Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 20 (17.5.1866)
- Date
- 1866-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Extra-Beilage zum Äsr. Lehrer Nr. 2Ü. Odrrnhri«, am 7. Mai 1866. Geliebte Freunde und Äsllegen! <)a gestrige Tag wird mir unvergeßlich bleiben. Dank Ihnen, College« und Freunde, aus tiefster Seele für die lieben Worte und Wünsche,, die mir von Nah' und Fern zukamen, Dank Ihnen für die freundliche Gabe, zu der mehr als 115 deutsch-jüdische Lehrer beigesteuert. Sie haben mir mit dieser Feier, mit diesen Worten und Gaten eine heilige, bleibende Erinnerung verschafft, die uns auf ewig an einander kettet. Zu viel ist das des Lohnes für das Wenige, was meine schwache Kraft an dem herrlichen Werke gethan, das uns nur -gelungen ist, weil wir gemeinsam einem hohen Ziele zustreben; weil das Wort, das ich aussprach, Wiedertlang fand in den Herzen aller braven Lehrer, und Gunst bei Gott und den Menschen. Ja, Sie haben mich auf ewig gefesselt, aber ich trage diese Fesseln collegialischer Liebe mit freudigem Gemüthe. Wir könnte ich nach diesen erhebenden Beweisen Ihrer Anerkennung der Aufgabe untreu werden, die solchen Wiederhall fand? Wenn unter Lehrern, wenn unter denkenden Männern, unter BerufSgenoffea, ein Einzelner solches Entgegenkommen findet, so ist es eigentlich nicht dir Person^ der die« gilt, sondern die Idee, der stch dieser Mann gewidmet hat, indem er so glücklich war auszusprecheu und anzuregeu, was Viele zu gleicher Zeit dachten und wünschten, was 'Viele noch besser vielleicht vollbracht hätten, wenn sich ihnen ebenso günstige Gelegenheit geboten hätte. Erlauben Sie mir darum diese Idee, die objektive Grundlage Ihrer liebevollen Worte und Geschenke, mit welchen Sie mich gestern überrascht und beglückt haben, hier nochmals kurz zu bezeichnen. Wir wollen sein ein einiger Kreis vou Brüdern. Ist es nicht schon ein erhebender Gedanke für jeden denkenden und fühlenden Genossen, daß 112 jüdisch-deutsche Lehrer sich vereinigen konnten, um Einen ihre« Gleichen in solcher Weise auszuzeichnen? Das ist auch ein herrliche» Zeugniß des erwachten GrmeinsinnS, des StandrtbewußtseinS, das sich zum erstenmale in solcher Weise auSsprach und daS zu den freudigsten Hoffnungen berechtigt. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit zu kräftiget» muß unser heiligstes Bestreben sein. Aber jedes Standesbewußtsein kann nur entstehen, gehoben und getragen werden vermittelst der Erkennftnß von der Erhabenheit der beruflichen Aufgabe. WaS ist der Lehrer in der jüdischen Gemeinde? Alles! Wenn auch die Schule im Allgemeinen nur ein Faktor des Lebens ist, das noch von manchen anderen Faktoren zum Theil in noch weit stärkerem Maaße beeinflußt wird, so ist der Bestand der Religion« gemeinde einzig und allein auf die Schule gestützt, und die Schule — ist der Lehrer. Eine Religionsgemeinde ohne Schule ist ein Körper ohne Seele. und selbst die Synagoge ist nur »in hohles Phantom, ein wesenloses Nichts, ein Gebäude ohne Fundament, wo ihr die Schule fehlt, die mit ihr arbeitet und für sie aufbauen muß. Andere Faktoren gibt es für daS Leben der Religionsgemeinde als solche nicht. In diesem Bewußtsein liegt die Hoffnung, .daß in der Vereinigung der Lehrer zu edlen Ziele« zugleich da» Heil der Zukunft der ReligionSgemeinde begründet ist. Und. wenn auch die Gegenwart dem Lehrer noch sehr viele Schattenseiten bietet, — wen« wir nur dabei stet» an unserer eig«, neu Fortbildung und an der Innern Hebung und Kräftigung unseres Standes arbeiten, wenn wir uns verbirrden zu edlen Zwecken, die in der Natur unseres Berufes begründet sind, so ist unsere Zukunft gesichert. Also Fortbildung und Einigung. Sind wir vereint, arbeiten wir gemeinsam an erhabenen Zielen, dir unsere Aufgabe bilden, so werden und müssen sie erreicht «erden. Der vereinsamte Lehrer ist ein schwaches Rohr, ein unglücklicher Mensch, dem bittersten Geschicke machtlo» preiSgegeben. Der geeinigte Lrhrerftand ist eine große, fast unbezwingbare Macht. Wollen wir unserer Aufgabe mit Treue und Hingebung dienen, so dürfen die gewöhnlichen Sorgen deS Lebens uns nicht zu schwer drücken. Darum war die Gründung unse-