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Der israelitische Lehrer · 1866-05-03 · 18 (3.5.1866) · p. Seite 74

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
18 (3.5.1866)
Date
1866-05-03
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 seine Selbsterhaltung, für die Erhaltung der nothwendigsten Institutionen Sorge tragen und dasjenige leisten als Gesammtheit bei gegenseitiger Freiheit, was eine einzelne Gemeinde nicht sür sich fertig bringen kann. Es muß gemeinsam Sorge tragen insbesondere für die Ausbildung und Beförderung der Lehrerdamit den Männern höhern Alters nach den jetzt allerwärts geltenden Grundsätzen entsprechende Steigerung im Gehalte, Avancements, werde, und nicht, wie es leider im Gegentheil sehr oft der Fall ist, der Lehrer, je älter er wird, desto mehr im Gehalte zurückgeht, von einer Gemeinde zuk andern geschoben wird, bis er zuletzt — dem Elende anheimsällt. Glückliche Lebensgeschicke, die nicht innerhalb der Lebenssphäre des Lehrberufs liegen, mögen Viele vor diesem traurigen Ende bewahren, ater — es kann doch und muß sein, wenn nicht äußere, gar nicht absehbare Zufälle eintreten. — Das ist das traurige Geschick der nicht d es insiti ^angestellten Lehrer. In der Jugend, in der kraftvollen Periode des Lebens, werden sie von den Gemeinden ausgenützt, im Alter verstoßen, mit Undank belohnt, dem Elende Preis gegeben. Und wenn es auch nur selten vorkömmt in der Gegenwart, — daß es nur Vorkommen kann, ist schrecklich genug, und wir fürchten, es wird, wenn nicht günstige Fälle eintreten, die eine totale Umgestaltung des jüdischen Schulwesens herbeiführen, auch die Zeit wieder kommen,-wo derartige grausige Fälle öfter Vorkommen. Und in den Ländern, wo der jüdische Lehrer dem christlichen vollkommen gleichgestellt ist? Mögen Sie mich thörigt schelten — ich habe kein rechtes Vertrauen zum vollen, dauernden Bestand dieser Berhältniffe, und ich kann die Uederzeugung nicht los werden, baß das Heil der jüdischen Schule nur herbeigeführt werden kann durch freie Organisation innerhalb der jüdischen Gemeinden. Ich glaube, daß gerade der Zeitpunkt, der.die. Schule ihres confessionellen Charakters gänzlich entkleidet, für die jüdische Schule eine Zeit der Krills, der traurigsten Leiden sein wird — doch, lasten wir die Prophezeiungen! Die Zahl jüdischer, vom Staate angestellten Bolkslehrer — in Bayern, Baden, Würtemberg und Hessen - ist wohl bereits eine große; aber die Zahl der nicht definitiv angestellten Religionslehrer ist doch noch bei weitem größer.. Und. auch für die s. g. Volkslehrer, die vom Staate angestellt find, hängt der Himmel nicht voller Geigen, und sie haben von einer besseren Organisation des jüdischen Schulwesens viel zu erwarten und zu erhoffen. Da möchte ich nun io nebenbei eine Erinnerung anknüpfen an einen Meinungskampf zwischen uns, den wir im vergangenen Herbste unausgefochten ließen. Sie hatten mit großem Jubel das Projekt eines „Jsr. allg. Vereins" begrüßt und glaubten schon, der Verein würde im Anschluß an die „Alliance" die Messiaszeit des Judenthums in kürzester Frist herbeiführen. Sie äußerten sich mißbilligend darüber, daß der „Jsr. Lehrer" nicht .n den Jubel mit einstimmte, während Sie doch glaubten, daß gerade der Lehrerstand berufen sei, das Vorhaben energisch zn unterstützen, da die Schule von einer solchen, Verbindung die segensreichsten Folgen zu erwarten habe. Ich war in der Theorie mit Ihren völlig einverstanden, aber ich sah leider voraus, was auch Ihnen jetzt mehr upd mehr zur traurigen Gewißheit werden muß; ich 'küßte, daß die Männer, die sich bei der Sache zumeist betheiligten, und an die Spitze stellten, der oder die Gründer, nicht selbstlos genug sind, um nur die Sache im Auge zu haben; ich sah voraus daß das an und für sich herrliche Projekt an kleinlichen Rivalitäten, an Personalfragen scheitern würde. Das ist leider so im heutigen Israel, und wird noch lange so bleiben; es ist ein eigenes trauriges Geschick des heutigen Judenthums, so traurig — daß ich meine Ansicht darüber etwa bis zur üio'a Woche zurückhalten will. Dann'ist ein Jahr vorüber seit dem Erscheinen der ersten Aufforderung, und wir werden sehen können, was aus dem Kindlein werden ^kann, oder ob's eine tobte Geburt war und bleibt. ' Gerade aber nur eine solche Bereinigung von Gemeinden und Privaten kpnnte eine Organisation schaffen, die auch den minderbemittelten Gemeinden es möglich machen würde, berufstüchtige Lehrer anzustellen, die aber auch ein geregeltes Avancement, Aufsteigen im Gehalte, definitive Anstellung und Pensionirung — letzteres mit Hilfe und im Anschluß an den Unterstützungsverein — bewerkstelligen müßte. Der Lehrer muß Hine Rechte und seine Pflichten in der Gemeinde kennen, seinem Wirken müssen feste Gränzen und doch natürlich auch geeigneter Spielraum geboten sein. Er muß vor der Willkühr der Gemeindeglieder geschützt sein und wissen, daß er, je länger und verdienstvoller sein Wirken ist, desto freier euch von Sorgen um seinen Lebensunterhalt hingestellt wird. Unfähige und rohe Subjekte, die ohne Bildung und Berufsgeschicklichkeit sich in den Lehrerstand als faules Gesindel eindrängen wollen, Menschen ohne guten Willen und Charakter dürfen nicht geduldet werden. Rur, wer sich für seinen-Beruf ordentlich vorgebildet hat oder vorbilden will, verdient Unterstützung und Beförderung. Mit einem Worte: es muß eine feste Organisation des Schul- und Gemeindewesens der Zerfahrenheit ein Ende machen, die heute auf diesem Gebiete herrscht, die den verdienstvollen Lehrer zum Spielball der Laune eines rohen Parneß und seiner misantropen Frau Gemahlin machen. Der verdienstvolle ältere Lehrer darf nicht, wie heute oft geschieht, vor»dem jungen kenntnißleeren Chasan zurückstehen und von diesem mißachtet und mißhandelt werden. Nicht in der schönen Stimme und in der musikalischen Befähigung allem darf das Glück durchaus liegen. Es muß eine regelmäßige Eintheilung der Schulen nach Gehaltsklassen eintreten, damit der junge Lehrer die Hoffnung behält, einmal in eine höhere, besser besoldete Stelle einzutreten, und nicht, wie es jetzt so sehr oft geschieht die besten nnd gediegensten Lehrer auf den kleinsten, armseligsten Stellen verkümmern, während die Arroganz sich breit machen darf, und das „Nichtwisserthum" sich brüstet. Der Lehrer, der Sorge entrissen, muß immer freier und selbstständiger sich seinem Berufe widmen können. yun ny. Möge, die herrliche Frühlingszeit der Blumen Biele bringen in ihrem Schooße sür den bekümmerten und gekränkten Lehrer, der seine Schuldigkeit fort und fort thut ohne Anerkennung — wenn das Herz auch bricht. Und Sie, geehrtester Herr! Fahren Sie fort in Liebe hinzunehmen die Herzensergießungen Ihres Sie hochschätzenden und ergebensten X.

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