Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 22 (31.5.1866)
- Date
- 1866-05-31
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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93 kann, dqß keine vorzügliche Lehre, kein vorzüglichere- Gebot de- Judenthumdem Kinde unbekannt geblieben, daß er vielmehr während seineganzen Lebens in sich die Richtschnur seiner Thun- und Denkens zu finden vermag. (Fortsetzung folgt.) Gallerie berühmter iür. Schulmänner. III. vr. Aaruch Auerbach *) Baruch Auerbach, geboren zu Jnowraclaw im Großherzogthum Posen am i4. August 1793, war der Sohn dedortigen Rabbiner- Lewin Jsaac Auerbach und dessen Gattin Gitel Auerbach, geb. Salomon. Die ächte Frömmigkeit, der edle Charakter, sowie die tiefe Gelehrsamkeit de- Vater», die innige Liebe, die Führende Sorgfalt, der .emsige Fleiß der Mutter, dawaren die Eigenschaften der Eltern, welche der verklärte Sohn mit inniger Begeisterung im Munde führte und denen er in seinem ganzen Leben nacheiferte. Die zärtlichste Pietät gegen seine Eltern war der Grundzug seine- Charakter-, und so oft er von ihnen sprach, geschah enur mit der größten Ehrfurcht und innigsten Liebe. Nachdem er in den ersten Jahren unter der Aufsicht der Eltern erzogen und besonderim Hebräischen gebildet war, erwachte in ihm der Trieb, nicht mehr seinen Eltern zur Last zu fallen, sondern im Vertrauen auf Gott selbstständig für sich selbst zu sorgen. . So verließ er, kaum 13 Jahre alt, daelterliche Hauohne alle Hülf-mittel und begab sich nach Lissa, um im Hebräischen, besonderim Talmud, sich gründliche Kenntnisse zu erwerben. Mit großem Eifer lag er diesem Studium ob, und erlangte eine so bedeutende Fertigkeit im Verständniß dieser Schriften und eine Belesenheit, wir sie nur selten zu finden war. Je Tüchtigeres er in diesem Fache leistete, um so geringer waren aber seine übrigen Kenntnisse; doch sein kräftiger Geist strebte nach Höherem; es lebte in ihm die Idee, Großezu leisten und sich, nach allen Seiten hin au-zubilden. So beschloß er denn, nach Berlin selbst zu gehen, um die vielen wissenschaftlichen Hülf-mittel, die dort geboten wurden, zu benusen. Wohl hatte er kein Vermögen; nur auf sich angewiesen lebt« er in Roth und drückender Sorge. Aber er besaß einen großen Schatz in sich, der ihn nie verließ, er besaß einen Reichthum, der ihm Allegewähren konnte. Sein leuchtender Stern war sei»unerschütterliche- Gottvertrauen; er baute auf Gott allein, nicht auf Menschen, sein tief religiöser Gemüth fühlte sich zu Gott und der göttlichen *) Wir erlauben uns den Abdruck dieser im vorjährigen Programm Waisenhauses (in Berlin) erschienenen Biographie des edlen Verblichenen, weil jenes Programm doch nur wenigen unserer Leser zugänglich sein mag, und well wir indem Anschaue« solcher Lebensdllder ein« ernste heilige Mahnung für den Lehrerstand finden, die nur äui: Erhebung gereichen kann. Dadurch geben wir zuj lelch Bausteine für dl« Geschichte der jüdischen Schul«. Daß wir bringen, ist begründet in unserem Bestrebest, ein UrchM über Verstorbene erst abjugeben, wenn fich der Rusen bildet H?1* *vw ®ta*e' "ach der schönen Sitte lm Judenthum«, di« auch die D akstein nicht im «sten Jahre schen läßt. Vorsehung stethi ngezogen. Und diese- Gottvertrauen, daden Jüngling »eseelte, eward auch fein Leitstern für die Zukunft; es gib ihm in den trübsten Stunden Muth und Festigkeit und durchdrang alle ihn umgebende Finsterniß. Mit diesem Schatze ausgerüstet konnte er.wohl darben und Roth leid«»; fein materielle- Wohl lag ihm nicht am Herzen; er wl llte sich nur bllden, seinen Geist veredeln und seine Fihigkeiten entwickeln. Um aber diese» zu erreichen, bedu^te er einer leitenden Hand von Lehrern und vieler Hülf-mittel Bon seinen Eltern mochte er nicht» nehmen, ja wenn er etwa» ersparen konnte, sandte er e» ihnen. Er ertheilt! daher für sehr geringe- Geld Unterricht im Hebräische r und den Erlös verwandte er dafür, sich selbst durch tüchtige Lehrer unterrichten zu lasten. So suchte er fich allmählich in der deutschen Sprache und in den übrigen Wissenschaften tüchtige Kenntnisse zu erwerben, und als er durch unermüdlichen Fleiß, der ihm eigen war, eine feste wissenscha tliche Grundlage gelegt hatte, ließ er sich an der Hiesige l Universität am 24. Dezember 1817, Unter dem Rectora, Marheineke'S, um Theologie und Philologie zu ftudnen, immatrikuliren. Hier erschloß sich ihm eine neue Wel;; ein Reich ungeahnten Wissen-^zeigte i sich seinem wißbegi« eigen Geiste, und sein höchster Genuß i wurde nun da- Studium Inzwischen hatten sich aber! auch seine Verhält,lisse bedeutend gebessert Jetzt kounte ' er in sehr vielen F »mitten auch in andern Wissenschaften : Unterricht erteilen; man nahm den strebsamen jungen Mann gern al- L hrer an; seine gewinnende Persönlich-! keit, sein reine- Ge nüth schien auf die Kinder sehr günstig! zu wirken. Und dir Liebe seiner vielen Schüler, die Achtung aller dieser! schweren Leiden der! der Professoren der und Förderung. lnsehnlichen Familien ließen ihn die früheren Zeit vergessen. In dem Kreise Universität fand er bald Anerkennung (Fortsetzung folgt.) W Odernheim, »chenbericht. m April. Schulprogramme. (Forts. Deutschland und die jüdischen Gemeinden Nr. 19.) 2.) ü inladunzsschrift zu der am 26., 27., 23. und 29. März 1"i66 staltfinbenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Realschule der Israel. Gemeinde in Frankfurt, von dem Direktor her Anstalt vr. S. Stern. — Was die Berlin für den "Norden Deutschland» Preußen ist, das sollte und müßte natuttr jüdische Gemeinde zu und insbesondere für r . ..... _ gemäß die jüdische (JiemeinDe in Frankfurt für daS südwestlich« Gesa nmtheit der mittleren und kleineren isein. die in Frankfurt ihren naturgemäßen Mittelpunkt haben. Wobl haben" die genugsam bekannten traurigen Vorgänge' in dieser Gemeinde ihre Wirksamkeit reducirt und eS ist leider zur Zeit nur die religiöse Zwietracht in der; Gemeinde, die von dort her geschürt un) genährt wird; es ist leider überwiegender Fanatismus, der, in Frankfurt, großgezogen ' und gehätschelt, nach Außen eine weit größere und verderblichere Wirksamkeit äußert, als man dort unter den Männern, die dem Fortschritt huldigen, ahnt. Segensreiche Spuren drr dortigen, lichte» ■ ren Anschauungen huldigenden Religiönspartei, die, in sich selbst; corrupt und zerfallen, jetzt ärndtet war sie aesäet hat, finden sich leider nirgendauf dem großen Gebiete, für das Frankfurt eine oxi 1'p auch jetzt noch nach Zahl und Bedeutung seiner edlen, wohlthätigen und hochgebildeten Gemeindegenoffen sein soll. Wir müssen jedoch gestehen, daß auS diesem Programme uns etwas