Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 25 (21.6.1866)
- Date
- 1866-06-21
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Heften und Erhabensten als yn'? m% als Erquickung für den Lebensweg. MoseS fei unser Vorbild im Lehren, und die Schüler, sie sind das Volk, das wir nicht mehr ferner begleiten können, wenn wir auch ferner leben. Sie allein müssen den Uebergang über den Jordan wagen, der die Jugend vom verantwortungsvollen, selbstthätigen Leben trennt, sie allein müssen das fremde Land betreten, das wir Non Ferne nur schauen, das für den Menschen ein Land voll Milch und Honig — aber auch ein Land der Dürre und des TodeLschaltens ist, je nachdem er die Lehren, die er in der Jugend empfangen hat, vergißt oder bewahrt, ausführt oder verläugnet. Wochenbericht. Odernheim, 8. Juni. Am Fuße des Donnersberges , der äußersten Kuppe des herrlichen HaardzebirgeS in der bayrischen Pfalz, führt ein einsamer, schmaler Thalweg zwi chen zwei mäßigen Hügeln in ein von drei Seiten von waldbedeckten Höhen engumschlossenes Thal. Ein tiefer, unaussprechlicher Frieden, ein melancholischer Reiz liegt über diese Stätte ausgebreitet, die so recht geschaffen zu sein scheint für die Schläfer, welche ferneab vom Geräusche der Welt ruhen wollen — im ewigen Frieden Und in dieses Thal ginr ich vor wenigen Tagen an der Seite eines theuren, tiefgebeugten Freundes, eines echten Lehrers in Israel. Rings um uns her hatte die Waldnatur die ganze Fülle ihrer Reize ausgebreitet zu. dieser Sommerzeit — wir beachteten cs nicht; denn unsre Gedanken weilten auf dem mit Blumen und Kränzen geschmückten Sarge, den ein schwarzbehängter Wagen voruns hertrug, umihmdortimThale die letzte Ruhestätte zu bereiten. Rings um uns her Blüthen und Blumen,. Blumen auf dem Sarge, um ihn her eine blühende Mädchenschaar mit einem großen herrlichen Kranz von Immergrün und Blumen, Blumenbouquets in den Händen — und im Sarge selbst eine he erliche Menschenblume, ein in deri Blüthe der Jahre Heimgegangener. Es war der Sohn des Freundes an meiner Seite, den wir 22jährige der Erde ubergeben wollten, Isidor Sulzbacher. Sohn des Lehrers Jacob Sulzbacher aus Kirchheimbolanden. Die Lehrer und die Zöglinge des jüdischen Seminars zu Hannover, welches im Jahre 1853/4 jene Anstalt besuchten, werden sich heS aufstrebenden, für den Lehrberuf begeisterten Genossen erinnern, der im Frühling jenes Jahres die Anstalt wegen Krankheit verlassen mußte. Und diese Krankheit war unheilbar, wenn sie auchzuweilender sorgsamsten liebevollsten Pflege des Vaters und der edlen hingebenden Geschwister zu weichen schien, und nach unsäglichen Leioen entschlief der Verewigte sanft — Sonntag den 3. Juni c. — Diesem Jüngling, dem Gott das Siegel heiligsten, reinsten Strebens aufgedrückt hatte, dessen herrliche Geistesblüthen die erquickendste Frucht versprachen für unfern Beruf, dem Jünglinge mit dem liebewarmen Herzen schulden wir, wenn wir auch nicht von dem Segen langjähriger Wirksamkeit sprechen , können, — einige Zeilen warmer liebender Erinnerung. Edles Streben für unfern Beruf ist eine Gottesweihe, der Siegel der Unsterblichkeit, und der Verlust solcher jungen Genossen ist ein Verlust für die G-sammtheit, für Israel, für den Lehrerstand, her an strebenden jungen Genossen nicht Ueberfluß hat. Aber nicht nur diesem Schmerze, sondern mehr noch einem Gefühle der Erhebung wollte ich Ausdruck geben in der Erinnerung an jene Leichenfeier. Die Zeugnisse wachsender Verbrüderung unter den Menschen, die Anerkennung wahrhafter Verdienste des Vaters am Grabe des Sohnes, das Schwinden konfessioneller Vorurtheile — das sind Spuren, denen wir nachgehen, Zeugnisse der gottgesezneten Fortschrittes, die wir aufzeichnen müssen. Und in solcher Weise war dieser Lcichenzuz ein leuchtendes Zeurniß gottgejegaeter Wirksamkeit und der trauernde, aber stets edel- und hochdenkende Vater und! die herrlichen Brüser und Schwester« des Verblichenen wgrden wahrhaften Trost und Erhebung finden in dieser reinen, rührenden Theilnahme einer ganten Stadt. Wir haben schon gesagt, wie zumeist die chr.stl'chen Damen a»s den ersten und besten Famil.en eine« Kranz b.ldeten um den Sarg dieses einfachen jüdischen Lehrersohnes, der freilich ausgezeichnet war durch das, was wahrhaft groß macht, durch edle Geistesgaben; wir hcchea noch hinzuzusügen, daß dem Leichenzuge. fast alle Beamten und die besten Bürger der Stadt in unabsehbarer Reche folgten und der städtische Gesangverein zwei tiefergreif.mde Lieder vortrug und daß so d ese Feier ein wahrhaft ergreifendes Zeugniß edler humaner Gesinnung einer ganzen Stadt, wahrhaftes war. DaS sind Beweise echt menschlicher Theilnahme, erquickend und wohlthueud, erhebend und begeisternd. So schlafe denn wohl unter deinen Blumen, die theilnahmoolle Hände ans deinen Sarg legten; es find B.lüthen menschlicher Liebe, die nicht verloren gehen, auch wenn sie welken. Wenn jetzt Kanonendonner über die Erde rollt, wenn die Brüder, die Kinder eines Vaterlandes sich tödten einander und die Liebe geschwunden zu sein scheint aus dem Menschengeschlechts — wenn wir seufzend aufblicken zu dem himmlischen Vater, um Frieden flehend, so schlafe du un testört in dem herrlichen Haine, der wie oeschaffen ist zur ewigen Ruhe und träume unter Blumen vom — Wiederecwachm, vom ewigesi F ieden und ewiger Liebe. Dein Leben ( war ja ein Leben gottgesegnete: Liebe in einem von Liebe j gct agenen trauten Familienkreise: > Wer Lieb' mit Lieb umfaßt und selbst den Haß nicht haßt. Der ist zu Hause dort, hier auf der Welt ein Gast K. : Mainz. Herr ve. Aub ist vom der isra Mischen Ge-! münde Bert,ns definitiv zum Kabbiner gewählt worden Unsere ' Gemeinde erleidet, dntch den Wegzug dieses Mannes einen großen Verlust. Hoffendlich'werden wir bald einen geeigneten Nahfolger für denselben finden, damit meindezustände keine zu große in der Entwicklung unsexer Ge- Unterbrechung eintritt. Hoffen wir aber auch, daß her Nä chiolger eS ko gut wie Herr Dr" Äub verstehen möge, der Partei ve. Lehmann's g'gmüoer Ehre und Rechte der Religio nshemeindc »achdrücklichst zu wahren. Alzey. Herr Louis Nenberger dahier hat gelegentlich der Feier seiner silberne» Hochzeit prachtvolle Srlbergeräthe von bedeutendem Werthe in die Synagoge geschenkt. Auch den Verein zur Unterstützung hilfs aedürftiger tsr Lehrer, Lebrer-W ttwen und -Wa sen hat er Idabn mit einer Gabe von 25 fl. bedacht. Möge das Letztere iijsbesondere recht viel Nachahmung finden. AuS Unterfränken. Sei uns ist man in der größten Unruhe. Seit einigqn Wochen geht ein Gesp'enst um, daS wir