Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 26 (28.6.1866)
- Date
- 1866-06-28
- Page
- Seite 108 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 — 108 vereinigten? Wird da» Interesse an dem, was wir bringen, noch bleben, gegenüber den großen Ereignissen des Tages? Schule und Re'igion — sie stehen weit ab und trauern. Wird man nicht gleichgültig an ihnen vorübergehen, und sie unberücksichtigt lassen? Wir erachten es als die heiligste Pflicht, auch in dieser schweren Zeit der Roth an dem festzuhalten, was unsere Aufgabe ist. Wir dürfen die Ausjaat für den Frieden nicht vergessen inmitten des Krieges!-.In unseren Schulen, in unseren Gotteshäusern müssen wir die Ideale der Menschheit pflegen ui.d festzuhalten suchen auch in solcher Zeit; Religion und Sittlichkeit, Vate-landsliebe und das Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit auch mit denen, die uns jetzt als Feinde gegenüberstehen, msissen von uns jetzt noch - mit um so roherem Eifer gewahrt werden, als in den! ruhigen Tagen des Friedens. i Wehe dem L hrer^ der seine Ausgabe vergißt und ihr i untreu wird in solchen Lebenslagen, in welchen ein starkes Pflichtgefühl doppelt nöthig ist; der in der aufregenden Ge- , genwart das friedliche und bedeutungsvolle W.rken für die Zukunft unterschätzt. ' Zn mißliche Hage, das sehen wir voraus, wird auch der „Jsr. Lehrer" kommen. Viele werden in solchen Zeiten das Interesse verlieren für-das, was wir anstreben, was wir schaffen. Wir werden uns durch solche Mißlichkeitcn nicht beirren lassen. Treu unse er Aufgabe werden wir, wenn Gott mit uns ist, im Kriege für den Frieden säen, für die Erhaltung der Schule und ihrer Aufgabe, für die Entwicklung ihrer Verhältnisse, für F stigung und Klärung auf dem Gebiete der Pädagogik! Wer werden unbeirrt von den schauervollen Ereignissen des Tages im Geiste echter Neligiosttät und treuer Vaterlandsliebe schreiben und sprechen, und so hoffen wir auch, daß trotz mißlicher Umstände unser Bau ' diese Zeit überdauern und d.fto segensreichere Früchte tra-! gen wird. Den Verein betreffend, wollen wir hiermit gelegentlich | unseren Freunden die freudige und beruhigende Versicherung geben, daß, wenn derselbe etwa auch in seiner Fortbildung und , Entwicklung durch v rringerte Einnahmen gestört werden j sollte, doch sein Bestand gesichert ist, und das, was | wir besitzen, uns nicht verloren gehen kann. Wer kann die Rathschlüsse Gottes durchschauen? Ma >. die Gegenwart trüb sein; wir hoffen mit heiliger Zuversicht, daß umso lichtvoller die Zukanst, daß all die segensreichen i Gestaltungen, die der denkende Theil der Nat-on bisher anstrebte, — und dazu gehört wor allem eine wohlgeordnete 1 Schule, ein n seinen Beziehungen zum Staat und der Gemeind« befriedigter und gesicherter freier Lehrerstand, eine naturgemäße Folge des Kampfes sein werden, der in der Gegenwart alle Gemüther erregt und bewegt. Und daß aus dieser Krisis'auch eine lebensvolle jüdische Schule hervorgehe, dazu hoffen wir nach Kräften -ein Scherflein beitragen zu können, und erwarten mit Zuversicht, daß unsere seitherigen Freunde uns in diesem Stceven durch Ausha ren auch ihrerseits unterstützen. Der Herr aber schenke bald wieder Frieden unserem theuern Vaterlande! Odernheim am 2 t. Juni »866. I. Klingenstein. Wochenbericht. Odernheim. Schulprogramme: (Fortsetzung, Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Bür ,er- und Realschule der isr. Gemeinde in Frankfurt a. M. v. Or. S. Stern.) Es >st selbstverständlich und unseren Leiern bekannt, daß wir mit nicht geringerem Interesse auch diejenigen Leistungen einer Schule verfolgen, die den allgemeinen Bildungszwecken dienen, wenn wir hier auch vorwiegend das jüdische Element in diesen Prog'ammen besprechen, weil eS unseren besonderen Zwecken nahe liegt. Daß die jüdische Gemeinde-Schule rn Frankfurt den allgemeinen Bildungszwecken entspricht, daß. dort das höchste Ziel einer zeitgemäßes Volks- und Realschule angestrebc und erreicht wird, ist selbstverständlich und bekannt. Umsomehr aber — und wir kommen hier auf unser früheres Raiwnnement zurück, — umsomehr dürste es von Bedeutung sein, hervorzuheben, was auch auf dem Gebiete der hebräischen Sprache — als dem am meisten specifisch jüdischen Gegenflande — etwa geleistet wird. Wir glauben daher, es wi-d unseren Lesern nicht unwillkommen sein, wenn wir den betreffenden Abschnitt dieses Programms vollständig hier wiedergeben. Er lautet: „Der Unterricht im Hebrä schen gehört einerseits zu den sprachlichen Uiternchtsgegenständen und hängt andrerseits mit dem Religionsunterricht oder doch mit der religiösen Gesammlbilvung unserer Zöglinge zusammen. In letzterer Beziehung betrachtet es die Anstalt als ihre Aufgabe, daß dieselben in den Stand gesetzt werden, die wichtigste« und nicht zu schwierigen Theile der heiligen Schrift in der Ursprache zu lesen und die hebräischen Hauptgebete.unseres Gottesdienstes zu verstehen. Andererseits wird die Erlernung der Sprache vornehmlich als formales Bildungsmittel betrachtet und der Schüler m t dem eigenthümlichen Bau und mit der gesamniten Formenlehre derselben bekannt gemacht. — Der Unterricht reicht von der VI. (8) bis zur 1. Klaffe inclusive und nach Absolvirung des mechanischen Lesens, für welches die Schreiblesemethode in Anwendung kommt, wird in den folgenden Klassen die grammatische Unterweisung des Schülers in streng analytischer Methode an das Lesen und Uebersetzm der der Fassungskraft der Schüler entsprechenden Stücke aus den Gebeten und der Genesis angeknüpft, in den mittleren und oberen Klassen aber der grammatische Unterricht bis zur Aneignung der gesummten Formenlehre fortgesetzt und der Uebersetzungsstoff auf die wichtigsten Gebete so ww auf ausgewählte Stücke aus den übrigen Büchern des Pentateuch und aus anderen Theilen der Bibel, insbesondere auch aus den Psalmen ausgedehnt, aber bei der Lektüre dieser Stücke überall zugleich die Erzielung des sachlichen und des sprachlichen Verständnisses angestrebt. — I« den Mädchenklassen beschränkt sich dieser Unterricht zur Zeit noch auf 3 Unterrichtsstufen.- (VI., V. und IV. Kl) und kann sich nur die Aufgabe des geläufigen Lesens und einiger Sicherheit :m Uebersetzen der wichtigsten Gebetstücke stellen, mährend von grammatischer Erlernung der Sprache nur in so weit die Rede sein kann, als beim Ueberietzen die Aufmerkjamkeit der Schülerinnen immer auf gewisse regelmäßig wiederkehrende Formen gelenkt wird, a) Knabenklasi n. VI. (8) Klasse. Erlernen des Lesens, zuerst ohne Hülfsbuch