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Der israelitische Lehrer · 1866-06-14 · 24 (14.6.1866) · p. Seite 100

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
24 (14.6.1866)
Date
1866-06-14
Page
Seite 100 (sequence 2)
Language
German
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100 kehrte nicht wieder. Am Freitag.71 VUIjt, den 22. Jan. 1864, schied er sanft, wie er gelebt, in dar Jenseits. Die Trauerkunde von seinen Dähinscheiden verbreitete sich von Mund zu Mund, allgemein war die Bestürzung und die Theilnahme. Der Vorstand selbst war sogleich nach tem Dahinscheiden seineersten Mitglieder im Trauerhause, tieferschüttert und bewegt von dem unersetzlichen Verluste, der sie alle getroffen. — Und die Liebe, welche der Entschlafene bei seinen Lebzeiten in allen Verhältnissen ger offen, fie zeigte sich auch nach seinem Tode auf die herrlichste Weise. Der Vorstand selbst brachte die Trauerkunde zur allgemeinen Kenntniß. Am Montag den 25. Januar 1864 fand die Beerdigung der Verkläiten statt. Der Sarg, welcher die ''rdischen Ueberreste in fich barg, war, von blühenden Topfgewächsen umgeben, in der Gedenkhalle, dem Lieblingsplatze der Dahingeschiedenen, aufgest-llt. Im schwarz auSgeschlagenen Betsaale der Anstalt fand die Todtenfeier statt, inmitten einer überaus zahlreichen Trauerveisammlung, welche von der Achtung, die der Verklärte genoffen, einen sprechenden Bereit gab. Deputationen des hrchlöblichen Magistrat», der Stadtverordneten, der Schn.deputation, des Vorstandes und der Repräsentanten der j[üt)- Gemeinde, des Lehrercollegiums der jüdischen Gereinde-Knabenschule, sie alle waren erschienen, um Zeugniß für dar thalenreiche Leben deS Verstorbenen abzulegen. Nachdem die Waisen, die ihren zweiten Vater verloren hatten, den Einleitungsgesang aur der Todtenfeier in tiefer Rührung oorg>tragen, sprach Herr Dr. Cracauer, welchen der Borland mit der Trauerrede betraut hatte,, in tirf.r Bcw gung über den Verklärten. Er knüpfte den, Text an Hiob 5, 26: (l"3 'n 31\x) Dü gehst im Alter zu Grabe, wie der Garbenhausrn einge fahren wird zur Zeit. In dem Nachsatze sei deutlich von einer Todekreife die Rede; zu einer solchen Reife gehöre vor Allem die volle Entwickelung einer Lebensthätigkeit, die dem göttlichen Gepräge im Menschen, der allgemeinen, großen Menschenliebe volle Rechnung trage! Und, indem er auf dar ununterbrochm rege Lebender Verklärten, welcheer in allen seinen Zügen schilderte, hinwi.s, zeigte er, wie derselbe sein ganzer Leben einer, großen himmlischen Idee geweiht und somit sich selbst gewissermaßen zu einem Altäre geschaffen, aus welchem die goktg. fälligsten Opfer dufteten. Treffend reihte sich der Moch ntext an (Exodur 20, 24) spcförri*!TOp: npig rop (V3 '3 noBT) '. : :?pp^t{rn«i Einen Altar von Erde sollst du mir machen und darauf opfern deine Brandopfer und deine Mahlopfer, in welchem der Redner den Verklärten als jenen Altar von Erde darstellte, deffe» Herz ein reiner Tempel der Liebe, deffen Gefühle, Gedanken und Handlungen jene Opfer würdig vertraten! Auf dem Begräbnißplatze war ihm eine Stelle in erster Reihe in Anerkennung seiner großen Verdienste von der Gemeinde angewiesen worden — Was die Anstalt, ihr Vorstand, die Waisen verloren, der Rachruf des Vorstände» selbst sprach er beredt und ergreifend aur. Er lautet: Nachruf. Am 22. d. M. haben unsere Waisen - Erziehungr- Anstalten einen äußerst schmerzlichen harten Verlust erlitten. Ihr Begründer und erster Vorsteher, Herr Baruch Auerbach, ist in einem Alter von 70 Jahren nach Gottes unerforschlichem Rathschluffe in die Ewigkeit eingegangen. — Unter den schwierigsten Verhältnissen, ohne Mittel, nur im Vertrauen auf Gott, faßte er den Gedanken, di.se Waisen - Anstalt in'S Leben zu rufen und was sein edler Sinn erdachte, steht im herrlichsten Gedeihen vor unS! Ja 30jähriger rastloser Wirksamkeit, mit uneigennützigster Ausdauer Haiti; er dar Wohl seiner Schöpfungen im Auge, «ein Opfer war ihm zu groß, keine Last zu schwer, wenn er der Förderung des Institutgalt. Im wahren Sinne der Wortes war er den ihm anvertrauten Waisen ein Vater. ein treuer. Ratbgeber und Beschützer der Dittwen; als trefflicher Character in seinem eigenen schönen Hauswesen sich bewährend, leuchtete er seinen Schützlingen als herrliches Beispiel voran! Sein frommes Gemüth, sein edles Herz, srin unermüdliches Schaffen machen ihn uns unvergeßlich. Da» Denkmal, welches ec sich durch seine Anstalten gesetzt, wird für alle Zeiten dauern und seinen Namen für ewig in gesegnetem Andenken erhalten. Sanft ruhe seine Asche! Tie Vorsteher der Baruch Au erb ach'scheu Waisen-Erziehung»-Anstalt für jüdische Knaben und Mädchen. I. W. Marckwatd. S. Herz. jSipmann Wulf. Wilhelm Kri dberg. Auch die früheren Zöglinge der Anstalt gaben ihren wehmüthigen Gefühlen Ausdruck in folgendem Rachruf, den wir ansügen: Nachruf. Am 2?. d. Mts. ver'chied der Gründer und Dircctor der jüdischen Waisen-Erzrehungs-Anstalten für jüdische Knaben und Mädchen. . Baruch Auerbach. „Waisenkinder sind nicht arme Kinder, denen man bloS Obdach und Brod zu reichen hat, sondern Waisenkinder sind elternlose Kinder, die vor Allem elterliche Liebe, ein Vater» und en Mutterhe'z bedürfen, darum muß das Waisenhaus, wenn e» seinem wahren Zwecke entsprechen soll, ein ElternhanS für Warfen sein." Treu diesem seinem Wahlspruche hat er sein Leben geweiht den Hunderten von Waisen, denen er ein liebender Vater, ein Vorbild war an Sittenreinheit und Liebe! Sein Werk hat ihn unsterblich gemacht! Sein Andenken sei gesegnet! Die ehemaligen Zöglinge der Auerbach'- fchen Waisenhauses. So ruht er den» in kühler Erde, tiefbetrauert von den Seinen, von den Waisen, von Allen, die ihn kannten.

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