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Der israelitische Lehrer · 1866-05-24 · 21 (24.5.1866) · p. Seite 88

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
21 (24.5.1866)
Date
1866-05-24
Page
Seite 88 (sequence 2)
Language
German
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88 diesen in Gemeinschaft mit Pädagogen von Fach und Beruf ausgeübt. Möchte doch allen diesen von der Vorsehung dazu Ausersehenen das Erziehungsgeschäft ebenso innigste Herzenssache sein, wie jenem Weisen, daß sie mit ihm der Wahrheit gemäß sprechen können (23, 15 f-, unmittelbar nach der zuletzt citirten Drsciplinarstelle)„Mein Sohn! so dein Herz weise geworden, freuet sich auch mein Herz in .mir, und meine-Pieren frohlocken, wenn deine Lippen Redlichkeit sprechen!" Ein Erzieher solchen Sinnes schwebt keinem Geiste auch allein .vor. wenn er zur Fügung in die göttliche Lenkung unst i-c Geschicke mit den herrlichen Worten (3, 11 f.) mahnt: „ Die Züchtigung Gotletz, mein Sohn! verschmähe nicht' und werde nicht widerwillig ob seiner Znrechtweiiun; denn wert der Ewige liebt, den sucht Er heim, wie ein Vater den Sohn, mit dem er es gar wohl meint," wie Mo'eh tchon in gleich würdiger Vorstellung von göttlicher und mensch!ich>r Führung gesprochen (5 B., 8, 5>: „Erkenne in deinem H-'rzen, daß, wie ein Mann seinen Sohn züchtigt, also auch dich zuchtgt der Ewige, dein Galt." Nimmt nun das in Israel'»' Mitte kunrgewordene Gotteswort im G-biete der Religion»- und Morallehre unbestreitbar den ersten Rang ein, vindicirt ihm die neuere jüdisch-wissenschaftliche Forschung mit R.ckt ingleichen die Chorsührung in den der Vernunft und allgemeinen Wohlfahrt, der (Gerechtigkeit und Liebe entsprechendsten (bis heute, und wer weiß, wie lange? noch als Ideale dastehenden) politischen und socialen Principien *), so ist es demliier, wenngleich nur in allgemeinen Umrissen Erponirten nach auch niit den humansten und zw.ckgeiiläßcftcn Bestrebungen früherer und besonders unserer Zeck im Bereiche der Pädagogik in volleni Einklänge, und können israelitische Eltern und Lehrer ihre von rein israeliüichem Gerste beseelte Gesinnung nicht tbatkräftiger bekunden, als indem sie jenen willig nch anschließ-n und ihren Weisungen in freudiger Hingebung Folge.'.eisten. Dadurch werden unsere und unserer Religion Lästerer am ehesten beschämt und zum Schweigen gebracht, der Name des Heiligen Israel'» aber „verherrlicht, vor den Augen all r. Nation n gepriesen, geheiligt und verkündet werden." (Alltägliche und Fest-Gebete, Jesaj. 45, 16 f., Ezech. 38, 23.). - J . Frankfurt a. D., 3. Mai 1866. Lag b’ Omer 5626. Dr. M. Stern. W o cd c n b e r i cd t. Dom Rheine, 11. Mai. In Nr 16 der „A. Z. d. I." rügt die Correspon^enz aus Hannover einen Fehler in der bei den prenß. Gerichten für die Juden noch üblichen und von dem Rabbiner vor der Eidesleistung vorzulesenven Ermahnung. Er b. trifft den Paffus und die Behauptung, daß, wenn auch jeder Andere, doch der Meineidige trotz Buße und Besserung „ohne hinlänglichen Ersatz* nicht auf *) S. tarüctr tcn:«fcm[tcf Pkilixpson s Vorlesungen über die „Entwicklung der religiösen Ideen :c." und „die Rel gion der Gesellsckaft", sowie desselben »ablreiLe dgkiin gehörige Aufsätze in seinen Wochenschriften. Vergebung bei Gott hoffen könne. Bekanntlich ist Mendelssohn der Derfaffer jener Ermahnung, und Dr. Feilchenfeld, der die Aufmerksamkeit des. Korrespondenten auf jene Stelle gelenkt hat. zeibt M. eines Mißverständnisses in der Auslegung der bezüglichen Stelle des Talmud. Im Jntereffe der Wahrheit uno um den Manen des großen Mendelssohn gerecht zu werden, verweisen wir auf die Schrift: „Der Eid der Juden,von Dr. D. Rothschild; Brilon 1847", wo 2. 2i) die betreffende Talmubstelle best'rocbk'' und erklärt wird. Dort heißt es, daß M. ganz richtig pyr rS2 auf die göttliche Stcasgerechtigkeit bezogen Kabe, welchen der Meineidige trotz seiner Bußserligkeit (crrr >v) unierworfen bleibe. M. deutet mit „ohne hinlänglichen Ersatz" sowohl auf die Ausgleichung des Schadens hin, -u welcher der Meineidige gegen 'einen diebenmenschen verpflichtet sei, wie aus die Strafe der göttlichen Gerechtiqk.il, deren er gewärtig sein müffe. Ja, M wollte vauut auch gleichzeitig der Meinung entgegen treten, welche den Meineidigen trotz feiner Büßfertigkeit der ewigen Berdammniß preisgegeben wissen möchte. Die Ansicht von „ewiger Berdanimniß" läßt U. überhaupt auf dem Boden deö Judeutbums nicht gellen (vergl. „Betrachtungen über Bonnet's Palingeneste", s. gcs. Schriften eck. Brockbaus III. S. 165). Aus Bade n. Var wenigen Tagen würde in Mannheim eiuje Radbinerkonferenz unter Vorsitz des dortigen Stadtrabhiners. Dr. Friedmann abgehalten. Gegenstand der Berathunq war die neueste Kirchenve-fassung. Man einigte sich dahin, baß die Autorität der Gemeinden aufrecht gehalten w rven sollte, wollte aber eine '.naßgebende Stimme in allen kirchlichen Angelegenheiten nicht unbeachtrt wissen. Es ist wirkt cd in unserem jüdischen K rchen-, Schul- und Gemeindeileben ein unverantwortlicher Jndlfferentismus eingetrete», dessen schädliche Folgen am meisten den Rabbinern zur L-:st fallen. Wir wollen zwar nicht ungerechterwei'e Alle richten und verdienen,besonders Männer wie die HH.. Schott in Bühl, Geismar in Sinsheim, Fürst in-Heidelberg und Dr. Friedberg rn Mannheim alle unsere Anerkennung. 'Die edeln und segeiisretSen Früchte dieser Reforiner sollten nur desto nu'br die ädrigen Collegen zur Nachahmung anspornen. Es läßt sich zwar nicht in jeder Geineinde nach diesem Beispiele zu Werke gehen uno haben wir deßhalb nur allzusehr oi« Lückenhastigkeil der Kstcyenveriassunq (sollte besser Gemeindeveiflassung heißen) zu beklagen. Religionslehrer und Vorsänger sind ganz iguorirt und könnte man, wie wir keck behaupten dürfen,. diesen Amgestellten in Synagogen- und Scyiüam.ciegendeiten dieselbe Stimme einräumen, wie den Synagogenräthen, die auf dem Lande meist aus lauter unerfahrenen Männern zusammengesetzt sind. Eine Unverantwortlichkeit können wir im Interesse dieser Bediensteten nicht verschweigen, daß nämlich selbst die Anstellung und Entlassung der Laune des Synagogenrathes anheimgestellt ist. — Ein Vorsänger bildet eine lebendige Maschine des Vorstandes in der Synagoge, die nach Wunsch und Willen in Bewegung gesetzt oder ganz als unbrauchbar adgesetzt werden kann Hätte man die Verhältnisse der Religionslehrer und Vorsänger zum Synagogenrathe nach dem Muster unseres Nachbarstaates Württemberg geordnet, allgemeine Zufriedenheit (mit Ausnahme der Hyperorthodoxen, jüdische Ultramontane) (? Red. d. „I. L.") wäre der Dank i

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