Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 19 (10.5.1866)
- Date
- 1866-05-10
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I 78 aber asftng zu weinen, unk sstßen Zucker und Mich und Zwieback und noch andere Dinge verlangte, die Geld kosten, da verließen sie dasselbe und uns, überließen uns das Schaukeln und die Ernährung; — sind wir nun nicht berechtigt, uns allein auch, als den rechtmäßigen Baker zu betrachten? Vorüber, Gestalten! . | Es dauerte lange, bis sich unter einer nur einigermaßen i entsprechenden Anzahl von Lehrern, die .Uebeneugung feststellte, daß ein solches Organ für fdie jüdische Lehrerwelt doch nicht ohne Bedeutung sein möchte. Da waren vor Allem die Gleichgiltigen, Fertigen, für die alles, was Bewegung bringt m dm trägm Körper der Lehrerwelt, gar nicht vorhanden ist, die nur sich kennen und ihr armseliges Leben; sie hielten sich — und halten sich auch heute noch ferne, dmn was nützt ihnen eine Zeitschrift? Sie lesen nicht, sie denkm nicht, sie haben keine Lust an Fortbildung, kein Gefallm an geistiger Erregung. Sie lassen sich durch nichts in ihrer Ruhe stören, und lächeln höhnisch, wenn man ihnm mit solchm Dingen naht, die nicht alsbald einm Vortheil für dm Säckel dringen. Es sind die faulm Glieder deS Lehrkörpers, unb ihre Zahl — ist Legion. Sinds etwa nur die Alten, die Lebensmüden, die ein Recht hätten auf Ruhe? — Nein, zsist in neuester Zeit in dies.n Blättem wiederholt darauf hingewiesewworden: es sind auch die Jungen unserer Zeit, die keine Fonds haben, die sie vermehrm könntm. „Nicht die, welche viele Jahre zählen, find auch immer geistesalt, d. i. stumpf und theilnahmlos und unempfindlich für Bewegung und Entwicklung des geistigm LedenS, ebmsowenig wie die immer jung sind, welche deren wmig« zählen. Es gibt Greise von zwanzig Jahren und Jünglingsfrische unter grauen Haaren. Uno mir drängt sich gerade die Erscheinung auf, als finde fich unter dm Zehrern die Frische des Geistes vorherrschend unter dm älteren, und die Verkommenheit; die B last rt heit, das geistesarme Alter unter dem jüngeren Nachwuchs." So spricht ein Mann, der Erfahrung hat *); es gilt auch oft für die jüdische Lehrerwelt. Bekanntlich hat jede Regel ihre Ausnahmen, und es gibt sehr ehrmwerthe Ausnähmen, auch unter den jungen Lehrern. Ader warum sollten wir nicht das Recht haben, zu sagm, wo es hapert? Ja, egibt auch unter den jüdischm Lehrern, — die doch, wollen sie. ihrer Pflicht genügen viel wisim müssen (z. B. in religwsm, hebr. Fächern) Menschen, die sich im Seminar oder anderwärts für den Lehrerberuf; d. h. für „die Prüfung" fettig machen, und dann fertig sind, für immer! Wahrhaftig, für solche Menschm ist ein Organ unnütz, „sie haben j sich mit dem Säugrüssel des Genusses, der Bequemlichkeit und Ruhe iw ihr philisterhaftes Dasein eingebisseu; siel haben dm äußerm Mechanismus des LebmS umklammert; jede Bewegung ist. ihnm lästig und störmd, ihr höchste» Ideal ist das der Ziegelstreicher Gosm's um der Fleischtöpfe Egyptens; und wenn sie dm Blick einmal *) SBaulrr, rheinische Blätter, des XVII. Bandes der neueste» Folge, 1. Heft. erhebe», so geschieht es nur, um ei»en Maniiaregm z» entdecken oder — aufzufangen. So wenig aber jene gosener Ziegelbrenner inS gelobte Land kamen; ebm so wenig werdm unsere „fertigen" Schulmeister, dmm dse Schule nichts ist als die milchende Kuh, die sie mit Butler, oft nur mit Quarg versorgt, die Organe einer gehobenen Volksbildung und eines gesunden Lehrkörpers werden, in dem der heilige Geist jugendlicher Frische, : edler Gesinnung und thatkräftigen Strebens wohnt*), l Aber, wir hattm noch Anderes und Andere z« über- I winden. Wir wollen nicht reden von der augmdienerischm ■ Klasse s. g. orthodoxer Lehrer, die dasjmige, was von einem j „neumodischen" Collegen ausgeht, schon um deßwillen vor-! nehm ignoriren, und genug zu thun haben, um die Organe j der Hyperorthodoxie und die Zwecke derselben zu unterstützen. Wir sind nicht Gegner der gesetzestreuen Richtung! im Leben und im Thun. Wir haben so manches Wort i gegen jene Partei gesprochen, aber nicht in dem Sinne,! als gönntm wir jenen' Männem die Befnedigung nicht,! die aus der treuen und hingebenden Erfüllung der religiösm! Gebräuche erfolgt. Wir kennen diese Befriedigung und; achten sie. Aber verachten und bekämpfm>müssen wir die Afterfrömmigkeit, die Heuchelei, das Renegatenthum, und 1 eine ßchmach fnr das Judenthum ist der Ton, die Art und Weise des Kammes, die fich in den Organen dieser Richtung breit macht, me jeden fortschrittlichen Gedankm, der sich naturgemäß auch in einer der Schule gewidmeten Zeitschrift zuweilen aussptickt, unterdrückm möchtm. Wir haben mit dieser Clique Erfahrungen gemacht, die )u den Herbsten unseres Lebens gehörten, obwohl sie, gelobt fei Gott, auch Erhebendes füi uns in Gefolge hatten. — Unsere Leser kennen die Geschichte; freist so alt und doch soneu; — die „Mainzer Zeitsing" schrieb unlängst mit Recht: auch unter den Juden gibl's Jesuiten. sAber nicht allein die orthodoxe jüdische Presse, sonder» die deutsch-jüdische Presse überhaupt hat uns — mit Unfreundlichkeit behandelt, und hätte uns am liebsten todtgeschwiegen. Nur der ungarische „Ben Chananjah" erwähnte uns zuweilen in freundlicher Weise. Wir waren anfänglich freilich bitter geworden wegen dieser Behandlnngsweise, haben unserem Unmuthe in heftigen Worten Ausdruck gegeben — aber mit der Zeit haben wir uns gettöstet, und auch wir — können jetzt schweigen. Warum sollten wir diese große Kunst nicht ebenso gut üben können, als andere Leute? Wir haben endlich herausgefunden, daß eben eine schlechte Parteidisciplin unter den Führern der fortschreitenden Richtung des deutschen Judenthums herrscht, daß man nur das persönliche Interesse über das Allgemeine setzt, die Concurrenz scheut und diese zu unterdrücken strebt^, ohne Berücksichtigung des Werthes und der Richtung de» neuaufstrebenden Blattes. Wir haben, so jung auch unsere Erinnerung ist, doch herauSgefuuden, daß wir eben nicht allein so behandelt werden, daß vielmehr noch nicht eine einzige der jüdischen Zeitschriften von der älteren Schwester freundlich begrüßt worden, daß vielmehr alle sämmtlich stetmit einander auf dem Kriegsfuß stehen, und daß auch jetzt noch die Blätter, welche gleicher Richtung huldige«, sich mit *) SSanber, ebendaselbst.