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Der israelitische Lehrer · 1866-05-17 · 20 (17.5.1866) · p. Seite 85

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
20 (17.5.1866)
Date
1866-05-17
Page
Seite 85 (sequence 3)
Language
German
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85 f Weise» ist mehr «erth al« ihr Unterricht, so gibt scho» derkünigliche Spruchdichter in echt,israelitischem und zugleich pädagogischem Geiste die weise Regel (Spr. 22,6): „Gewöhne den Knaben zu de« von ihm einzuhaltenden Lebenswandel, so wird er auch im Alter nicht davon abweichen". — Ist rechte, vernünflige Erziehung aber vornehmlich Gewöhnung an das Gute und Löbliche, sowie Abwendung oder Entwöhimng vom Bösen und Verwerflichen, so schließt die Jugenderziehung (und welch' unendlicher Gewinn liegt in dieser Bewährung der rabbinischen Satzes: eine Pflichtecfüllung zieht immer eine andere nach fichli damit zugleich den mächtigsten Sporn zur Selbsterziehung (bekanntlich die edelste Fracht und Vollendung jener), zur regen Aufmerksamkeit auf jede« der eigenen Worte und Thaten in sich, auf daß nicht Lüge und Unrecht, sondem Wahrheit und Gerechtigkeit, nicht Leichtfertigkeit und Bosheit, sondern Charakterfestigkeit und Menschenliebe durch Mund und Hand sich bethätigen, und so das lebendige, durch sich selbst redende Beispiel de- Vaters und der Mutter, der Lehrers und Erziehers der untrüglichste Wegweiser werde zu den Pfaden „der Tugend und des Rechtes", ob deren siherer Vererbung auf die spätesten Nachkommen Abraham von Gott auserwählt und gesegnet worden (t. B. M 13, 18 f.). Diesen ernsten Mahn- und Warnungsruf sollte daher auch das viel (schon von unseren Vätern im Lande J rael's, s. Ezech. 18) bekrittelte, aber wie der göttlichen Gerechtigkeit also euch der Natur und Erfahrung gemäße Princip göttlicher Weltordnung: „Er ahndet die Schuld der Väter an den Kindern rc.", ins Herz der Menschen tönen lasten; und Heil der Menschheit, wenn alle, denen die Heranbildung deS kommenden Geschlechtes anveotraut, um ihrer selbst und der jungen Sprossen willen ihm ein williger Ohr geliehen hätten, das goldene Zeitalter der Zukunft, da« der Propheten i'-'und geweistagt, hätte längst auf Erden feine Stätte gefunden' und läge er "icht auch uns nach Jahrtausenden noch in dichte Nebel ferner Zeiten gehüllt. (Schluß folgt.) ' Wochenbericht. AuS Westfalen, im April. Wir haben bi« jetzt keinen Bericht in Ihrer Zeitung von der am 15. März c. stottgefundenen Feier de« fünfzigjährigen Jubiläum« de« Herrn Lehrer Liepmannssohn zu Hom gesunden. Ein solches — man kann wohl sagen — seltenes Fest ist de» Berichte» in diesen Blättern würdig. Wir lenden Ihnen daher, wenn auch verspätet, den Festbecicht zu, welchen der in Lippstadt erscheinende .Patriot" vom 25. März darüber g> bracht hat. Derselbe lautet: Aus dem Kreise Lipvstadt. Wir haben heute über eine seit-ne Feier zu be ichten, die am 14 d. Mts. zu Hom st'ttfand — über die Feier des fünfzigjährigen Dienftjubiläums eineisraelitischen Lebrer«, und zwar de« auch in weiteren Kreisen rühmlichst bekannten S. L. Liepmannssohn, zur Zeit Lehrer der israelitischen Gemeinde zu Horn. Wenn schon eia Mann, der fünfzig Jahre hindurch als Lehrer der Jugend, als geistiger Führer der Ge neinde gewirkt hat, unsere Sympathie und Anerkennung an und für sich in Anspruch nimmt, so treten im vorliegenden Falle aber noch Umstände hinzu, die dieselbe vergrößern und vermehren Den« wir sehen in Liepmaunsohu nicht nur den fünfzig Jahre gewirkt habenden Lehrer, sondern auch den unermüdlich.« Borkämpfer der geistigen und sittlichen Hebung seiner Glaubensgenossen. Liepmannssohn entstammt dem LLichchest, Anhalt-Dessau, jenem Läidchen, dem de« Judenthu« so viele herrliche^ auf seine moralische und geistige Hebung so vortheilhast einvirkende Männer verdankt. In jenem Ländchen war die geistige Regsamkeit unter den Israeliten größer als im übrigen Deuschland, und die Saat, die Mendelssohn ausqestreut hatte, entfaltete sich dort früher al« andertwo. Das zeigte sich blonder« in der Gründung einer trefflichen Lehranstalt, der Fcanzschule zu Dessau, in welcher die israelitisbe Jugend auch im Deutschen unterrichtet wurde. AuS dieser Anstalt, an welcher Mäau-r wie G. Salomon, M. Philippsohr. und I. Wolf unterrichteten. gingm treffliche Jünglinge hervor, die sich de« Lehrerstande widmeten und als Pioniere der Cultur und Bil ung in alle Gegenden -Deutschlands zogen. Zu diesen Jünglingen gehörte auch unser Liepmannssohn^ der nach Westfalen seinen Schritt wandte und im Jahre 1816 zu Bünde sein« Wirksamkeit al« Lehrer begann. Er ist also einer der Männer, die die Israeliten Westfalens in de« Kreis allgemeiner Weltbildung einführten, und sie deutsch reden und denken lehrten. Wo er die geistige und moralische Hebung seiner Glaubensgenossen galt, da war Liepmannssohn ein Mann am Platze; durch Wort, Schrift und That wirkte er in dieier Hinsicht uns sein wohühueube Einfluß auf alle Perhältniffe seiner Glaubensgenossen ist nicht zu verkennen. Er war es, der die schöne Feier der Confirmation in Westfalen unter den Israeliten einfübrte und überhaupt den Gottesdienst in jeder Beziehung hob und veredelte. — Die Bescheidenheit der Jubilars wollte es nicht zulasten, dem Feste die Ausdehnung zu geben, die es verdient hätte. Wäre die Feier de» Jubiläumallgemeine: bekannt geworden, wir sind gewiß, daß die Dankbarkeit, die die Glaubensgenossen deS Jubilars gegen denselben hegen nüffen, sich in jeder Weise bewährt hätte. So blieb die Feier, auf die Gemeinde, in der der Jubilar zeitig wirkt, beschränkt, und ia ihrem Kreise uns de« einiger seiner College» beging der Jubilar seinen Ehreutag. Die Feier wurde mit einem Gottesdienste eröffnet. Herr Lehrer Wolfsdocf aus Erwitte hielt die Festrede. I« ergreifenden Worten feste er die Bedeutung der Jubelfeier auseinander Auch der Jubilar, der weithin erneu Ruf als Prediger hat, bestieg die Kanzel und brachte de« Höchsten den Dunk dar' für die Gnade, mit der er ihn durch fünfzig Jahre mühevoller Arbeit in Schule und Gemeinde ge.eitet und geführt hat. 'Während des Tages erhielt der Jubilar aus verschiedenen Qrten, in denen die Jubelfeier bekannt geworden war, und von vielen frühere» Schülern Beglückwünschung«- und Anerkennungsschreiben. Der Abend vereinigte die israelitischen Bewohner Horn», denen sich einige christliche Mitbürger angeschloff.m hatten, in fröhlicher Gesellschaft um den Jubilar. Cr sind überhaupt die Beweise der Liebe und Dankbarkeit, die die Ge-

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