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Der israelitische Lehrer · 1866-07-05 · 27 (5.7.1866) · p. Seite 114

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
27 (5.7.1866)
Date
1866-07-05
Page
Seite 114 (sequence 4)
Language
German
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114 wicht der Schule wieder Herrustellen,. wird von jener Seite in jeder Weise gegen vernünftige Erziehung und naturgemäßen Unter» richt überhaupt gefrevelt, und das Waaß derealen Unterrichtsstoffes ebenso wie die formale Bildung beschränkt. Daz find di« streng christlich - conseffionellen Schulen, die Herrn Dr. S. ru meinen scheint, und die allerdings nicht Vorbilder der jüdischen Schule werden sollen noch werden können. Ist derartiges überhaupt im Judenthume möglich? Herr Dr. S. wolle es versuchen, eine ausgesprochen ortbodore Lehranstalt zu besuchen. Er wird trotz manch rlei Eitravaganzen, trotz mancheunnölhigtn und hemmenden Lehrmaterials bock auch hier das Evolutions-Princip, das Princip naturgemäßer Entwicklung herrschend sehen und finden, daß auck hier gute Methoden beim Unterricht beobachtet werden. Das JudenthuM läßt eben solche unnatürliche Verkrüppelung der Geisteskräfte nicht zu. stein jüdischer Lehrer und Schulleiter wird eine absolute Ertödtung der Vernunft anstreben uud Lebrcu über Wissenschaft und Vernunft ausstellen, wie die des Evllabus, Stahl und Stiehl. Tic „Umkehr der Wissenschaftkönnte eben unter Juden nur ein „emeßdiger Jehudiwie Neb Akiba, der wahnsinnige Verfaffer des nsy 2? (ein spcctaculöscs Wachwerk eines ungarischen Chassidaers) v.rlan.en,*) Lehren die selbst von Dr. Hildesleim» r und Dr. Lehmann aus Main; mit aller Energie bekämpft werden. Die Furcht vor einer „confeffionell jüdischen Schulein diesem Sinne ist also eine unbegründete. Wie könnten übrigens auch jüdische Elemente die profanen Gegenstände beberrschen? welche jüdische Lehren könnten etwa in die Mathematik, die Geographie, die'Orthographie und Physik rc. eindringen? ' " Doch bat diese Frage auch neck eine andere Seite — und hier allcrdin. s müssen -wir vom.pädagogischen Standpunkte aussawn: die jüdische Volksschule muß durchaus eircn jüdischen Charakter haben. _ Tie Philo cpbie mag zwischen.gJntenthum" und „Religion im Allgemeinenurterscheiten: tü^ uns, die hehrer der jüdischen Volksschule, wie für die jüdischen Vcltsschüler ist diese Tistinction zu sein, für uns fällt Religion mit Judentbum zusammen, eben'o wie für den Christen. Christenthum und Religion zu'ammenfallen. Wir unterscheiden wobl innerhalb der Religion zwischen Sitten- und Ce mön al Gebot, aber darum ist uns doch dos sittlich retigiöic Element-nur eben ein-Theil des gelammten religiö en Lebens, oder, streng genommen, sind alle Gebote der Religion auch» 'Gebote der Sittlichkeit. So sind uns bizu ein m gewissen Grade Sa ath, Festtage, religiöses Haus¬ und Familienleben Gebote der Sitilichkeit, da sie eben durch die in ibn-n liegenden religiösen Momente die Sittlichkeit und durch die sittlichen Momente das -religiöse Gemüths- und Gesammtlebcn fördern und. unterstützen Soll daher der Geist in der Schule ein still ch-reliqiöser sein, so muß er in der jüdischen Schule ein jüdisch-religsöser genannt werden. Hat auch diese Distinktion genau genommen für das Schullebcn an und^ für sich durchaus keine praktische Bedeutung, wa) wir gern zugesteben wollen, da sie im Unterrichte selbst und in der ganzen Schulleitung nickt das Mindeste ändern, so haben doch derartige Reservationen destv mebr Bedeutung für die Außenwelt, für die Anerkennung, die wir dem Judenthum als Religion schuldig find. Ter Satz „aller Unterricht in der Volksschule sei religiös- *) Tas interessante Schriftstück stellt.die zeitgemäße Behauptungen «ms: „Kan emeßdiger Zehüvi darf richtig deutsch sch breche oder schrenve und kan emeßdiger Hhüdi darf anständig, sein; der Jehudi muß es dahin bringen, daß jeder anständige Mensch vor ihm ausspuckt, wie die Legypter vor unseren Vätern und Müttern ausspuckten.- hat, wenn wir von allem Ucbcrtriebenen und Gemachten, dafich drum und dran gehängt hat, absehcn wollen, gewiß seine volle und allgemein anerkannte Berechtigung. Nun, so wollen wir denn nicht tzaS Judenthum selber in den Auren der Nichtjuden herabsetzen, indem wir es alS etwas von Religion verschiedene» darstellen, wollen vielmehr mit Nachdruck bekennen: der Unterricht in der jüdischen Volksschule ist ein religiöser, der Geist ein sittlicher. Aller und jeder Unterricht bezweckt Entwicklung des Menschlichen im Menschen, Selbstständigkeit im Dienste des Wahren, Guten und Schönen, und insofern ist der vom religiösen Geiste getragene Unterricht in der jüdischen Schule, ein jüdischer. Dik jüdische Gem indeschule kann nur dieals ihr höchste- Ziel betrachten Ist es das nickt, warum errichten und erhalten die jüdischen Gemeinden solche Lehranstalten? Die Negation des Chrifienthums allein kann doch wahrlich nicht zu solchen Opfern die Verpflichtung geben, umsomehr al- Negation koch bekanntlich logisch kein Princip abge.en kann, und dieser Negation etwas Positives gegenüber gesetzt werden muß.. Dabei können doch christliche Kinder die jüdischen Eckulanstalten besuchen (was fast' noch häufiger, als in den Städten, auf dem Lande geschieh-', wenn es von den Behörden erlaubt wird,) und ebenso können auch christliche Lebrer an solchen Sckulen wirken, denn, wie gesagt, der äußere Charakter, das praktische Leben der Schule hat mit unserer Auseinandersetzung durchaus nichts zu schaffen; es ist nur eine sehr folgewichtige Conseqrenz, die wir ziehen wollen; allerdings würde diese Conscquenz auch verlangen — was freilich nicht so wichtig ist — daß an größeren reinjüdischen Lehranstalten nichtjüdische Lehrer so lange mindestens als „ordentliche- Lehrer nicht angestellt werden, so lange auch jüdische Lehrer on christlichen Anstalten und an fast allen öffentlichen Anstalten und Stadtschu'en nicht angestellt weiden — und daS wird noch lange dauern — wenn man zu diesen Stellen geeignete jüdische Candidatcn findet. Die jetzt öfters gebräuchliche Art, an jüdische Anstalten, wo eS eben angeht, fast noch mehr christliche Lehrer anzust. llen als jüdische; — wir kennen ein streng orthodores jüdisches Lehrerseminar, wo die Pädagogik nur durch einen ckr stlicken Vclksschullehrer aus der Stadtschulvertreten ist, der diesen Unterricht wöchentlich ein oder zweimal an seinen freien Nach mittagen ertheilt — ist ein Zeuaniß einer überweichen, fast krankhaften Toleranz'ucht,. zu der wir bis jetzt mindestens noch keine Verpflichtung haben. _ (Schluß folgt) Anzeige«. Israelitisches Knabenpensionat in Mainz. Knaben jeden Alters, welche eine Mainzer Unterrichtsanstalt besuchen, können in einem privaten, israel. Knaben-, pcnsionate daselbst Aufnahme finden. Ueberwachung der Schularbeiten, Erziehung im sittlich-religlösen Sinn, gesunde Wohnung und Verköstigung, sowie schließlich eine liebevolle Behandlung bilden die Grundsätze dieses Etablissements. Die Leitung ist einem öffentlichen Lehrer bei der Gewerks- und Handelsschule in Mainz übertragen. Preis, Bedingungen rc. werden vom Herausgeber dse. Bl. mitgetheilt. Verantwortlicher Redactcnr: Z. Klingenstein in Ldernheim in Rheinhesfen; Selbstverlag der Redaction. Für den Buchhandel: m Commission bei Oskar Leiner m Leipzig. — T ampf-S chnellpreffendruck von I. Gott sieben in Mainz.

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