Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 22 (31.5.1866)
- Date
- 1866-05-31
- Page
- Seite 92 (sequence 2)
- Language
- German
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92 auf fremden Bildungsgebieten, da-' man als eine der das > nationale Leben störende Eigenschaft der Deutschen erst > neuerdings gekennzeichnet hat. Darum bleiben wir auf unserem ErziehungS- und Unterrichtsgebiete. Die Confirmation ist eine Thatsache, ist eine anerkannte Nothwrndigkeit; Männer von anerkannter Religiosität, von bedeutendem jüdisch-theologischem Wissen haben sie eingeführt, und wir — wir folgen ihnen. Wir beschäftigen uns also blos mit dem Unterrichte, in allem andern folgen wir je nach Wunsch oder Neigung den anerkannten Auto- ' ritäten.! I. Wann beginnt der Confirmänden-Unterricht, welchen Weg hat er zu gehn? Ü. Welches ist sein Ziel, Lehrform, Lehrion, seine Lehrweise? I. . Wir eröffnen erst mit dem. 12. Jahre, 2 Jahre vor , der Entlaffung auS der Schule, in wöchentlich 2 Stunden, den sogmannten systematischen Religions-Unterricht. Nachj dem wir in dm ersten Schuhahrm die religiöse Anschauung,! die Erregung der religiösm Empfindung zu unserer Aufgabe | gemacht haben, was durch Erzählung biblischer Geschichten geschieht; nachdem wir ferner vom 8. bis zum 12. Jahre eingehendere Kenntniß des religiösen Unterrichtsmaterials ■, als unsere Aufgabe betrachten, und darum den biblischen Stoff nach Zweck und Gelegenheit und zwar in der Ordnung, wie er vorliegt, dem Kinde zu Gemüthe führen, so zwar, daß wir in de: Geschichte dm Gedanken katechetisch j entwickeln, ohne gerade uns von dem Systeme beherrschen zu lassen, während wir den Stoff beherrschen; indem wir dabei uns bemühen, dar Kind zugleich praktisch in das religiöse Lebest des Judenthums einzuführen, und ihm also Kenntniß veS Hebräischen, der vorzüglichsten Gebete, die Bedeutung der Festtage und Religionsgebräuche und zum Theil auch der Bibel in der Ursprache beizubringm trachten, haben wir jetzt als umere Aufgabe 'zu betrachten, das im 1 Denken fortgeschrittene Kind mit dem tzänzm Lehrgebäude des j Judenthums, soweit es für. das praktische Leben der Jetztzeit lebmdig gmannt werden kann, bekannt zu machen; es ist an der—Zeit, das Ganze ist eine Form zu gießen, die Gedanken des Judenthums auS ihrer Grundlage zu mtwickeln; ihre Zusammengehörigkeit, ihre Einheit dem kindlichm Bewußtsein nahe zu bringen. Es ist somit unsere Aufgabe, das aufgeschichtete Material zu ordnen, neue verbindende Mittelglieder einzufügm, und alles auf den Ort ' zu stellen, wohin eS gehört. Indem wir dies beabsichtigen, kommen wir freilich auf so Manches zu sprechen, was ein tieferes Eingehen auf die iSr. Lehre nvthwendig macht^ und Sie erlauben mir hierüber, um Ihnen ein klares Bild meiner Ansicht zu geben, noch einiger Nähere mitzutheilen. Welches der ewige Urgrund sä, auf welchem sich die Religion der Judenthums aufbaut, darüber zu sprechen, denke ich, wird vor Lehrern nicht nöthig sein. Es ist das Wort in« '.n. Es ist der Glaube, das Bewußtsein, die Erkenntniß des einzigen ewigen Gottes. Hierin sind alle einig; uitb alle Religionsschriften legen dieses Wort dem gesammten religiösen Wissen unter. Betrachten wir jedoch , die Folgerungen, die aus diesem Worte gemacht werdm, betrachtm wir die systematischen -Religionsbücher, derm uns die letztm Jahre einige vorzügliche, insbesondere für den Constrmanden-Unterricht geschenkt haben, so finden wir in der Anordnung des Stoffes eine große Verschiedenheit. Als durchgehmde Hauptabtheilung finden wir in diesen die Scheidung zwischm Lehre und Gebot, Tora und Mizwa. Meine Herren! mir als Lehrer will es bedünken, daß das nicht die rechte Weise ist, die Religion Israels dem Kinde mitzutheilen. Ich bin zwar bis jetzt noch nicht über den besseren Weg klar, wage es durchaus nicht, die hochverehrten Mäuner, denen wir jene mit Freude begrüßte Schriften, verdanken, zu kritisiren, ich bin selbst noch nicht klar in dieser Beziehung mit meinem eigenen Willen. Aber mich dünkt, die Lehre des Judenthums dürfe nicht in diese Rubriken gespalten, es dürfte beim Unterricht keine Scheidung gemacht werden zwischen Lehre und Gebot. Lehre und Gebot, sittliches ustd religiöses Gebot, alles ist nach meinem Dafürhalten isn Judenthume eins, eines ist mit dem Andern auf das Engste verknüpft; scheiden wir die Lehre vom Gebot: so könnw das Jadenthum Glaubensformeln und Glaubensgrundsätze ausstellen, die auch ohne lebendigere Beziehung zum Gebot, auch ohne religiöser Bethätigung irgend Werth haben; der Glaube an und für sich könnte selig machen ohne die religiöse Handlung, und das wollen wir nicht, davor behüte uns Gott! Ebensö könnte aber auch im Gegentheil durch eine Scheidung des Gebotes von seiner Grundlage, der Glaubenslehre, die Werkheiligkert, der wir ja entgegenwirken wollen nach den Grundgedanken unserer Zeit, gefördert werden. — Also innige Verbindung und Durchdringung von Lehre und Gebot Die Anordnung der uns vorliegenden Religionsbücher mag vorzüglich sein, und wir wollen sse auch recht gerne gebrauchen, aber im Conficmrnden-Unterricht muß der Lehrer der Religionslehre sogleich das entsprechende sittliche und religiöse Gebot anfügen; ist also z. B. die Rede von der Allwissenheit Gottes, alsbald von der sittlichen und Willens-Freiheit des Menschen, von der Uebung des Guten im Geheimen, vor dem Bewahren vor schlechten Handlungen, auch wenn uns Niemand sieht, sprechen, wozu uns dieser Glaubenssatz auffordert. Nur so gewinnt er praktische Bedeutung, Leben. Ist die Rede von der Allmacht Gottes, so kann das Sabbathgebot angeschloisssn werden. Freilich wird dadurch die separate Behandlung der - wahrscheinlich dennoch nöthig sein. Aber wir hären uns vor Verirrung im Glauben und Thun. «b« ipy «b. Man hat öfterdarüber gestritten, was im Religionsunterrichte voraus kommen soll — die Lehre oder das Gebot. Mir scheint eS besser, gar nicht zujscheiden, das einzelne Gebot aus der Lehre alsbald zu entwickeln. So gewinnt die Lehre Leben, und das Gebot die rechte Bedeutung. Wir hätten also im Confirmanden-Unterrichte darnach zu streben, einestheils die isr. Religionslehre als lebendigen Organismus in die Seele des Kindes zu verpflanzen, Alles an den gehörigen Ort z« stellen, eines mtt dem Andern in lebendige Beziehung zu bringen. Aus dem Grundgedanken von der Einheit Gottes ist die ganze Religion zu entwickeln. Das Ziel, das wir zu erreichen strehen, ist Einführung des Kindes in die Gemeinde, die von dem ihr zugeführten Mitglied mit Recht verlangen