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Der israelitische Lehrer · 1866-08-02 · 31 (2.8.1866) · p. Seite 130

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
31 (2.8.1866)
Date
1866-08-02
Page
Seite 130 (sequence 4)
Language
German
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r' — 130 — tcr geworden; (?) im Gcptntheil, der frühere .Bacher" hatte durch reichliche Geschenke wenigstens eine sorgenlose Eristenz; der jetzige Lehrer, der eine andere Bildmig genutzt, als der gewöhnliche Plebs, ist dem dem Mammonerwerb duldigenden, in seiner geistigen Eedankenlosiakeit die starren religiösen Formen über Alles liebenden Volke oft entfremdet — wenn es diese Formen auch selbst nicht l coback tet; der Lehrer wird belächelt, bedauert, daß er einen so schweren Stand gewählt, der .zu wenig;um Leben, zu diel zum Sterben" bietet — ohne daß man dieses harte Verhältniß auszugleichen sucht. Wie oft höre ich in Bezug aus religiöse Formen aus den Lehrer den -trivialen Satz anw'nden: .Die Passagiere dürfen b-trunken? aber der Kutscher muß nüchtern sein!" Ist dieser Widerspruch zwischen Gesinnung und Handlung nicht bekla-cnswerth? Entweder müssen diese Men'chen ihre freien Handlungen iür erlaubt balten, und warum sollten sie dann dem L.brer .verboten sein? •— oder sprechen diese gedankenlosen Menschen selbst das Perhammungsurtbeil über die Jnchnseyucnz ihrer Gesinnung und Handlung aus, bekennen sich ' selbst als gemein, ebr-lcs und der Sinnlichkeit ergeben; denn oerstnige ist doch gemein, der an'die Heiligkeit eines Dinges glaubt, dieses aber aus eigennützigen Zwecken verletzt. Der richtig denkende Lebr<x kann"! ie mit dcm.Amte übernommene Pflichten auch erfüllen: soll er aber so sehr heucheln müssen, soll die Intelligenz den durch Herkommen und Gedankenlosigkeit beim Volke geheiligten Unsinn auch für heilig erklären? Soll der Leorer, der-klar denk', abtretcn vom Schulsache; scllen im Weinberge des Herrn, in. den religiös-moralischen Unterweisung, n, in der Ertheilung des praktischen. Unterrichts nur Heuchler oder getauten loe Menschen arbeiten — oder, wird der Lehrer einmal Lehrer im wabren - Sinne des Wortes, nickt bios personisicirtes Formen-Musler?. Wobin geratbc ick in meinen Klagen? Illicht wieder aus die.Jictbwcndigkeit dtsjütiscl en Lebrer -Ver.ins, d-'ssen Zweck Beförderung der Ecllegiasität und ge.nnseikige Unterstützung mit Rath und. Tbat ist. -^'wie jüngst ein ander,r Verein seinen Zweck k r; bezeichnet?, — der dem armen Lebrerberzen ein Trost in von schmerzlichen Gefühlen überwältigten Stunden sem soll — und rür len ick ich'wärme? Nein, ick wollte in dieser Ebarasteristik so-vieler jüdvcken Gemeinten nur überleiten auf das Resultat der Gemeindever ammiung., die wegen tcr verlangten und versprochenen Erhöhung aus m.in Drän.en hier abgcballen wurde. Man w'ollte mir rickl g 5<> st. Erhebung geben, wenn ick mich schriitlick aus —1l> uud n.rck meiner entsck ebenen Ablehnung: .nickt aus eine. Viertelstunde", aus — 3 Jahre verbindlich macken würkv, in.V. Lehrer ru.bleiben! Mick schristlick wie ein Taglöbncr zu. verdingen, des ging denn dock gegen meine berecktie.tcn Anschauungen von Ebaralrer und Stellung des Lebrers! "Materiell 'oll ja eine locke Verbindlichkeit car keinen Wertb haben,'indem die k. Regierung kielen häufig verkomm nkcn Paragraph der Verträge nicht bestätigt, aber auck blos lormcll unk 'n moralischer Hinsicht mochte ick in V. tiefe Verbindlichkeit nickt eingrhen,. selbst wenn ick so lange hätte da blecken wollen. Ick hatte mein Versprechen gehalten, latte keine ändere Stelle übernommen — was V. eine Garantie für das ihnen gegebene mündliche,Verlprecken, wenigstens ein Jabr da zu bleiben, hätte sein können —: V. aber batte mick angeführt, mich alle ausgeschriebenen Stellen versäumen, nack Hause komme« lanen. — um dann keine Erbötung zu geben. Ick theicte nun der et len Vcr' ammlung mje daß ick — gleichsam wie bisher kür meine Mutter — Tie Eckule verwesen werte, daß ich, unter die cn blnistäNden, mit diesem Gebalte, mick aber schämen würde, als Lehrer cn V. zu gelten, und daß ich also jedes Versprechens und jeder Verbindlichkeit mick entledigt erkläre, vollstäidig Trete Hand hätte und bei günstiger Gelegenheit abtretcn würde — mit welchem Vorschlag die hochedle Versammlung zufrieden war, in der von V. osl geäußerten Meinung, eS gefiele mir in meinem Hrimathsorte und ich bliebe doch da. (Schluß f.) , Aus Untersranken in Bayern. Das bayr. Schulblatt enthält folgende Mittheilung, die wir, weil so der Gegensatz um so mehr hervorlritt, ganz wiedergeben: .Würzburg. Die Hauptprüfung an den Schullebre^-Semtnarien zu Würzburg und Altdors pro 1365. Zur Austritts- Prüfung am k. Schullehrer-Seminar zu Würzkurg waren 35 Katholiken und 5 Israeliten zugelassen. Sämmtliche haben diese Prüfung bestanden und haben sich von den Katholiken st die 1. Note, 3 die 1.—2, 13 die ‘2., 8 die 2.—3., und 2 die 3, von den Israeliten 4 die 2. — 3. Note und 1 die 3. Note erworben. Die Austrittsprüsunz am k. Schullehrer-Seminare zu Altdors haben 6 protestantische Zö.ttin e aus Untersranken mit Erfolg lestanden und sämmtliche die Häuptnote 2 sich erworben. Sämmtliche Prüflinge wurden zum praktischen Schuldienste zugelassen." Diese Miitbeilungbedarf keincsEommentars. Mußeinesolche Sachlage nicht aufs Tiefste schmerzen? Zeigt sie uns nicht, an welchem Abgrunde wir stehen? Das sind die Errungenschaften, die wir den Bestrebungen des Rabbi Seligmann Bär Bamberger zu verdanken haben! Einst gab es eine Zeit, wo die jütischen Seminaristen die besten Zöglinge des Würzburger Seminars waren und die ersten Noten empfingen. Lzvch sind Männer aus jen n Zeit«n in un'crn Schulen. Und in canz Bayern — Land aus, Land ab witzd für das Würzburger Seminar gesammelt; werden * *) die! glänzenden Erfol,,e dieses Seminars — auck in den profanen Fäckern gerühmt; und bei der Schlußprülung sind unter den 5 Israeliten, die die Prüfung machen. 4 die die zweitletzte und 1 der die letzte Note erhält. Webe über die Zukunft unserer Eckulc! Aus der Pfalz. Sic batten einen kurzen Bericht über die Einweihung der Synagoge in Speyer; erlauben Sic mir nun nachträglich eine Notiz über eine Episode aus der Vprgeschichke . dieser Einweihung, die, so kurz sie ist, dock verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. Der Vorsitz nte des Synagogenraths, der würdige und in der ganzen Psa; geschätzte Herr Karl David, batte die Spitzen der Behörden zur Feier periönl ch eingeladen — auch den Bischof. Der Herr Bischof erwiderte aus die Einladung: .Ich freue mich über die Vollendung der Synagoge, obwohl ick glaube und host'e, daß bald die Zeit kommen werte, wo auch die Juden in den Sckooß der allein selcgmachenden kath. K rede eingehen werde." Herr Karl Tavid erlridkrte: „Herr Blscbos! Ueber dem Eingang;u unsercr Synagoge haben wir nach alter Sitte einen bebrä schen Spruch angebracht aus den Propheten und tcr lautet: N-p’ nt'Er H'2 'N'2 ’3 denn mein Haus soll ein Betbaus genannt werd n für alle Völker. Dieses Gotleswort, älter selbst als Ihre Kirche, gibt mir die Ueberzeug.ung, daß Sie eber zu uns kommen, als wir zu Ihnen" — und empfahl sich. — Sämmtliche hohe Civil-, Militär- und städtische Behörden er-, schienenbei der Feier — der Bsicbos kam nicht. *) Ter Herr Eorrelpondent vergißt uns zu sagen, ob dies auch wirklich Zöglinge dev Bambergcr'schen Seminars sind, oder ob sie im kalhol. Seminar waren. Es wäre uns imercsiant, das zu wissen. Tenn wenn uns auch der ganze Geist, der in jener Anstalt herrscht, innerlich zuwider ist, so müsien wir doch glauben, daß etwas Tüchtiges im profanen und religiösen Wissen da geleistet wird, wo Ludwig! Stern wirkt, dessen pädagogischem Wissen wir auch jetzt noch unsere Achtung nicht versagen können. Dabei wirv doch jedenfalls auch im Hebräischen Tüchtiges geleistet, und bei dem Geiste, indem die bayrischen Seminare geleitet werden, müßte dies doch auch Einfluß auf die Hauptnote haben. Wie gesagt, die Sache ist uns unklar; wir würden es nicht geglaubt haben, wenn der Artikel der bayr. Schulzcitung uns nicht gedruckt vorläge. (Red.) che.antwortlicyer Acdacteur: I. Älingenstein in Lder»heim in Rheinhefsen; Selbstverlag der Rcdaction. Für den Buchhandel: in Gotrmtfncn bei Calor keiner m Leipzig. — Tampf-Lchnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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