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Der israelitische Lehrer · 1866-06-21 · 25 (21.6.1866) · p. Seite 104

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
25 (21.6.1866)
Date
1866-06-21
Page
Seite 104 (sequence 2)
Language
German
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104 Wicklung der zehn Aussprüche. Cermonialgesetze, Sabath, Festtage und Gottesdienst schließ?» sich naturgemäß dem 4. Ausspruche an. Pflichten der Ehrfurcht, der Liebe und der Dankbarkeit gegen Go!t und der Begriff derselben sind Lehren, die theilweise schon mtt der Religionslehre (Güte, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit Gottes) theilweise aber auch mit den nn:m rnry und zwar insbesondere mit 2 und 3 im Zusammenhangs stehen. Das ist ungefähr der Lehrgang, wie wir ihn für den gesammten Confirmandenunterricht wünschen. Mögen auch die Ansichten hier in vielen Beziehungen auseinandergehen, gewiß ist, daß wir so den Zweck erreichen, die GotteSlehre und das Gottesgebot als eine unauflösbare Emheit darzustellen. Die Lehr form ist die entwickelnde, katechetische. Wir sind gewiß, hier keinen Widerspruch zu finden, und doch will es uns bedünken, als sei das, avaS man unter katschetifch-evtwickelnder Lehrform versteht, nicht überall ganz klar und als sei die Kunst d-s Katechisirens, die in jüngster Zeit auch in der christlichen Schule leider vielfach in Mißcredit gekommen ist, in der jüdischen Schule noch nie recht zur Geltung gelangt. Es ist das eine naturgemäße Folge des für die jüdischen Lehrer bisher zumeist beliebten Bildungsganges. Unsere jüdischen Lehrer sind großentheils in christlichen Lehranstalten unterrichtet worden, wo sie dem Religionsunterrichte nicht beiwohnen konnten; und doch tritt diese Kunst in abstrakten Unterrichtsgegenständen, also im Religionsunterrichte, am deutlichsten hervor. Und nur, wer an sich selbst die rechte katechetische Entwicklungskunst erfahren hat, weiß dieselbe zu würdigen und anzuwenden. Da aber der jüdische Schüler dein christlichen Religionsunterrichte nicht beiwohnt , so bleibt seine Befähigung in dieser Richtung mangelhaft, wenn die Lehrerbildungsanstalt die Vorbildung der Lehrer zum Katechin-en nicht als eine ihrer vorzüglichsten Aufgaben betrachtet. Es kann hier unsere Aufgabe nicht sein, einen Lehrkur>«s der'Katechetik zu geben, oder auch nur dem mit ihr Unbekannten den Begriff derselben klar zu machen, aber wir wollen nicht versäumen, mit Nachdruck daraus zu dringen, daß die Neligionslehrer ausgerüstet sein muffen mit der Befähigung , den Religionsunterricht so zu ertheilen, daß das Kind mit Hälse der Fragen des Lehrers zum Selbstfinden der göttlichen Wahrheiten an'geleitet werde, und io der Unterricht werde Fleisch von seinem Fleische und Blut von seinem Blute. Der katechetische Religionsunterricht geht von dem aus, was dem Kinde bekannt und zu eigen ist, und führt daffelbe von Stufe zu Stufe durch wohlgestellte Fragen und Antworten zu immer höherer Erkenutniß, zur Vervollkommnung seiner Natur und seiner Geistes¬ und Gemüthsbildung Es schließt das nicht aus, daß zuweilen der Unterricht auch die acroamatische Unterrichtsform, (erzählende Lehnorm) erfordert, aber vorwiegend wird darauf zu dringen fein, daß das Kind sich ,reiund selbstständig über die religiösen Fragen auszusprechen vermag, und dieses Ziel erreicht man nur durch wohlgeleitete Katechese, durch katechetische Entwicklung des Lehrbegriffs. Die Form der Lehrbücher hat vielfach zu dem Jcrthume verleitet, als sei eben die Frage und Antwort an und sür sich schon Katechese, und es komme auf die Art dieses Verfahrens weiter gär nicht an. Die-Antworten sind ferttg,! ehe die Frage gegeben ist, sie liegen gedruckt vor und sind 1 im Ganzen nur Umschreibungen der Fragen, die ohne eigent-; liches Nachdenken der Kinder gegeben werden können. DaS sind die falschen Katechesen, die am Ende doch nur Gedächtnißwerk sind. Wir glauben, daß der denkende Lehrer diesem Jcrthume wohl nicht ausgesetzt ist, wenn er sich selbst fragt, ob daS, was er als Antwort erhält, im kindlichen Geiste selbstständig entstanden ist und erfaßt werden kann. , Von hoh:r Bedeutung für die Wirksamkeit deS-Lon-! firmandenunterrichkS ist insbesondere der Lehrton, und! verstehen wir darunter die Stimmung, die ganze Art! und Weise, wie der Lehrer in diesem Unterrichte seinen ■ Schülern gegenübertritt. Es mag in anderen UnterrichtS- I fächern hinreichendsein, w?nn der Lehrer das Objekt auf : den Schüler wirken läßt. Beim Confirmandenunterricht ist es mehr als sonst die Persönlichkeit des Lehrers, die in und j mit dem Objekte iu Eins verwachsen sein, innerlich gehoben I und mit dem ganzen heiligen Ernste vor das Kind trete« > muß, die es. demselben klar macht, daß der Lehrer selbst; das, was er vorträgt, entwickelt und katechisirt, ist, unb daß; mit dem Unterrichte sein innerstes Selbst, sein ganzes Sein gestaltend vor dasj Auge des Kindes tritt. Wohl dürfen! wir nicht vergeff.m, daß das Judenthum sich nicht verträgt! mit jenem demüthig salbungsvollen Tone, der das Gemüth bedrückt, den M.nschen vor sich selbst erniedrigt und überall nur Sünder erblickt. Die Religion des JudenthumS, die in dem Menschen das ffreigebocne göttliche Wesen erkennt, dem in orr göttlichen Eöenbildlichkeit eine hoh: Würde und; hoh: Bestimmung gegeben ist, will den Menschen zu Gott erheben. Demuth zrnd Zuversicht, Ernst und Freude, Erhebung zu Gott usid Eckenntniß unserer irdischen Bejchränkt- ■ he.t — sie geben zusammen den rechten Menschen, wie er! als lebendiges Beispiel in der Prrsönlichkeit deS Lehrers vor das Kind treten müß, und die Begeisterung für die heilige Ausgabe gibt den hechten Lehrton für den Consirmrndeaunterricht, wie für jeden Religionsunterricht überhaupt. Wenn durum Verhältnisse, wie sie im Leben eines jeden Mensch'» zuweiten!vorko:nmen, unser Gemüth bedrücken und unser Seelenleben! stören, so müffen wir entweder diese Stimmung zu beherrschen suchen, oder den Unterricht so< lange ausi'etzen, bis wir uns wieder frei von solchen Einflüffen wiffen, die die rechte Stimmung, den rechten Lehrton nicht auskommen taffen. Der Confirmandenunterricht ist die höchste Stufe des Religionsunterrichts — Blüthe und Frucht zugleich. Und auch diejenigen Religionslehrer, welche bislang eine Vorbereitung! für die Coafirmation deshalb unteclaffen, weil der Akt, den wir im Allgemeinen unter Conficmation verstehen, bei ihnen verpönt ist, werden im Allgemeinen doch zugestehen müffen, daß ein Zusammenfaffen all der Lehren und Gebote, welche durch den Bibel- und Geschichtsunterricht — häbräisch und deutsch — im Laufe der Schuljahre zerstreut vor das Kindesauge treten, von großer Bedeutung l sein muß. Und wie unser unsterblicher Moses in der njsro m n noch einmoll vor seinem Tode die ganze Lehre und das Gebot, die Geschichte und die Verheißungen seinem Volke! in geflügelten erhabenen Worten vorführte, so wollen auch; wir, bwor wir das Kind aus der Schule entlaffea und es - dem Leben übergeben, daffelbe auszurüsten suchen mit dem

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