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Der israelitische Lehrer · 1866-05-10 · 19 (10.5.1866) · p. Seite 79

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
19 (10.5.1866)
Date
1866-05-10
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 gleich schimpflichen Schmähungen traktiren, wie ihre principiellm Gegner. Warum uns deßhalb graue Haare wachsen lassen, wenn man uns in ähnlicher Weile entgegentritt? Die Zeit, wo das Wort to” uh ’n wp nn» volle Bedeutung für uns hatte, ist vorüber! Wir dienen unseren Zwecken interesselos. Wir gehen darum unseren Weg, still und unbekümmert. Das Gebrüll und daS Gebrumm soll uns ebensowenig als das leise schlangenhafte Zischen aus unserer Ruhe stören. Wir haben Ausharren gelernt, und bleiben auf unserem Platze. Aber auch unter den Lehrern haben wir Gegner aus gleichen nichtssagenden Gründen. Würde unser Blatt in einer bedeutenden Stadt, von. einer theologischen 'ober phililogischen Größe, von einem Schuldirektor redigirt werden — ein großer Theil der Lehrer würde weit eher zugreisen. — Einem einfachen Dorfschulmeister freilich gegenüber sagt man: was kann von daher Gutes kommen? Was kann man von Lehrern lernen? u. s. f. Wir wollten und könnten, nie der Lehrer der Lehrer sein. Wir haben uuS nur zum Vertreter der Idee der geistigen Einheit, der gemeinschaftlichen Interessen der Lehrer gemacht, nicht weil wir unS höher stellen wollten, als andere Lehrer, sondern weil wir in unS daS Bedürfniß fühlten bic ’ntaen von Allen zu lernen, mit Allen in geistige Gemeinschaft zu treten, das jüdische Ledrerwesen fortzubilden, den traurigen Verhältnissen des größten Theils der Lehrer abzuhelfen; weil wir und mit uns viele edle, hochstrebende Genossen, das Bedürfniß fühlten, einen Mittelpunkt, einen Sprechsaal für die Lehrerwelt zu schaffen, in deren Hände dar Heil de» Judenthums liegt, um die Müden zu kräftigen, den Bekümmerten eine Stätte zu bieten, wo sie ihren stummer autsprechen können, wo sie gewiß sind, Theilnahme zu finden, und vor Allem zum andauerndsten, begeisterten Weiterstreber, zu ermuthigen. ' icm unjy ,-un ij? So sind wir mit Gölte- Hilfe bis hierher gekommen. Unter steten stämpscn um unsere Existenz mit offenen und geheimen, principiellen und persönlichen Feinden, inmitten der Lässigkeit und Abneigung selbst vieler unserer College« haben wir mit der Hille Gottes und unter der begeisterten Mitwirkung edler Männer und treuer Genoffen ein Werk gegründet, daS bereits lebenskräftig dasteht, Heil bewirkend für Viele, für hilfsbedürftige Lehrer, für deren Wittwen und Waisen. Und dies Werk, das unsere schwache straft angeregt , überragt an wahrhafter Herrlichkeit und hohem Segen alle gemeinsamen Institute, welche das neuere Judenthum geschaffen. Mit dem Tage seiner Gründung aber habe« wir die Leitung de» Vereins m die Hände fähigerer, befferer, geeigneter Männer gegeben und uns vordersamst von diesen nur mit der materiellen Geschäftsführung nach den «ns zugeferttgten Instruktionen betrauen laffen. Wir find jederzeit bereit, wenn man unS nicht mehr fähig oder nothwendig halten sollte auch hiervon zurückzutreten, und die geschäftliche Leitung anderen fähigeren Händen zu übergeben. Wir maßen unS durchaus nicht an, das, wozu wir persönlich wohl den Impuls gegeben zu habe» uns glücklich fühlen, auch als unser Werk zu betrachten, wenn wir auch zuweilen so uns auSdrücken. E» ist das Werk der jüdisch-deutschen Lehrerwelt, und wir haben darum auch «tt Mißmutöfters den Ausdruck „Klingenstein'schrr Verein" in anderen Zeitschriften bemerkt. Wir konnten dann keine Achtungsbezeigung finden, fürchteten vielmehr, man wolle mit diesem Ausdrucke daS Vertrauen der Lehrer, da» sie uus geschenkt haben, dem Vereine entziehen. ' Eigennutz und Selbstsucht find nie die Leiter unserer Handlungen gewesen und «erden es nimmer sein. Wer für den jüdischen Lehrerstand und nur für denselben wirken will, muß sich dieser Gelüste .entschlagen und wir haben de Wahrheit, die uns der selige Präger bei der Gründung unseres Blattes entgegenhielt: ' „Kapitalien werden Sie m t Ihrem Blatte sich nicht erringen" im Voraus erkannt und beherziget. Wenige unserer College« werden im Stande sei«, die Arbeitslast zu demeffen, welche die geschäftliche Leitung des Vereins mit sich bringt, die wir übrigen» mit Gotte« Hilfe willig und freudig tilgen.' . So stehen wir denn st st auf der Stelle, auf die wir unS freiwillig gestellt hadn, und «echen unsere sträste auch fernes der erhabenen Aufgabe und den edlen Zielen, welchen wir unS gewidmet haben. Was wollen wir? WaS ist unsere Aufgabe? Wir sind Lehrer. Als deutsch« Lehrer nehmen wir Theil an Allem, was die deutsche liehrerwelt bewegt und erziehen und unterrichten im deutsisen Geiste und in deutscher Weise Pestalozzi und Diesterweg siud auch unsere pädagogischen Führer und die Erziehung zur Eelbstthätigkeit im Dienste de» Wahren, Gute» uud S hönen, das entwickelnde Priucip, die deutsch nationale Eczies uog find auch für uns die Ziele, nach welchen wir streben nit voller Kraft uud in opferfähiger Begeisterung. An'n Vaterland, an's theure, schließt sich der deutsch-israelitischt Lehrer an und dienet ch» mit freudigem Semüthe. Darum ist auch die allgemeine pädagogische Literatur für/ uns dasselbe, was sie für alle deutsche Lehrer ist. Die „allgemeine deutsche Lehrerpersammlung" ebenso wie / die provincrellen und örtlichen Eor.fereuzen finden unseoe regste Thellnahme, in der wir vor keinem strebenden deutschen Lehrer zurückstehen dürft«. Aber wir find auch Juden; wir sind jüdische Lehrer. Als solche, al£ jüdische Lehrer find wir aufger besoldet von unseren Gemeiudeu einer sündhaften Untreue, ein.« ensmißb'rauchs schuldig machen, Ausgabe als jüdische Lehrer nicht bewußt werden und sit erfüllen. Schon unsere eigene lleder« zeugung und unser Herz muffen unS die Pflicht auferlege», die reine und klare Lehre de» Juden.hum» und sein heiliges Gebot zu unterrichten, m unsere Kinder einzupflanzen. Könnte unser vaterländisches Gefühl mit unserem Judenthum in Confltkl kommen? Unmöglich! Nie und nimmermehr! Das Judenthum, als Religion, muß dm ganzen Menschen umfaffen, alle sittlichen Regungen in sich aufnehmen; und,so kann eine so heilige Pflicht, wie die Liebe und Treue gegen das Vaterland, nimmermehr in ZwiespaU mit dem religiösen Thun und Denken gerathen. So ist dmn Jbai Wirken und Streben als jüdischer Lehrer nicht ein Theil unseres Gejammtwirken», sonderu, Alles! Was wir thun und streben, wollen und fühlen nommen und werden und wir würden un» verbrecherischen Vertrh wollten wir uns unsere

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