Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 17 (26.4.1866)
- Date
- 1866-04-26
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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71 Sorge»» nur Carum vor Allem, unsere Tochter mit tüchtiger Bildung auszurüsten und verlegen wir Mütter zunächst unseren Wirkungskreis in unsere Familie, in die Stätte der Lwbe, der Andacht und deS Fleißes. Ehe Du, geliebte Schwester, dein Kind in di« Schule schickst, pflanze in ihm die Gotteserkenntniß, »ühre es hinaus in die freie Gottesnatur, zeige ihm das Weltall mit seinen tausend und tausend Geschöpfen, den Wald mit seinen -Blumen, seinen Bäumen und seinem Wild; lehre dein Kind die Natur erfaßen und sesthalten und laß es durch sie blicken zu dem, der unser Vater ist, der Himmel und Erde erschaffen hat. Hast Du den Glaubenskeim gelegt und deine Kinder zu Gott geführt, — nun dann, so beginne ihre Lehrzeit, aber noch immer in deinem Hause, indeiner Nähe; mit dem Gehen'in die Schule hat es noch Zeit genug. Möchte doch e»ne jede Mutter die erste Erziehung chrer Kinder selbst in die Hand nehmen »»nd dakOuf sehen, daß das Kind frühzeitig aus alles achte und ganz insbesondere lerne, über die nächste Umgebung nachzudenken. Laß es dich nicht verdrießen, wenn die Kleinen dich frühzeitig mit Fragen belästigen; antworte fa gut du kannstist doch ein iedes Kind ein geborner Beobachter. Ist auch der Vater bei der Erziehung der Kleinen nicht zu entbehren und ein ernstes Wort zur Zeit gespro chen aus seinem Munde o't mehr werth als hundert Ermahnungen, der Mutter; — so ist doch der erste Keim zu Guten von der Mutter zu legen, und von ihr in des Kindes zu pflanzen. Gewöhne dein Kind. o ., frühzeitig an Arbeit; laß üie Kleinen die noch ^re pflegen, sich einander kräftig unterstützen. Ein r, das an Arbeit gewöhnt ist, kann sich nicht so vergeffen, wie jenes, welches von Jugend auf an kein ernstes Denken, keine kräftigende und ermüdende Arbeit gewöhnt, nur Putz und Tädeleien vor sich gesehen hat. Lehre dein Kind das schöne Sprüchlein erfaffen: Sei aritUfim dein SrtenUng, Und hüte Dich vor Müßiggang, Denn Müßiggang bringt Sckanv und Nord, Hiagkgrn Fleiß bringt Shr' und Brav. Sehe streng darauf, daß deine Kinder nicht einmal eule Pflanze muthwillig zerfetzen, oder gar ein Thier bos baft quälen oder tobten. Ueberlaß nicht zu früh deine Kuder den Dienstboten und ist es dir möglich, so verhindere das Zusammensein mit denselben besonders in den Abendstunden. Nicht als wollte ich diejenige Menschenklaffe, t.ie«das unglückliche Geschick nöthigt, andere zu bedienen, noch mehr erniedrigen; wohl aber will ich dich' aufmerksam machen, wie schädlich es sein kann, die Erziehung deiner zarten Pflanzen Anderen zu überlaffen. Achte darauf, daß deine Kinder reinlich einherschreiten und die Mädchen, wenn uur einigermaßen hiezu befähigt, sich selbst ihre zerrissenen Kleidungsstücke flicken; denn wenn es immerhin auch beim Mann Vorkommen kann, mit einem Loch im Aermel über die Straße zu gehen*); so ist dieses doch bei einem Mädchen oder bei einem Weibe unter allen Umständen unverzeihlich. Hüte deine Kinderchen vor Putzsucht; *) Aber. das darf dir .gebildet«' Fr»u nickt dulden! — (Red.) lehre betne Tochter frühzeitig nicht eitet sein. Sich nett kleiden ist eine Kunst und steht der Jungfrau ebenso gut, wie dem Weibe; sein Kind vor Putzsucht und Eitelkeit wahren, heißt es vor dem Verderben schützen. Wir sagten, daß es nicht gerathen sei, die Mädchen zu früh in die Schule zu schicken und wenn wir uns auch vo rbehalten, mit Erlaubniß der geehrten Redaktion über Erziehung des weiblichen Geschlechtes noch nicht das letzte Wort gesprochen zu haben, so glauben wir doch heute schon hervorhrben zu müssen, »vie thöricht es ist, Kinder vor dem 6. Lebensjahre der öffentlichen Schule anzuvertrauen. Bei dem zarten Körperbau des weiblichen Geschlechtes hat da» frühzeitige und lange Sitzen auf den Bänken bei den Mädchen noch nachthe,ligere Folgen, als bei den Knaben, und dann sollten die Mädchen im zarten Alter nie länger als zwei Standen hinter einander unterrichtet werden. Dort, wo das nicht angeht, sollte mindesten» eine Pause von einer Viertelstunde eintceten. , Es gibt Mütter, welche aus Eitelkeit ihre Töchter frühzeitig in Schnürleibchen pressen und durch diese Zwangsjacke nicht wenig dazu beitragen, die Emulation de« Blutes zu hemmen, das freie Äthmen zu hindern. Bi» zur vollkommenen Entfaltung des Körper» lasse man Schnürleibchen nicht tragen, dulde bei Kindern keine festgeschnürte Kleider. Rauben wir jungen Mädchen ihre Freudigkeit »ücht, wenden wir vielmehr unseren ganzen Einfluß au, daß in den Schulen die Kinder nicht in enggrschnürten Kleidern sitzen. Erziehen wir ferner unsere .linder znr Wahrheit, halten wir die Lüge fern. Noch ist das jugendliche Herz nicht verdorben; noch ver Sinn für Wahrheit nicht aüsgestorben und ertödtet. Lerne deine Kinder das Wort erfaffen: Nicht Schönheit, :tieicht-um. 2hr und Pracht, Jji a, was de» Werth des Menschen macht. Wer Wahrheit :ie-t, und Tugend ehrt, Rur der hat »ahrcn Menschenwerth. Lehre deine Tochter Gott lieben, arbeiten und menschen freundlich gegen Jedermann sein, und Du hast den Grund - nein zu ihrem Glücke gelegt. Wochenbericht. Aus Ungarn iw April. Trotz ZntungSlLrm ist der iSr. Lrhrerverein in Ungarn noch immer ein K»nd, welche» nur schww rur Welt kömmt. Anfangs hieß es zwar, daß Oster» eine Generalversammlung stattfinoe; doch diese» Fest ist auch vorüber und von der LebenSsählzkeit des Verein» wissen wir weiter nicht». Wie Sie wiss m, ging der Imp als zur Jnslebenrufung de» Verein» nächst den L-h.körpern m Szegedin, Pest und Ofen , von dem gelehrten Redakteur d:s »Ben Cyananja" Heu. Ober«! rabbi Leopold Löw au» und fanden dran auch, zu dem Ende 1 schon vor 6 Jahren Beitritt»erklärungen statt, die im »Ben Ehananja' veröffentlicht find. Die Herren in Pest scheinen oon all den nichts wissen zu wollen, sonst würden fie nicht über Nacht H. Oberrabbi Dr. Meisel zum Präses di'ses Vereins (l?) ausgerusen haben. Hiermit wollen wir der guten Sache nicht im entferntesten nahe treten, ja erklären, daß wir uns »» eine Polemik einlaffen werde». Jm Jntereffr der guten Sacke halten wir nn» aber berechtigt, i« Namen Vieler felzendeFragen an