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Der israelitische Lehrer · 1866-08-02 · 31 (2.8.1866) · p. Seite 129

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
31 (2.8.1866)
Date
1866-08-02
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
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129 den zweistimmig gesungen, „einzelne Verse auch im Chore kräftig und eindringlich gesprochen, so daß man sieht, wie der Inhalt die Knaben erg'iffen hat." — »Von Zeit zu Zeit muß aber doch auch wieder auf das Lesestück gesehen werden, deswegen thut der Lehrer hier und da Fragen nach dem Sinne." Diesterweg sagt darüber weiter: Ich breche ah, cs ist mir sehr sauer geworden, diese geographische Lection zu beschreiben; aber ich mußte, um dem Leser zu zeigen, wie das beliebte Anschließen und Anknüpfen an das Lesebuch als Centrum für den ganzen realen Lehrstoff gehandhabt wird. Wäre es ohne ein Exempel, klar vor Augen gestellt, zu glauben? Und das soll eine Musterlection sein, welche eine Schule vorführt, „wie sie seinioll^, ein Ausdruck , in dem bloß das Wörtlein »nicht" fehlt. Denn muß nicht ein solches — kann man es „Lehren" nennen — ein solches Durcheinander in den Köpfen der Kinder eine Confusion, eine Zerstreutheit erzeugen, die aas den flüchtigen Kindern durch Einheit des Stoffs und strenge Behandlung desielben zu verdrängen eine der ersten Rücksichten des erziehenden Unterrichts ist? Darf man erwarten, daß, wie an andern Stellen des Blattes behauptet wird, diese Lehrweise die Einheit der Bildung und die Selbstständigkeit im Wiffen und Können erzeuge? Ich weiß darauf - nichts Anderes zu sagen, als: es ist unglaublich -4dieses,! Gott sei bei uns, vermaledeite Anknüpfen und Anschließen j geschieht in dein Grade, daß der Gegenstand, um den es j sich handelt, ganz aus tun Augen verloren wird, selbst ab- I gesehen davon, daß durch die eingemiichte Singrrei und die sentimentale Salbaderei eine Mischung, vielleicht mitunter eine Stimmung in den Kindern entstehen muß, welche an Jahrmarkt und Fastuachtsspäße erinnert.. Wozu ist die Phantasie der Kinder nicht fähig, eine 'o an- und aufgeregte Phantasie? Da alles m t allem, selbst das Heterogenste, wenn auch durch hundert Vermittlungen, m:t einander in Verbindung steht, so kann der Lehrer mit den Kindern gleich Faust von dem Himmel durch die Welt zur Hölle fahren. Abex frommt das? Verträgt es sich mit dem Ernst des Erziehers, mit der Würde der Lehrstcffe? Ver- 4 langt w'cht jedes richtige und genaue Erkennen, daß man bei der Stange bleibe? Jenes Verfahren ist ein Lei'piel von der beliebten ,.Concentrütion". - Heißt „concentriren" etwa zerstreuen und verflüchtigen, ober versteht man darunter Sammlung der Ausmeiksamklit und Verstärkung der Denkkrast? Sagt doch Hr. Seminardirector Schorn in einem folgenden Aussätze über die „Einheit im Unterrichte", daß die Einheit, und Concentration nicht da sei, .wo der Lehrer in Luftsprüngen oder wunderlichem Querfeldeinlaufen alles mit allem zu vereinigen suche." (Forts, folgt.) Wochenbericht. Aus Bayern*). Sie haben für die jüdische Stute schon so bedeutendes und Erhebendegeleistet. Schon die Gründung *) Es ist selbstverständlich, daß wir die Verantwortung für diese, übrigens aus sehr geschätzter, wahrhaft braver Quelle kommenden Mittheimngm dem Verfasser überlasten muffen. Doch gebm, wie auch der Herr Korrespondent richtig bemerkt, diese praktischen und drastischen Darstellungm das klarste und richtigste Bild unserer Verhältnisse. (Red.) , dieses Blatte- und noch vielmehr des Vereins, war rin Schritt zum Bessern , so daß ich es wagen darf, Ihnen hiermit einige wahrheitsgetreue Schilderungen aus dem Leben eines bayrischen Religionslehrers zu bringen, damit Sie und die Leser die Lage und Stellung derselben erkennen wollen. In meinem Vorigen theilte ich Ihnen mit, daß mein Vater ReligionSlehrer in meiner Heimatbsgem.inde war, und vor »/« Jahren gestorben ist, eine arme Wittwe mit 5, darunter 2 noch unmündigen Stiefkindern — also Doppelwaisen — hinterlassend. Die kleine Gemeinde Ä. zählt gerade nicht zu den wohlhabendsten, gilt dem Lehrer aber auch nur ein Gebalt von 150 fl. — vor dem Iahce lX'il nur Ist" sti Firum nebst 50 fl. garantirten Accidenncn, die.vielleicht >--o'il.> Geschenke in Geld und 'Ra uralien natürlich eingcrechn t, ergeben können»— al>o ein sassionsmäßiges Geholt von Li«» fl. — das garantwte Minimum und das gewöhnliche Marimum der bayerischen Religionslehrer. Mein Vater wirkte 27 Jahre lanz in V. Berufsanstrenguna, Rahrungssorgen und von einzelnen Gemeindeeliedern 2 Jahre vor keinem Ableben ihm noch m reichlichem Maße bereitete Unannebmlichkeiten warfen ibn anf's Krankenbett, des er, aber fortwährend kränkelnd, nach «! Wochen vcrlasten konnte; er nabm einen Präpa-anden als Gehilfen a», der 40 fl., Kost und Logis von ihm erdielt In anderen Gemeinden kommen mitunter doch auch edle Züge gegen kranke Lebrer oder nach feinem Tode gegen dessen Hinlerlanenen vor; B. machte weder dem kranken Learer noch der trostlown W ttwc durch irgend eine Unterstützung eine freundliche Stunde; im Gegcntbeil, man tbat dem schwachen, kranken Greise weh durch versteckte oder offene Borwürfe, daß man ihn um onst zahle, obwohl der Unterricht wach wie vor gut war, und sogleich nach dem Tode ihres Lehrers hatte die Gemeinde nichts Eiligeres zu tcun, als den zum Salair des Ichullehrlinrsbew lligten monatlichen Beitrag von einem Gulden io kr/— macht per Familie wöckenttich ca. 1', kr. — aus dem Hebzettel -u streichen und der Wi.twe den Betrag für die Br ttcr zum Sarge — welche die Gemeinde in Parthien ankauft und vorrätbig bat — abzufordern!! Rach dieser Handlunesweiw wird cs Sie wohl Wundern, wenn ich Ihnen mitthe le, daß B. der Wittwe die 150 fl. aus ein Jahr, bis zu meinem Seminararstr.lt, gegen Annahme eines Präparanden beließ, dem meine Mutter außer Kost und Logis etil st abgeben mußte — bleitt wie viel für die Familie? Jbr Staunen o'j dieses Edelmutbs wird aber bedeutend näch-- lassen, wenn ich Ihnen weiter bemerke, daß ke n Candidat für die zur allgemeinen Bewerbung schon ausgeschriebene Stelle sich gemeldet hatte, baß Bal'o froh 'ein mußte, einen Schullehrling, gleichviel ob bei meiner Mittler ober alleinstehend, als Lehrer zu erhalt n. Während meiner.Ferien hatte man intmer ireuadlich mit mir gcthan, mir Versprechungen aas Erhöhung des Gehaltes gemacht, wenn ich aynchmen würde, dabei aber auch ein kleines Anrecht auf die Erfüllung ibrcr Hoffnungen durchb'.icken lassen. Trotz alldem wollte ich unter möglichst mäßigen, aber doch - etwas zeitgemäßeren Ansprüchen, zur vorläufigen Ersparung der Umzuzskosten, die Stelle auf 1 Jabr oder länger annebmen. Ich trat in Unterhandlung mit einer Gemeinde, deren Stelle 300 fl. Firum trug; da ich aber vor Abschluß des Vertrag s von meiner Heimathgemcinde die schriftliche Mitteilung erhielt, daß sie 250 st. (— 200 fl. F>r und 50 fl. garantirte Accidenzien, allo 50 fl. Erhöhung —) ein benachbartes, hinzukommendes Filial 100 fl. mir gäben, brach ich jede weitere Unterhandlung akr und kam nach vollendeten Seminiarjabren nach Hause. Und nun kömmt ein neuer Beitrag zur Charakteristik so vieler Landgemeinden, die in dem Lehrer wirklich nur ein, besonders auf dem Lande, „notwendiges^ Uebel erblicken! Wahrlich. die V.rhältn sse des Lehrers sind in unserem vorgeschrittenen Zeitalter allerVorstellungen und allesSchreitens ungeachtet nicht lich- 1

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