Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 19 (10.5.1866)
- Date
- 1866-05-10
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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kömmt au» de« einen Grund«, der Me» trägt: au» der Religio«. Diese Auffassung bringt div Verpflichtung mit sich, für die Lusbildung de« jüdischen Schulwesen« zu wirken. E» gibt vaterländische Echulblätter der edelsten Art, die wir mit voller Liebe lesen. Aber sie.stehen alle^ammt auf christlichem Boden, und wir würden lügen, wenn wir de- S,te» wollen, daß auch nur «in einzige» un« in jeder ehung und zu jeder Zeit völlig genügen kann, mit r» Wolle» und Thun ganz und in Allem übereinstimmt. Da aber die jüdische Presse alr solche de« allgemein jüdischen Zwecke dienen muß — wenn auch die Schule da« ^rzügluhste Institut der jüdischen Gemeinde ist, — so ersteht hieran» die Aufgabe, für den besonderen Beruf de» jüdischen Lehrer» geeignete. Organe zu schaffen, und für die jüdische Schule als solche zu wirken. Darau» folgt von selbst, daß auch die Interessen der Schule im Allgemeiueu, ebenso «te die de» Judenthum» als leitende Faktoren bei un« in Mitleidenschaft gezogen und von unstet» in gleicher Weise berücksichtigt werden muffen. Da» ift unsere Aufgabe, da» ist unser Ziel Wir wolle» eiue echte, und rechte deutsch-jüdische Schul« schaffen delfen; eine deutsche Schule voll Kraft und Saft, die stch ihrer vaterländischen Aufgabe bewußt, im Geiste des Fortschritt» an der nationale» Erziehung mitwirkt; eine wahrhaft jüdische Schule ,_b« auf altehrwürdigem jüdischem Boden stehend, da» Judenthum lehrt in seinen heiligen Schriften, tu seiner oieltausendjährigen Geschichte, in seinem warme« Leben. Diese beide« PrMcchien müsien sich einanver durchdrtngen und ineinander aufgehen »der die Schule — ist der Lehrer. Ist der Lehrer gut, so ist die Schule gut. Und noch ein», wa» gewiß, wahr »nd wahrhaftig ist und. wa» wir nicht genug hervorhebe» können. Wie der Mensch in Einem ist, so ist er in Alle«. Der rechte, tüchtige, ganze Mensch tritt überall mit seiner ganzen Persönlichkeit ein. Da ist kein Stückwerk. Der rechte Lehrer ist ein warmer Patriot, ein begeisterter Jude, ein braver Mensch. — wie er ein braver Familienvater rst. Der rechte Lehrer ist ein fühlender Senoffe, ei» tteuer Kollege, ewig strebend, stet» an seiner Fortbildung arbeitend. Wer uicht» weiß, kann kein Lehrer je«. Wer nicht an seiner 'Fortbildung arbeitet, ist ein Laglöhner der Schule. Wer für sich nicht» taugt, taugt für Arche» noch weniger. Wer, ol» Lehrer, an seiner Fortbildung arbeitet, an dem Leben und Streben seiner Genoffe» Theil nimmt, ist unter hundert neunundneunzig- «ol muh eia gewissenhafter Lehrer. Wer sich um die Gesammthert der Lehrt.! nicht lümmect, ist ein schlechter Lehrer auch i» seiner Schule. Wa» soll un» die Fortbildung, wa» find un» die Genoffen, wen« nicht der Schule, de» gemeinsamen berufliche« Wirken» Willen? So ist ein» in Alle»; der recht« Lehrer ist recht und ganz in jeder Art. I», die echten vud rechten Lehrer sollen mehr «erden in Israel und dann wird e« besser werden. Da» war und bleibt unser Streben, da» ist «nser Ziel. Sind wir darin in den letzten fünf Jahren weiter gekommen? E» ist viel gewönne» worden durch den „Jsraelttffchen Lehrer", da» läßt sich nicht leugnen; ror Allem ist e» die Kräftigung de» Gemetnftu»«», da« Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, da» Bestreben, sich aneinander anzuschließen, einander zu helfen und zu unterstützen, da» rege gewordene Gefühl nach gegenseitiger Belehrung, wa» un» diese Jahre gebracht haben. Damit ist schon viel gewonnen, sehr viel. Die» Gefühl, gehörig entwickelt, kann für die Zukunft de» deutsch-israelitischen Lehrerstande« von unermeßlichem Erfolg« sein. Ist es wirtlich gleichgiltig für den hessischen Lehrer, wie e» dem bayerischen und für den bayerischen Lehrer wie es dem Würtemberger und Ladenser und Kurhessen und Hannoveraner ergeht und „wie sic's dort treiben?" Die jüdischen Lehrer haben überall vielfältig die ähnlichen und gleichen Berhältniffe, uno wenn auch manche Lehrer in manchen Siäätchen sagen e wir find „in Allem" den christlichen Lehrern gleichgestellt, so ist da» doch nicht wahr, mindesten» nicht ganz wahr, nicht in den tieferen Beziehungen — in der innere Stellung zu unseren Gemeinden. — Da hat der jüdische Lehrer von Hannover mit dem in Würtemberg gleichere Verhältnisse, al» der Mische Lehrer dvlttn mit dem im selben Orte wohnende» christlichen Lehrer. Die Gemeinden, ach. die Gemeinden I Wohl e» gibt brave «nd einsichtsvolle jüdische Gemeinden. Aber in der Masse ist noich so viel Rohheit, noch so viel Mifacktang für den Lehrer, so viel Traurige», daß der Schmerz ob der schimpfliche» rücksichtslosen Behandlung auch den Strebsamste« zuweilen niederdrückt und in seinem tiessten Sein zu schädigen droht. Die Gemeinden wiffen noch nicht, wa» der gebildete Mann, wa» der Lehrer der Kinder zu fordern berechtigt ist; sie wollen e» nicht wiffen. Wer sich biegen und krümmen, heuchle« uub schmeicheln kann. der ist der Mann, der wird geschätzt; und die tüchtigste Leistung, die hingebenste Liebe zum Berufe wird, verkannt und mißachtet. Da ist kein Erbarmen und keine Einsicht. Gott bewahre, daß wir die» von allen Gemeinden in gleicher Weise sagen wollten. Aber e» gibt doch deren — leider in Menge noch, wo die Frau de» Vorstände» wegen eine» Bandes, da» de» Lehrer« Frau am Hute hatte, wegen eingebildeter Vernachlässigung de» schuldigen Respect» dem diensteifrigsten Lehrer das Leben zu verbilteru im Stande ist. Da muß denn auch da» gemeinsame Organ de» Lehrerstande» eintreten, da» Selbstbewußt'«« aufrichten und Mittel und Wege btete«, um aus die Äcmeindcangehörigen wirken zu können, durch die Hebung des Stande» da» Standerbewußtsein kräftigen «nd bie Interessen Aller zu fördern. So ist denn tn diesen ersten Jahren seine» Bestehender „Jsr. Lehrer" ein Freund vieler Eollgen geworoen, ein gern gesehener Gast Und er soll'» immer mehr werden. Dazu bedürfen wir aber der eifrigen und hingebeuden Mitwirkung aller strebenden Glieder unsere» Stande»! Sie Alle müssen sich al» ständige Mitarbeiter bettachten und un» unterstützen durch Benachrichtigungen, CorreSpon« beizen, tüchtige und gute, Neue» und Beachtenswerthe» bietende pädagogische Abhandlungen. Wir sind mit Vergnügen bereit, für gute Arbeiten Honorar zu bieten, sobald un» die Verhältnisse in den Stand setzen und wollen jetzt schon allen denjenigen, welch« uns al» ständige Mitarbeiter monatlich mindesten» eine Tom-pondenz au» dem Schul-, Synagogen- oder Ge«