Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 29 (19.7.1866)
- Date
- 1866-07-19
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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122 dergl. vorgeworfen. Ich muß sagen, nicht ohne Berechtigung. Ich kann das aber nicht ändern,' und wenn ich es könnte, so will ich es nicht. Ich. schreibe nicht süc die Ewigkeit, sondern für die Zeit." „Ich spreche zu den Lesern und denke mir, daß fie während des Lesens antworten." „Solche Schriften sind unter denjenigen, die ich zur Gedankenerregung lese, mir die liebsten. Indem ich ein solches Buch in die Hand nehme, steht der Verfasser leibhastig vor meinen Auien." „Ich schwöre auf keines Menschen Worte, kenne keine Autorität; will daher auch für Keinen eine Autorität sein." Diesterweg war der würdigste, bedeutendste und klarste. Vertreter der freien, fortschrittlichen Richtung der deutschen' Volksschule der Gegenwart; Er war ein echter Pädagoge ^von Gottes Gnaden". Umsonst schweift unser Blick 1 über alle Gauen des deutschen Landes' hin. Da ist Keiner — so viel große und edle Lehrer wir da auch finden mögen, — der ihn ersetzen, seine Stelle ganz ausfüllen könnte. Da ist Keiner, der von den Feinden des Lichts so tief und gründlich gehaßt wird, .Keiner, der so geliebt und verehrt worden von denjenigen, welche-in dieser Zeit der Heuchelei, der Corruvtion, des Abfalls'noch etwas haüen auf Treue, Glauben, Wahrhaftigkeit und Charakterfestigkeit. Sein Andenken mahne die Schwachköpfe^ sowie die, die noch „eine Leh: erseele im Leibe haben * die Halben, die Nachgiebigen, mit einem Worte die deutsche Lehrerwelt, für die er gelitten und geduldet, — denn was für einen Mann seines Gleichen die Entfernung vom „lebendigen Berufe" war, läßt fich kaum begreifen, nicht darstellen — auszuharren — „Wenn Alle untreu werden, so bleiben wir doch treu, Daß immer noch auf Erden für Euch ein Fähnlein sei." Er war selbst, was er in heiliger Stunde (1859) von Schiller sagte: „Ein Mann, der die höchsten Eigenschaften des Deutsche«: GemüthStikfe, Idealität, Streben nach allemmenschlich Großen und Erhabenen in fich zur Vollendung gebracht hatte; ein Mann, der sein ganzes Leben hindurch den Kampf für Geistesfreiheit und Ausbreitung der Humanität kämpfte; ein Mann, der in dem Fleiß und der Beharrlichkeit seine» StrrbenS, wie in der Reinh it seine» sittlichen Eharaktcr» als Vorbild asten strebenden und edlen Mensche« Vorsicht," „rin ganzer Mensch, ein Mann, ein erhabner Eharakter. Tic» letztere will mehr als Alle» Andere sagen; es verleiht dem Großen und Schönen, da» er gedacht und dargrstellt, die Würde und Weihe und stempelt ihn im umfassendsten Sinne de» Wortes zum Vorbild »nd Erzieher seineL Volke», zu einem Pädagogen, wie »ar und nach ihm kaum rin Zweiter auf deutscher Erde gewirkt hat." —Kein Wunder, daß ihn darum die deutschen Lehrer tm Herzen tragen werden, so lange es deutsche Lehrer gibt: Sein Andenken bleibe unter unS zum Segen! Wochenbericht." AuS Rheinheffen. 10 Juli. In der „Hess Landesztg." vom 8 Juli wird die Panik und Flucht der Frankfurter mit dem hämischen Zusätze geschildert: „Freilich sind es meist Leute von der Classe, die überall eine Heimat g finden, weil sie kein Vaterland ha"en." Wir w fsen nicht mit Bestimmtheit, ob damit auf Juden hingedrutet w>rd. Eventuell könnten wir fragen: „Vermag der Jude überall unter den Dcutsckcn ein Vaterland zu gewinnen, wenn sie ihm ein solches unter sich nicht geben, sondern noch immer Palästina a's kas seinige nennen?" Ob auch in der Thal kein Jude an seinem deutschen Vaterl-nde zu zweifeln anfangen könnte — bei Erinnerung an all die verschiedenen in jüngster Zeit wird r begonnenen Judenverfolgungen? Ob ihnen aber d «noch licbt mehr oder doch ein gleicher Patriotismus inwobnt? Um karü'-er zu entscheiden, bittet man den Umfang und den Werth der aus jüdi'cken Herzen und jüdischen Händen jüngst für die verwundeten Krie. er empfangenen Gaben und Beiträge zu vergleichen. In jetziger Zeit indeß, wo jüdische Krieger mit auf den Schlachtfeldern verbluten, und deutsche Einigkeit meh: Noth tbut, al« je —, sollten Correspondenten und Redaktionen Bedenken tragen, in solcher We se den Samen politischer Zwietracht und rel giösen Hasses zu streuen. Anzeigen. Verein M Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen in Deutschland. Spenden: Herr Hosagent Salomon Jacob Kaulla in Stuttgart 5 fl. (jährlich ) Gesammtsumme 1300 fl 35 kr. Jahrbücher: Lehmann in Kreuznach 2 fl. 42 fr.; Wassermann in Mühringcn 1 st.- 45 kr; Wa dbott in Oberlustadt 7 fl. 30 kr.; Krämer itz Altenr.ubr 30 fl. ü fr.; Ko:chland in Auerlach 15fl. 48 kr.; Nathan in Gernsheim 8 fl. 33 kr. — Zusammen 1)6fl. 29 kr. Gesammtsumme 1052 fl. 35 kr. Mitgliederbeiträge: Rabbiner Lebrecht in Niederwcrren, 150. Lehmann in 151 Waldbott in Oberlustadt, 152. Wild.erg in Zeitlois, 153. Koschland in Auerbach, 154 Rarbag n Gernsheim. Der Geschäftsführer des Bereins: I. Klingenstein. 149 Kren nach J a c a n z. In der isr. Neligionsgemeinde zu Heldenbergen ist bis znm 1. September l. I. die Stelle des Religionslehrers und Vorbeters, welcher zu leich den Elementarunterricht zu eitheilen hat, erledigt. Mit der Stelle ist ein Einkommen von 350 fl. baar, 25 fl' Wohnungs- und Heizungsvergütung und außerdem circa 300 fl. Acciöenzien für Versehung decs Schächterdienstes verbunden. Concurrenzfähige Bewerber wollen fich bet dem Vorstand-der isr. Gemeinde Heldenberzen im Kreis Vilbel anmeldcn. Simon B. Oppenheimer, Vorsteher. Le: amwoilliüier Redacleur: I. Ülngen stein in Lderuheim in Rheinhest Commission bei Csfar Seiner in Lei:zig. — Tampf-Lchnellpi äSc end elbstverlag der Redaction. Für den Buchhandel: in endruck von I. Gott sieben in Mai»;.