Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 29 (19.7.1866)
- Date
- 1866-07-19
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— iai. — Die Literaten *) sind in der Regel die Verderber der Seminarien, > die praktischen Lehrer sind die Hauptlehrer." (Sä ist natürlich, vaß in einer Zeit der Reaktion und der Coiruption wie die unsrige eine solche geistige HerkuleSgestalt vielfach anstoßen mußte; sie konnten ihn biegen, nicht brechen! „Ich muß, ich kann nicht anders." Welche Mittel Hal en seine mächtigen Gegner, die Satelliten der Gewalt, die Vertreter der pogmatsich-absolutistischen, mit einem Worte I der reaktionären Richtung angewendet. um seinen Muth zu brechen, seine Wirksamkeit zu lähmen I Sie haben viel verdorben, was er gut gemacht hatte; sie haben der Schuld und den Lehrern ein Halt zugerufen, sie haben den Wagen, den er vorwärts zu schieben suchte, rückwärts geschoben; sie haben eine giftige Drachensaat gestreut, die jetzt in fürchterlichster Weise aufgeht — denn der Rückschritt in 'der Schule ist der Rückschritt ver Entwicklung und Nildung; und die innere Schwäche soll durch äußere Gewaltmittel pttralifirt: roerbcn. Er ist heimgegangen in einer Zeit, die sein edles Herz aufs Tiefste erschüttern mußte — vielleicht ist diese Erschüttrung mit Schuld an seinem unerwartet schnell hereingebrochenen Tode; — aber er ist sich gleich geblieben; die letzten Worte noch, die er im 3. Hefte der rheinischen Blätter geschrieben, athmen den alten, ewig-jüngen Geist, der zu allen Zeiten in seinen Schriften, in seinen Flammenworten wehte. Und sein Wi>ken war nicht vergeblich. Die - Zeit, wo alles das, was er erstrebte, zur Wahrheit werden wird, wird kommen, so gewiß, als die -Lonne nicht stille steht, in ihrem ewigen Laufe. Wir sind nicht im Stande, uns in der Zeichnung dieser Heldengestalt genug m thun. Wer verniöchte dies bei einem solchen Manne? Auch ist der Verlust noch zu neu, um ihn gehörig würdigen zu können. Rech weniger können wir ein Erschöpfendes Bild eines so überreichen Lebens geben. Aber für uns gibt es noch einen Maßstab, den wir anlegen, indem wir das Bild eines nichtjüdischcn Mannes von fo Hervorragender Bedeutung zeichnen. Es ist dies ein richtiger Maßstab für wahrhafte Geistesgröße überhaupt. Wir können uns nicht versagen, auch diesen Maßstab anzulegen. Wie verhielt sich Diesterweg zu den Juden, zum Judenthume? Es ist eigenthümlich, daß die Juden mindestens einen äußeren Grund mit abgeben, und den Feinden Dieste-wegs eine Handhabe boten, gegen deivelben emzu'chreiten. Sein erster Vorgesetzter in Berlin, Schulrath Otto Schulz — welche Verkehrtheit; ein Schulz Vorgesetzter Die- 'fterwegs! — sah di e Juden ungern in dem Seminar. Diesterweg dagegen nahm sie gern als Gäste auf. Rur so konnten sie zugelasien werden, eigentliche Zöglinge könnten sie nicht werden/ Er sagt darüber:**) „Wirtadeln die Juden wegen ihres Mangels an Bildung und — verschmähen die Mittel zur Bildung ihrer Kinder, indem wir die Bildung der jüdischen Lehrer verabsäumen. Um diesem großen Gebrechen zu steuern, sah ich jüdische' Jünglinge *) Man vergleiche hiermit unsere jüdischen Lehrerbildungsanstalten. Aber die Hedrcn, selbst „Literaten", werden sich das nicht sagen lassen. Sie werden sagen: „Djesterweg, auch so ein Elementargeist! das verstehen wir besser." .Ander Bescheidenheit erkennt man den Meister.". **) Wie es mir erging, Jahrbuch 1851, S. 60. gern in dem Seminar. T azu kam, jdaß ich durch sie meine christlichen durch die Ortkodoxie oft verschrobenen-Zöglinge praktisch Toleranz und Menschenachtung lehrte. Natürlich behandelte ich Alle gleich. Dadurch lernten sie sehr Wichtiges, und zwar durch Arideres als durch Worte." Am 10. Juli 18-45 mpfing Diesterweg ein Schreiben — Verwarnung — vom , königl. Schulcollegium, worin ihm unter Anderem der Vorwurf gemacht wurde, daß er bei einem Festmahle zur Feiei seiner 25jährigen Dienstzeit .Ansichten über die confessivnellen Verhältnisse der Seminare reip. die Zulasiung jüdischer Zöglinge zu dem hiesigen (Berliner) Seminar für Sladt'chullehrqr öffentlich ausgesprochen haben soll rc." *) I j Diesterweg e^wiedevte. hieraus: „Bei Gelegenheit eines Dankes, der von Seiten des jüdischen Lehrers Engelmann ausgesprochen wurde, äußerte ich meine Freude. Gelegenheit gehabt zil haben, auch zur Bildung jüdischer Lahrer beizntragen, was ich überall, wes Volks und Glaubens auch die Gebildeten seien, für etwas verdienstliches ernennen mußte. Der erste Ausdruck, „Volks" bezog sich auj Ungarns die am Morgen bei mir gewesen waren., der andere „Glaubens , bezog sich auf die Juden, >für die etwas thun zu können, mir», wie das Einem Hochl. Kol/legio bekannt ist, stets Freude gemacht hat." / So hat Diesterweg stets j zu Gunsten der Juden gesprochen und gehandelt Wir Erinnern noch an seine Worte gelegentlich der Verhandlungen über die Anstellung Jutrosinskys in Polen, wo besonders eine Slejte im Jahrbuch (18t>3) in mehreren jüdischest Zeitschriften Abdruck fand; wir erinnern an seinen uns in Betreff des Vereins zugegangenen Brief, an seine Recension der Achawa (Nr. 15 d. i Bl. Anmerkung). Und in dieser Beziehung sagt er auch noch i im letzten — ach wohl, dem letzten — Hefte der rheinischen l Blätter wiede holt: „lieber j die beiden The sie des Jahrbuchs, welche sehr lehrreiche^ sehr intereffante Aufsätze enthalten, habe ich bereits im vorigen Hefte Bericht abgestattet. Aus den Mittheilnngen ergeht man mit. hoher Befriedigung, was sich durch Thätigkeit und Energie schaffen läßt. Die Einnahme betrug im zweiten Lebensjahr des Vereins 3024, die Ausgabe 1584 fl. rhein. u. f." Das Andenken des Gerechten ist zum Segen; Diesterweg gehörte zu den y"h"x bv ri’TDro □■san (Waisen und Edlen unter nichtjüdische i Völkern)! und darum rufen nur, wie wenn ein Freünd uns l eimgeganaen, nssn i"i 'na. (Hort und Richter der Wahrheit, Deisi Name werde gepriesen immerdar!) Die jüdiscje Lehrerwelt theilt unfern und aller strebenden Genoffen tiefen und gerechten Schmerz, und weiht dem Dahmgeichie lenen Thränen dankbarer Erinnerung. Man hat dm schriftstellerischen Arbeiten Diesterweg's oit Schärfe, Pb nlosigkeit, Wiederholung rc. vorgcworfen. Vielleicht mit Reht. Äber kein Schriftsteller verstand es wie er, durch die Kraft seines Wortes die Gemüther, insbesondere des denkend« n Lehrer's dauernd zu erregen. Man sieht eS den Arbeiten an; hier ist Währheit. So ist der Mann, wie er schreibt. Er sagt darüber einmal selbst: „Man hat meiner Art zu schreiben.... Mangel aU Ordnung, Wiederholungen und *) Ebendaselbst S. 72.