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Der israelitische Lehrer · 1866-07-26 · 30 (26.7.1866) · p. Seite 125

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
30 (26.7.1866)
Date
1866-07-26
Page
Seite 125 (sequence 3)
Language
German
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^77 125 rechtigkeit. Im Gegenkheill man erttärt in unsrer Zeit von " den Thronen herab noch ganz deutlich, daß daS Recht nar flclte, wo die Macht und Gewalt sei, und derjenige nur Recht habe, welcher die Macht und Gewalt in Händen habe, Macht also vor Recht gehe und über dem Recht stehe. DaS heißt eben ganz nach alter heidnischer Weise, noch immer jben Despotismus, die Willkür und die Laune der Herrscher I auf den Thron erheben und Gewalt üben, wie iu dm altm j Tagen des „gewaltigen Rimrod" (Gen. 10, 9). Aber nach den Grundsätzen unsrer Religion gmügt es noch nicht einmal, bloS die Gerechtigkeit herrschen zu lassen, sondern die Liebe, also daS volle Gesetz Gottes. Den Königen ist aufgegeben, daS Gesetz Gottes im Hause und stets i vor Augen zu haben, um danach zu leben und zu regieren. König David mußte eS sich gefallen lasten, vom Prophet Nathan die Mahnungm der göttlichen Religion anzunehmen und die Wahrheit zu hören auch aus dem Munde eines Volksmannes. So sprach auch in Israel der Richter das Recht nicht im Namen des Königs, eines Menschen, der sich irren, und besten Gesetz von Leidenschaft und Gewalt dictut sein konnte, .sondern im Namen Gottes, besten Gesetz Gerechtigkeit und Liebe ist, und führte davon den Namen ll'.idx, - weil der Richter gleichsam Stellvertreter. Gottes ist, besten Gesetz er auszulegen und zur Herrschaft zu bringen hat, — zur Vermeidung von Unrecht und Gewalt. Und daher kommt es eben bei den Völkern noch zum Kriege, weil Gewalt, und nicht immer Wahrheit undR.-cht zur Geltung kommen. Da erheben Wahrheit und Recht vergeblich ihre Stimme, die Grundsätze der Religion, die Verbote von Raub und Mord, von Gewalt ^nd Ungerechtigkeit, von Rohheit und Unsittlichkeit, welche ^sonst gepredigt werden; werden überhört und nicht geachtet, ja int Kriege geradezu verlacht ur.b außer Kraft gesetzt,— nur Gewalt und Brutalität kommen zur Herrschaft, Raub und Mord gelten als Tugend. So bedingt es das Kriegs recht, so will es die Kriegssitte. Und da will man sagen: Gott habe den Krieg gesandt Sr Besterung, zur Veredelung und Versittlichung der Menen, zur Strafe, wqil vordem sie seiner Stimme kein Gehör gegeben? Ich wiederhole: nur B.-rdlendung und Heuchelei, nur Wahn und Betrug können so reden. Wir erkennen vielmehr, daß der Krieg kein Mitte! sein kann zur Hebung und Erziehung des Menschengeschlechts. Im Gegenkheill die Menschen verfallen durch den Krieg in immer tiefere Rohheit und Unsittlichkeit, und werden von der Zeit, wo Erkenntniß und Bildung, die Erkenntniß von Gott und seinen Gesetzen der Gerechtigkeit und Liebe, der Menschlichkeit und Friedfertigkeit den Erdboden bedeckt, wie Wasser den Meeresboden (Jes. 11, 9), immer weiter entfernt. Wir erkennen aber auch, daß wir noch lange zu warten, zu streben und zu kämpfen haben werben, bis zur Zeit der Vollendung wo die ganze Welt ein Haus des Friedens und die ganze Menschheit eine Familie sein wird, in der Gott Aller Vater und die Menschen alle Brüder heißen. O das Leben ist die Schule der Völker, und wir sehen: sie haben noch lange, noch'viel zu lernen! Beten wir darum, daß auch die gegenwärtigen Kriegsereigniste nicht erfolglos vorübergehen, daß die Menschen dadurch reicher an Erfahrungen, friedlicher in ihren Gesinnungen, religiöser und gottesfürchtigec in ihrem Denken und Reden gerechter und liebevoller in ihrem Thun und Handeln werten. Beten wir: yo' 'n y> loy1? ly 'n diVeq ioy nx (Ps. 29, 11) „daß Gott Sieg gebe seinem Volke, dem, wofür wir streben, daß er sein Volk — und die Wett segne — durch Frieden." Amen I Odernheim. noL vor: 4. Iah ochenbericht. Schulprogramme. (Schluß.) Uns liegt es bericht über die jüdische Gemeinde-Schule zu Thorn vom Rabbiner vr. M. Rahmer daselbst. Wir haben diese Schule auch Sie ist fortz Elementar- und reicht nur bis in im r origen Jahre de prochen. schritten, in ihrer Entwicklung, und zählt 48 142 Rclig onsschüler. Die Elementarschule die Mittelklasse, von wo die Echülw gewöhnlich in die öffentlichen städtischen Schul-Anstalten (R alschnle, Gymnasium und beziehungsweise Töchterschule) eintreteu, zu welchem E ntr.tt sie al o hier vorberei'et un) befähigt werden. Die Schüler dieser höheren Schulanstalten besuchen jedoch fortwährend die mit der Elementarsch» e ver undene und in diesem Fache deren Aufgabe sort>ehende Religionsschule, wo die Knaben in wöchentlich 7—8 und die Mädchen in wöchentlich 5 Stunden von 4 Lehrern einschließlich Herrn Dr. Rabiner, als Rabbiner und Direktor bei Anstalt in den versch ebenen jüdischen Religionsjächern (He »ratsch, bibl. und nachbidl Geschichte, Religion) unterrichtet werd> n. Der Plan und die Einrichtung der Anstalt ist gut und der gestellten Ausgabe entsprechend. Wir finden die Einr chtunz eine, Elementarschule für die jüngsten Schüler und das Daranknüpstn einer Religionsschule ganz zweckmäßig für mittelgroße Gemeinden, die ihre Schüler zumeist an höhere Anstalten abgeben, sobald d> Kinder das 10—4t. Lebensjahr erreicht haben. Gerade in den ersten Schuljahren bedarf der Unterricht und Pie Erziehung einer einheitlichen Leitung, und die Trennung des ReliaionSunteriichts von dem anderweitigen Elementar-Schutunterricht ist ein großer M-ßstand. In den höheren Schulklqsfen aber tritt das Bedürkniß strengen Klaffen» Unterrichts weniger hervor, der Unterricht wird m hr Fachunterricht und das Trennen des religiösen Faches von den übrige» ist nicht mehr zu umgehen, weil nur verschiedene vereinzelte Kräfie in diesem A tcr Genüg ndcs zu leisten vermögen. Die S hule zu Thorn hatte im Jahre 1862 mit 21 Elementar- und 8fr Religions chülern begonnen und zählt jetzt 48 Elementar« und 142 Reli sions'chüler, ist also fast um das Doppelte gewachsen; es sind im Ganzen während der vier Jahre 97 Elementar- und 224 Relig'onSichüler (>06 Knaben und 118 Mädchen) an der Schule unterrichtet worden. Der Unte-richtsplan ist gut, und die Leistungen sind zweckentsprechend. Wir wünsche» daher dieser Schule zu Thorn gesegneten Fortschritt und — Nachahmung. I Wir sind, hiermit an den Schluß unserer Betrachtungen angekommen, und uns liegt nur noch ob, einige praktische Folgerungen auS dem Bilde der Schulen zu ziehen. lui wir unfern Lesern vorführten. Es unterliegt keinem Zweifel — unter allen die'en Lehranstalten ist es ganz besonders die Berliner, die nach uwerer Anschauung ibrer Ausgabe ganz und voll genügt, und eine große bedeutsame Zukunft hat, di« sich insbesondere auch durch die Verbindung mit einem Seminare, durch die Sorge für die Lehrerbild umßmanifestirt. Wir wollen und können da- Verdienst der arderen^für die Anstalten wirkenden Kräfte sicher nicht unterschätzen, aber die rege und energische Thätigkeit eines ve. Veit für die jüdische Schule ist uns von besonderer Bedeutung, und die aufopferungsvolle Hingebung eines sicherlich im Leben »nb in der Gesellschaft hochstehenden, unserer Zeit angchörigen

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