit gegen Gott mich l.hren wird, die mir gewordenen Güter in rechtem Maße zu gebrauchen. Und wie ich so im Glücke fern von allem Stolz und Ueb.rmuth bleibe durch einen treuen Führer, den Glauben; ebenso werde ich in den M ßgeschlcken des Lebens des Trostes und der Beruhigung nicht entbehren; denn mein Glauben wird mich stets lehren, aufzulchauen zu Gott in dem Hoffnung:-vollen Gedanken pxi 2 "22 rrjy 'n 2>"2 my „Meine Hilfe kommt von Gott; dem Schöpfer des Hi nmels und der Erde." Doch nicht die äußere Hülle der Religion, nicht die Beobachtung der Cereinonialgebote allein ''oll das Ziel meines religiöse»'Lebens sein! Wohl habe ich durch das, was mir -elehrt wurde, eimehen gelernt, daß d-r sinnliche Mensch der äußern sinnlich wa^rzunlehmeaden Ancegungsmstt.'l bedarf; aber in der Beobachtung dieser äußern Formen schon das Ziel eines frommen Lebens erblicken wollen, das wäre gerade das Gegentheil von dem, was nmere heilige Religion damit beabsichtigt: x^i \—sa^rix ■ip:.!; „damit ihr gedenket und thut alle ineine Gebote und nicht | wandelt nach der Lust eures Herzens u-rd eurer Augen." , Tas also ist der Zweck der Celemonialgebote: stete Erinnerung an Gort, um durch den Gedanken an Gott stark zu sein in dein Kampfe gegen die Sünde, um uns zu üben in der Mutter aller Tugenden, der „Selbstbeherrschung," ohne welche gar keine Tugend möglich ist. . , I» je grbßerm Maße aber ich d'ese Tugend mir anqeeignct haben werde, desto »lehr wird es m r gelingen, das zu sein, was ich mir ebenfalls vornehme zu werden: „ein guter Mensch!" Habe ich doch die feste, Ueberzeugung, daß ich erst ein guter Mensch sein müffe, bevor ich ein frommer Jsraelite sein kann; oder umgekehrt: nur Wer ein guter Mmsch ist, der wird auch allen Anforderungen der Religion jwfc der Sittlichkeit entsprechen. Ern guter Mensch werde rch aber dann sein, wenn die Liebe zu Gott, und durch diese -sie Liebe zu meinen Mitmenschen die Triebfeder aller meiner Handlungen fen wird; wenn ich dem hohen Ausspruch des weisen Talmr dlehrers Hi stet- Nachkomme: ’Jdt no najn t6 -pan1? „iSri dir von Andern mißfällt,' das füge du auch Ander« nicht zu." Ist. doch jede Pflichterfüllung, jede aus das Wohl unserer Mitmenschen berechnete Handlung eine Folge vo» Mangel an Liebe! So aber Lieb« die Wurzel meines Thun» und Lassens ist, werde ich sein urd bleiben: „Ein friedliebenoer Bürger, ein treuer, dem Gesetze gehorsamer Genosse des Staates." Nre werde ich versessen, oder aus Selbstsucht vernachläßi» gen das, was ich der Obrigkeit, dem Gesetze uno meinen Mitbürgern schuldig bin. Ich werde alle mir zu Gebot stehenden Mittel willig aufbieten, wo es gilt, Menscheawohl befördern zu helfen, und es wird mir kein Opfer zu schwer sein, daS ich nicht" auf den Altar des Vaterlandes sreudig nieoerlegeu möchte. — Endlich wer»: ich mich, von Liebe geleitet, bestrebm zu werden: „Ein nüsliches Glied der menschlichen Gesellschaft!" Klar und deutlich stehet cS mir vor Angen geschrieben, daß es nicht menschenvürdiz leben hieße, wenn man bloS auf Selbsterhaltung b dacht, für selbstsüchtige Zwecke allein bemühet wäre. Nicht umsonsi lehret mich die heilige Schrift: ti>sa ’2 mxn nx rvay 2\-r?x „Im Ebenbilde Gottes ist der Mensch erschaffen." Der nur ahmet seinem hohen, göttlichen Lorbilde nach', der r lit allen seinen Kräften bemühet ist, Andern nützlich zu s sin, die Menschen — seine Brüd er — um sich her glücklich zu n achen sucht. ’:x na ’Oäj/1? ux e-ai „Wenn ich nur für mich bin, was bin ich?" Millionen vcn Geschöpfen leben von der Güte Gottes, meines Schöpfers,' und dieser Güte meines Schöpfers ahme ich er/t dann nach, wenn ich da» Wohl Anoerer, so viel es meine Krisle zulasten, zu begründen und zu erhalten trachte, das will heißen: die Gottähnlichkeit erstreben. Hier, meine theuern Eltern! habt Fhr die Vorsätze, mit welchen ich aus den Kmdecin die Jün gllugsjahre übertrete, die, um sie kurz zu wiederhole», sich zusammeufaffen lasten in: „Liede und Dankbarkeit gegen ^meine Elt em und Erzieher, treue Arhäuglichkeit an der väterlichen Religion, „friedliebend als Bürger, gehorsam den Gesetzen des Staates, opferwillig für's Vaterland und nützlich der menschlichen Grsellschat sein." Alle diese Plichten entsprosten dem besellgendeu Glauben an den einzigen, einigen Gott, den Shöpfer des Himmels und der 6 'te, den liebenden Vater aller Menschen, den allgütizen Versorger aller Seiner Geschöpfe. ' > Lcbenv int Glauben an den einen Gott, erstrebend die eine Tugend „Selbstbeherrschung," übend die eine Pflicht „die Liebe," so >osse ich zu wandeln den einen Pfad, der zu Gott führt, den der königliche Säuger bezeichnet im 34. Psalm mit den vier Worten: rs nvyi V''- „weiche vom Bö'en und! chue Gutes." Erst durch llebun; des Guten, weicht man vom Bösen. — Und mit den Beistand Gottes wird es mir geling», zur Freude meiner Eltern, zum Ruhen meiner Mitmenfchea und zu meinem eigenen Glücke das von Gott mir gesteckte Ziel zu verfolgen bis ans-Ende meiner Tage. Amen.