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Der israelitische Lehrer · 1866-05-24 · 21 (24.5.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
21 (24.5.1866)
Date
1866-05-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Kr Jtemtitisrhf Lrkrrr. Zeitschrift fürdie gesammtcn Interessen des israelitischen LehrcrstandeS und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, kehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 21. . Mainz, den 24. Mai 1866. (Sechster. Jahrgang.) Wöchmtlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 lr. - 1,4 Thlr. Bei srantirler Zusendung unter jlreuzband jährlich 2 Jl. 12 kc. Anzeigm zu 1 Cgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Das Judenthum in seinem Verhältnis > zu Grziehung und Unterricht! (Schluß.) Allein Belehrung, Gewöhnung und Beispiels so mächtige Hebel zur Förderung des Erziehungswelkes sie immer-! h.n sein mögen, nicht ganz und für alle Fälle können sie doch genügen; denn da „das Dichten des Menschenherzens böse ist von Jugend auf", so wird, wo die Lust zum Schlimmen, die Neigung zum Verbotenen frühzeitig sich überwiegend geltend macht, zwar zuvörderst immer mit jenen Mitteln milder und sanfter Leitung, jedoch wo diese ihren Zweck nicht erreichen, auch mit ernsterer Waffe, der eigentlichen Zucht, der unerläßliche Kampf dagegen geführt werden müssen, und, immer freilich wieder in Verbindung mit jenen, nicht eher abgelaffen werden dürfen, bis der Sieg des'Besseren in des Kmdes Seele unverkennbar seststeht. Nun wohl, höre ich unsere Widersacher höhnen, hier kömmst du auf das rechte Feld wirklich jüdischer Pädagogik, denn nicht nur sind euere Jugendlchrer bis zur ^neuesten Zeit wahre Iugendp.iniger gewesen, sondern der weise Salomo selbst, euer bester Gewährsmann in dieser Disciplin, weiß in einer hübschen Anzahl von Sprüchen (13 24; 19, 18; 22, 15 u s. w.) nichts Besseres als den Zuchtstock für gute Erziehung zu empfehlen. Wohlan! ohne die ungeschlachten polnischen Lehrer (wenn sie nach ihrer höchst mangelhaften Vorbildung in intellectueller und moralischer Hinsicht diesen Ehrennamen überhaupt verdienen) aus den Zeiten geistiger Verkommenheit im Jndenthume irgend anders als eben mit ihrer Rohheit entschuldigen zu wollen, ist es doch wohl erlaubt zu bemerken, daß selbst hervorragende christliche Schulmänner (z. B. Protzendorf in Goldberg zur Zeit der Reformation) Stock und Lineal fast gar nicht aus der Hand legten, und diese Praxis in gar vielen christlichen Schulen noch jetzt mehr oder weniger im Schwung« ist. Wenn aber v der alte Salomo (vor fast drei JahrtausendenI) die rechtzeitige Handhabung des Zuchtstabes für nothwendig und heilsam, schwachmüthiges Mitleid hingegen als zum Verderben führend erklärt (19, 18:' Züchtige deinen Sohn, dann ist noch Hoffnung, aber auf fein Jammern achte dabei nicht, — 23, 14: Du schlägst ihn mit dem Stacke und rettest seine Seele von der Hölle), so ist das ein sicheres Anzeichen, daß unzeilige Nachsicht, weichliche Ueberspannung der Elternliebe damals wie heute in J'rael gang und gebe waren; gingen doch selbst die Besten und Höchstgestellten im Volke: ein Eli, Samuel und David hierin mit keinesfalls rühmlichem Beispiele den Anderen voran und mußten die Folgen dieser Schiväche in ihr Herz tödtlich verwundenden Erlebniffen tragen. Darum lagt der heutige Nestor pädagogischer Wissenschaft (Diesterweg, „lieber Erziehung") unter direkter Berufung aus Epr. 13, 24 (wer seinen Stock zurüchhält re.): „DerJugend die Strenge de^Zucht versagen,' wo sie Noth thut, ist lieblose Weichlichkeit und unverständiger Egoismus der Eltern. Eine strenge Disciplin in der^ Jugend, welche deni jungen Menschen Entbehrungen und Kamps auslegt, hat die größten Männer gebildet, welche oft leichter über die- Pyrenäen und Alpen schritten, als Andere, denen in der Jugend nur aus weichen Flaumen gebettet wurde, einen geebneten Spaziergang zurücklegten."' Daß alio auch der weise König nur in solchem Sinne die ultiw» ratio der Jugendleitung anrathen wollte, wer könnte daran zweifeln, der sein Buch nur ein Mal mit Aufmerksamkeit und rechtem Vcrständniffe gelesen, und dem darum die herzgewinnende, anmuthsvolle Ueberredungskunst nicht entgangen, die in Sätzen-liegt, wie (2, 1 ff): Dein Sohn! möchtest du meine Worte annehmen und meine Gebote bei dir bewahren, daß dein Ohr auf Weisheit horchte, du dein Herz neigtest zur Vernunft rc.; und (3, 1): Mein Sohnl vergiß meine Lehre nicht, und meine Gebote bewahre dein Herz; denn Länge der Tage und Jahre des Lebens und Friedens werden sie dir eintragen (vergl. 4, 1 ff., 5, 1 ff., 13, 17 u. v. A.). Enrst mit Liebe, Strenge mit Milde gepaart und harmonisch vereint, sie erscheinen demnach dem alten Epruchredner wie auch heute noch jedem erfahrenen Jugendbildner als die ewigen Grundpfeiler echt menschlicher Erziehungskunst, werde diese nun, wie in jener alten naturwüchsigen Zeit, von den Eltern allein, oder, den seitdem immer Herr-- schender gewordenen Sitten und Bedürfnissen gemäß, von

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