Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 21 (24.5.1866)
- Date
- 1866-05-24
- Page
- Seite 89 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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89 ' 1 in allen Schichten gewesen. Wir hegen die Hoffnung, daß besagte Mängel noch beseitigt werden, ehe diese neue Schöpfung in's Leben tritt. (Mittelbadischer Courier) Laupheim (in Württember>). E-Z besteht hier ein jüdischer Leseverein, der circa 120—130 Mitglieder hat. Auf Antrag eines der Mitglieder, Herrn Dr. Bernheim, sollten während des Winters innerhalb des Vereins Vorträge über Erziehung gehalten werden. Der Ausschuß ersuchte den hiesigen Oberlehrer,'Herrn Elsaß >r, darum, der diesem Ersuchen auch bereitwilligst cntaeqcnkam. Herr Elsäßer, de/ auch in weiteren Kreisen als Literat und tüchtiger Pädagoge bekannt ist, dielt an fünf Sabbaten in geräumigen Lokalen vor einem zihlreichen, aufmerksamen Publikum je einen etwa anderthalbstündigen Vortrag. In. einem kurzen Abriffe von der Geschichte der Erziehung sprechend, kam Herr E. auf die körperliche und dann geistige Erziehung des Zöglings im Säuglings-, im Kindesrc. bis zum Mannes- und F'aucnalter, in scharfen Umriffen die jedesinaligen Einwirkungen einer guten und einer schlechten Erziehung hervorhebend. — Einige Gedanken au? dielen anregenden Vorträgen werden auch hier am Platze sein. — Die gebildeten Völker des AlterthumS hatten entweder keine, oder eine falsche Erziehung. Die Aegypter z. B. tonnien sich' nicht frei entwickeln, weil sie vermöge ihrer Kastcneintheilung durch die Geburt schon das waren, was sie durch E Ziehung hätten werden können od r auch nicht hätten werden können. Die Spartaner und Römer bildeten in einseitiger Erziehung den Willen, die Athener das ästhetl'che Gefühl aus. Nur durch das Judenthum kam mit dem Monotheismus auch das rechte Erziehungsprinzip in die Welt: 1. B. M 16, I!) i'Pjn' '2 , das Bestreben des Erziehers, den Zögling zur Gottähnlichkeit heranzubilden.Die größten Erzieher des Volkes in dicseni Sinne waren die Propheten. Das. wichtigste Erziehungsbuch der Menschheit ist die Bibel. Die kernbaftesten Lehren für jeden einzelnen Erzieher sind in den Svrüchen Salomo's enthalten. Das Judenthum hat sich erbalten, weil es sich gegen fremde Sitten nicht abschloß, sondern diese vielmehr ausnahm und judaisirte, oder weil es sich zeitgemäß entwickelte; nur im Mittelalter sind darin Rückschritte zu bemerken. Das Kind muß ^zkü^Religiosität erzogen werden;-das geschah früher; die Gebräuche unserer Vorfahren werden häufig als Aberglauben verlacht; wie schön sind sie aber in ihrer wahren Bedeutung aufgefaßt: Leder ist eine schwer verdauliche Speise; um sie dem Kinde zu verbieten, sagte man, durch ihren Genuß vergäße man die erworbenen Thorakenntniffe; man soll sich, wenn man reist, auf keinen Markunqsstein niedersetzen (wegen einer Erkältung); denn, sagte man. es wohnt ein bö er Geist darin. Alles wurde mit der Religion in Verbindung gebracht, denn eine Regel, als ein Gesetz von ihr gegeben, machte jede Widerrede verstummen und' machte die Be'olgung der Lehre gewiß. Der erste Tribut der Sprache war das per. Schon von Jugend auf hat man dein Kinde kleine hebräische und deutsche Gebetchen zu lehren; denn das Kind fühlt das Heilige und Erhebende derselben, wenn sie ihm nur mit der gehörigen Würde vorgesprochen werden. Das S Leben hindurch soll die Sprache nur zu Edlem geht und demgemäß ausqebildet werden; hier betont Herr E. das Verwerstiche des Gebrauches vom jüdisch-deutschen Jargon zu wiederholtenmalen. Nachdem er auch die verschiedenen Unterrichttanstalten und namentlich die Volksschule berührt, warnte er vor dem zu frühen Hinauischicken der Kinder in di; Fremde, wodurch sie der elterlichen Leitung entwgen werden und durch schlechte Gesellschaft hä«- sig auf Abwege gerathen. Der Mann ist der Repräsentant des Staates; er hat für die Gesammtheit zu wirken und einzustehcn; der Frau Beruf ist ein stilles Wirken im Hause für Gatte und Kinder.' Unwissend darf sie nicht sesii (Mirjam, Deborah, Rabbi Neirs Frau rc). ebensowenig sich aber auch emancipireu wollen (Äthalj l.'Henrrette Herz u. s. w). Zum Schluffe las Herr E. Schiller'S: „Würde der Frauen" und aus den Sprüchen Salomo's das 81. Capitel b-r, nrx. nor und fand das Ideal einer Frau :n letzterer Schilderung einfacher, aber erhabener und richtiger gekennz ichnct. Sind die.Eltern durch diese Vorträge angeregt worden, nachdenkend bei der Erziehung ihrer Kinder zu verfahren, so ist g wß ihr Zweck erreicht.*) Speyer. Am Sabboto grabend, den 12. Jiar (27. April), fand d-hrer die feierliche Einweihung der neuen Synagoge statt. Sie begann um 3 Uhr in Gegenwart der höchsten Staatsbeamten, des Regi-.cungspräsidenten, Bürgermeister und Stadtvorstand und vieler sonst noch geladenen Gäste. 'Nachdem die gewöhnlichen Ceremonien nach dem gedruckten Programme vollendet waren, hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Grünebaum aus Landau eine sehr erhebende Rede über die drei e:sten Verse des Wochenabichnitt.'s —'21 i'.-»-. D'mp , die alle Anwesenden tief ergriff und in die weihevollste Stimmung versetzte. Der Sabbatsrübgottesdienst war zugleich ausgezeichnet durch eine wahrhaft hehre Eonsirmationsfeier von 14 Kindern, „damit die geistige Weihe mit der räumlichen Hand in Hand gehe, dmn der schönste Schmuck des Gotteshauses — das sind seine andachtsvollen und religiösen Besucher." Auch hier u>a - es wieder die Rede Des Herrn Dr. Grünebaum über die talmudlch; Sentenz: „Die Kinder sind Bürgen der Eltern', die dem Feste den erhebenden Charakter verlieh. die noch lange im Gcmütbe der Anwesenden nachhallen und beitragen wird, dem neuen Gotteshause wahrhaft andachtsvolle Besucher zuznführen. 8ch. Penh. So eb.m w.rd ein von der Ostrrlamm'schen Buchhandlung in Pesth in 20,0<h> Ernnp'arc" aaigele >teunaa-ischrs El menta werk versendet, welches seinesgleichen in der deutschen . Lite-atumit. Dasi'elre nt von txm pro:estantisch ungarischen Verein mit dem e st'tt Preis gekrönt und bat den auch in weiten K eisen rüsmtichst bekannten Seminardirektor Joief Arvai in Iüro?-Prrak zum Verfasser. Wir erwähnen in diesen Blättern dieses Faktums mit um so aröße. em Jnteress ■, da im Vorworte der Herr Berfasiw eines Israeliten (des Her n Oaerleh-erS -I. Rosenmeoer, eineS geborenen Karheffen) als Mitarbeiter sehr warm erwähnt. (D-'borah.) *) Wir und gewiß auch unsere vcser würden rnserem geschätzten Freunde und ('»liegen, H rrn Slsäßer, sebr dank-ar sein, wenn derselbe diese Vorträge durch Abdruck in dielen Blättern einem größeren Urcise zugänglich mache.: wollte. Red. c. ,Jsr. Lebrer". I