Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1866-07-05 · 27 (5.7.1866) · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
27 (5.7.1866)
Date
1866-07-05
Page
Seite 113 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4896751-5428724-5431626--1399-4897900
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

( 113 gleich sei — sowohl in Wesen als auch in der Form für den gut Beanlagteu und für den, der zu Hause und in gebildeter Umgebung brauchbare Anschauungen gewonnen, besinn Denlkraft den Windeln entwachsen ist rc.»mit dem,, dem alle diese Vortheile abgehen. Vielmehr muß der Unterricht entsprechen den subjektiven Anlagen und Kräften, den bereits erlangten Erkenntnissen der gesammten Subjektivität. Dem Einen Milch, dem Andern feste Speise. — Diese Regel stützt sich auf die vorgehende. Es wäre unnatürlich, vom Einen dasselbe zu verlangen wie vom Indern; es ist aber auch unnatürlich, blos den Unterrichtsgegenstand im Auge zu haben, und alsdann in den Jahren der Anschauung in derselben Form unterrichten zu wollen, als in den Jahren der bereits erlangten Verstandesbildungen. (Fortsetzung folgt.) Recension. Erzählungen und Belehrungen aus den heiligen Schriften der Israeliten, nebst einem Anhänge: Begebenheiten in den Tagen Mathitjahus und seiner Söhne. Dargestellt für die reifere israelitische Jugend von B. H. Flehinger, Bezirksrabdiner in Merchingen, dritte verbesserte Auflage. Frankfurt a. M. Jäger','che Buch-, Papier- und Landkartenhandlung 1865 Die kleinere bibl. Geschichte Flehingers gehört wohl zu den verbreitetsten Büchern in der jüdischen Schule und das ist ein Beweis ihrer Trefflichkeit. Auch die uns hier vorliegende gröbere bibl. Geschichte gehört rn ihrer Art zu den besten und vorzüglichsten Schriften und wir freuen uns, daß es ihr gelungen ist, die dritte Auflage zu ellehen. Wir hätten jedoch von dem geschätzten Herrn Verfaffer eine Vorrede gewünscht, die uns über die Art der Verwendung dieses Buches in der Schule Auskunft gegeben hätte. Lehrerfreund lach ist es'mcht, das zu Unterlasten. Wir benützen solche Schriften gern; aber wer für die Schule schreibt, muß Plan und System befolgen und diese — Absicht und Tendenz des Buches — klar werden lassen. Uns ist allerdings nicht einmal klar, ob dies Buch nur für die Schule geschrieben ist? Es ist eine biblisches Lesebuch, durch seine Form, durch seine Sprache mehr auf Erbauung als auf Belehrung berechnet. Und doch ist es auch wieder ein Lehrbuch, das den Schüler einführt in alle die Begebenheiten, die aus der biblischen Zeit wichtig sind und das durch seine warme Sprache — die freit ch 'ehr oft von dem ruhigen, einfachen Texte abweicht in Ton und Haltung — anzieht und den Geschmack läutert. .. Noch haben sich die Ansichten über diesen Zweig des jüdischen Schulunterrichts nicht geklärt. W o l l e n wir ein biblisches Lehr- und Lesebuch für die höheren Klaffen, ziehen wir nicht vor, nur in den niederen Klaffen einen kürzeren Auszug zu geben, während wir in den höheren Klaffen entweder selbst erzählen oder — die Bibel selbst dem Kinde in die Hand geben? Fürchten wir von der Sprache der Bibel für das kindliche Anstands- und Sittlichkeitsgefühl, so ist allerdings keine andere ähnliche Schrift dieser gleich zu stellen. Sie ist insbesondere ausgezeichnet auch noch dadurch, daß sie in fast allen Büchern der Bibel mindestens Einiges findet, was für den Schüler taugt, und so die ganze Bibel dem Kinde nahe bringt. Wir erlauben uns nur einige Bemerkungen, Lücken, die der geschätzte Herr Verfaffer bei einen künftigen Auflage — der auch eine Vorrede voraus-; geschickt werde möchte — vielleicht berücksichtigt. Warum die ivp 'in (12 kleine Propheten), entgegen der feststehenden Ordnung in der Bibel, vor den -größeren Propheten stehen, vermögen wir nicht abzusehen. Uns scheint nicht einmal ausgemacht, daß irgend einer derselben vor gelebt habe. Und gehen auch manche dem Jermijahu und Jecheskiet historisch voraus, so lebten doch auch andere wieder später, ur.d sind an Bedeutung jedenfalls den größeren Provheten weit nachzusetzen. Warum nicht Maleachi berücksichtigt worden? Deffen letztes Kapitel wiegt doch Oivp weit auf, und scheint uns eine wahre Perl« biblischen Geistes und erhabener Sprache. Jonas — das Schooßkiud vieler bibl. Geschichtserzähler, doch für die Schule nicht so werthvoll, — wird hier als in den Zeiten Jerobeams gelebt aufgeführt. Biblisch erwiesen ist das nicht, wenn auch dort ein rui' genannt wird. — Die Geschichte Jermijahu'S fehlt wie in allen bibl. Geschichtsschriftcn (die neue Auflage Auerbachs *) ausgenommen). Es ist das ein ganz großer Mangel. Die Geschichte dieses Propheten ist so reich an bemerkenswerthen Zügen, ist so bedeutungsvoll, zeichnet so klar das Z italter der letzten Könige, daß mir ihr eine weit größere Bedeutung zumcffen. als mancher anderen Geschichte, die nirgends fehlt. Daß David'sche Psalmen und Salomon'sche Sprüche an der Geschichte dieser Männer angeknüpft ersch men, finden wir gut; wie aber Jiob dorthin kömmt, wissen wir wieder nicht. Ein eigenes Geschick hat diese Geschichte bei unseren Geschichtserzählern. Dr. Hecht stellt sie vor Abraham, hier steht sie nach Kohelet, das j> doch an die Geschichte Salomons angelehnt, vor L'd-2 ericheint. Da Di’« n-oj toi und nur die erhabenen Gespräche, nicht der historische Werth diesem Buche seine Bedeutung geben, so dürfte der Platz, wo-es steht, am besten der sein, den ihm die Bibel anweist. DaS sind wenige unbedeutende Bemerkungen, die jedoch der Brauchbarkeit und dem Werthe des Buches nicht schaden. Wo chenberieht. Odernbeim. Schulprogramme. (Fortsetzung, Einla« dunzsfchrift zu der offentt. Prüfung der Bürger- und Realschule der isr. Gemeinde zu Frankfurt a. Ä.) Gibt's specifisch-jüdische, und specistsch christliche Schulen in dem Sinne, wie es der geehrte Verfasser dieses Programms .aufzufassen scheint? Wir glauben, es wird mil dicskn Benennungen viel Mißbrauch getrieben. Wenn die Meister der Regulative es als ihre Aufgabe betrachten, ihren Sckulen einen mehr dogmatisch-kirchlich.consessionellen Anstrich zu geben, indem sie das Material für „religiöse Gedächtnißübungen" (!) häufen, so gibts wohl auch,,wie wir ja zur Genüge wissen, viele rechtgläubige Christen, die für die Schule und für die gründe geistige Entwicklung — und tarn t auch für die religiöse — von dieser Ueberspannung der Gedäcktnißkräfte Unheil fürchten. Um nun das Gleichze» *) Auerbachs schul- und HauSbibel bleibt leider, wegen des hohm Preises der ländlichen Volksschule unzugänglich.'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.