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Der israelitische Lehrer · 1866-06-07 · 23 (7.6.1866) · p. Seite 96

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
23 (7.6.1866)
Date
1866-06-07
Page
Seite 96 (sequence 2)
Language
German
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darf mir jedoch erlauben, in einer Richtung hierauf zurück zu kommen, die mehr mit dieser alL mit der vorhergehenden Frage zusrmmenhängt. Wenn wir als das Ziel des Confirmandenunterrichts das wörtliche Auswendiglernens eine- »Katechismus* und beliebiger Bibelsprüche auffassen würden, so würden wir uns sehr täuschen. Wir glauben auch nicht, daß irgend welche einsichtsvolle jüdische Lehrer eine solche Regulatiomethode als die ihrige anerkennen werden. Ohne Auswendiglernen gehtS freilich auch nicht ab, eS müssen Bibelsprüche — hebräisch und deutsch — erklärt und dann ] oingeübt werden; die Kinder müssen die^ zehn Aussprüche vom Berg Sinai und dergl. mehr wörtlich im Gedächtniß haben. Aber damit hat der Lehrer seine Pflicht nicht erfülft. Tr mnß es verstehen and a's seine Auigabe betrachten,' Lehren und Gebote kriecherisch zu entwickeln, und so den Schaler befähigen, zu jeder Zeit die treffende Antwort zu ge'-en, und in dem Unterrichte nicht eine bloße Kenntniß. sondern die Richtschnur fürs Leben zu erkennen. Die Begriffe müffm klar und bündig entwickelt, die Geisteskraft gehoben, aber auch Herz und Gemüth detheiligt werden, damit der Unterricht den ganzen Mensch?» erfülle und von ihm erk mnt werde,' daß in diesem Unterrichte die Richtschnur für sein Leben liegt, und daß nur dieser Unterricht ihn befähige, feine Bestimmung zu erreichen. Der Unterricht muß in Fleisch und Blut übergehen — unv dazu reicht en bloßes Auswendiglernen an verstandener Wvrte nicht hin. Vielmehr muß in ihm der Grund zu der Befähigung gelegt werden, in jeder Leb nslage mit Klarheit und Gewißheit das Rechte, den Pflichtweg zu erkennen und der Wille und die Kraft muß gekräftigt werden, das Rechte auch zu üben. (Schluß folgt.) Gallerie berühmter isr. Schulmänner. III. Dr. Aaruch Auerbach. (Fortsetzung) Es eröffneten^sich chm die Häuser der verstorbenen Professoren Marheineke, Strauß, Tölken und Anderer. Er ward befreundet mit bem Geheimen Ober- Reg-erungS-Rath NicolooiuS, mit Elise von der Recke, Tiedge, David Friedländer, Amalie Beer, Geh. Rath Bendemann, Sara Levy und vielen anderen bekannten Familien. Und neben dieser» gesellschaftlichen Umgänge, welcher ihm die Feinheit der Sitte und des Benehmens, wodurch er sich später so vieler Herzen gewann, gab, war er von wrffensch flkichem Sinne und dem emsigsten Fleiße beseelt. .Er besuchte die Borst sungen auf das Eifrigste, hörte auch solche, welche nicht zu seinem speciellen Fache gehörten, um sich in allem Wlssenswerih-n Kenntnisse zu erwerben Dreimal predigte er ouf der Universität in der großen Aula, und wußte durch seine gediegenen Kenntniffe, sowie durch seinen regen, selbstthÄigm Fleiß sich die vollste Anerkennung seiner Lehrer zu erwerben. Nach dem Ablauf seiner Studienzeit ließ er stch noch einmal im Jahre 1822, um stch zu vervoükoiymnen, turmakrikaftren. - Als er die Universität verließ, erhielt er Zeugniß,' daß er „mit rühmlicher Beharrlichkeit, großem u»d ausgezeichnetem Erfolge die Vorlesungen beucht habe.* — Bald darauf, im Jahre 1824, wurde ihm das preußische Staatsbürgerrecht ertheilt. So ausgerüstet trat er nun mitten in die Gemeinde hinein, in welcher er so Großes und MannichfaltiaeS wirken sollte. Im Jchre 1826 wurde er zum Mitguede der Commision gewählt, welche drs jüdische Schulw.'sen beaufsichtigen sollte, und als die jüdische Freischule, welche unter des berühmten Ben David Leitung stand, aufgelöst wurde, da wird er von Seiten der jüvilchen Gemeinde zum Comnussarius ernannt. In dies'n ehrenvollen A-mtern verfuhr er mit so großer Srchkenntniß und Umsicht, und mit so richtigem Taktgefühle, daß es der Vorstand selbst rühmltchst anerkannte. Grade zu dieser Zeit «des wurde ihm em neuer, für seine spätere Zukunft wichtiger Wirkungskreis eröffnet. Sein verstorbener Bruder, der vr. Lev!n Isaak Auerbach, wurde als Prediger angestellt, in Folge deffen er selbst zum Dirig-nten des Rnnen-Arvn'- scheu Institutes berufen ward. Und in djeser Stellung war es.-wo er die Grundlage für seine pädagogische gehrlhätigkeit legte; hier bot sich ihm vor Allem vielfache Gelegenheit, sich auch praktpch zu bewähren, was ihm bei der Gründung seiner Anstalten später herrlich zu statten kam. So wuß'e er durch seine Tüchtigkeit wie durch seine Persönlichkeit die Aufmerksamkeit immer größerer Kreise auf stch zu lenkm, und so wurde ihm, als der berühmte Geleh.te Herr Or. Znnz die Direktion der jüdischen Gew e-nde Knabenschule niederlegte dieses Amt von der Gemeinde übertragen Am 25 Oktober 1829 übernahm er die Leitung dieser Lehranstalt; und verwaltete sie ununterbrochen bis zum Jahre 1852 In dieser Stellung war es, wo die Gründung seiner Waisen Anstalten erfolgte. Ja jrner Schule, in welcher sich sehr viele arme und verlästere Waisen als Schüler befanden , lernte er ihre traurige Lage kennen; er sab, wie sie verlosten, von allen Mitten entblößt, einer unglücklichen Zukunft entgegen gingen Da stieg in ihm der Gedanke, der ihn schon lange bewegt, gar mächtig auf: V elleicht kannst du ihre Roth lindern, versuche es nur, Gott wird dft hierin beistehen. Und dieser Gedanke, den er Anfangs nur schüchtern in heiliger Stunde erfaßt, schlug immer festere Wurzeln in seinem trefflichen Gemüthe;- es war ihm, als ob eine heilige Stimme vom Himrael herab ibm zurief: Wanke nicht und zage nicht, gehe den Weg, welchen du beschloffen; Gott wird mit dir sein! Und von di.ser Stunde an, wo er den f sten Entschluß faßte, diese Waisen-Anstalten zu gründen, betrachtete er sich nur als ein Werkzeug Gottes, welches zu einer heiligen Sendung berufen war; eS war ibm, als ob Gott ihn gesandt, ein Helfer 'der Wittwen, ein Vater der Wais m zu sein. Und wie er diese Anstalten unter unsäglichen Schwierigkeiten begründet, wie gefahrvoll und zwe'felhaft sein Beginnen war, wi: er ihnen die Unabhängigkeit erkämpft r-nd in so vielen schweren Mühen unv Gefahren aestntten und gesiegt hatte, das hat er selbst in seiner Geschichte des Knaben-WaisenhauseS, welche er zu dksien 25jährigen Jubiläum herausgab, ntif fo einfachen und erhebenden Worten niedergeschrftbm. ' Sein Wahlspruch : „Waisenkindersind nicht arme Kinder, denen man blos Obdach und Brod zu reiche hat, sondern Waisen-

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