Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 17 (26.4.1866)
- Date
- 1866-04-26
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r 72 fcie Herren in Pest zu richten: 1) Darum findet die Generalv«s«u»l»ag nicht statt? 2) Mit welchem Rechte wird «ine jo einslVßreiche, für die gatt Sach« so nothwendige Persönlich keil, wie dr« de- Leopold Löw in Ezegedin vornehm ignorirt? Oder ist der Verein keine Landessache? Möchte» doch jene. Herren im Interesse der heiligen Sache vor alle» einen L. Löw zu gewinnen suche» und ist diese» xeschehe», mit dem deutschen UnterstützungS-Verein in Verbindung treten; und bin ich gewiß» daß Sie» aeehrtester Herr Redakteur Alle» anfbirten werden, der güten Sache wie nur immer zu nützen. (Mit Vergnügen! Aber un» dünkt, daß mau in dieser Sache in Ungmn ans beiden Seiten aus dem Holzwege ist und Alle» thut, u« di« Sache recht gründlich zu verderben. Da» habe» denn um Gotteswillen mit einer so heiligen all ge» memen Sache jetzt schon die Personenfragen zu schaffen? Sa» geh» jetzt die Kollege» die Herren Dr. Meisel und Löw an? Beide find vorzügliche Männer, so viel wir wifien, aber — oder gerade darum: Soll die RiralitLt dieser geehrten Herren die Sacke tgS Verein» von vorn herein zur persönlichen Parteifrage zu^machen? Wir kennen die ungarischen Verbältnisse nicht — fixt kommen un» nach Einsicht der österreichischen jüdischen Zeitschriften oft recht-wüst und zerfahren vor, und man scheint dort «ehr c:ri rtotp al» m-v r:n« zu kennen; — «ch unsrer Ansicht wäre aber nicht»'zu thun, al»: der Pesther Lehrkörper, der nun einmal der gewichtigste ja sein scheint, sucht die behördliche Genehmigung zu einer Versammlung nach, beruft diese und — da» Ander« wird sich finden. Rur nickt rctroyren! Weder eine Perscn noch ein Statut! Wollen die Herren Rabbiner Dr. Löw und Tr. Meisel dann mitrathen taut mieux. Wo nicht — auch gut. E» gibt tüchtige Lehrer genug in Ungarn, um ohne Rabbiner fertig zu Werder. (Red. de» I. L.). Preßburg, 8: April. E» wurden bereit» sehr viel« mitunter recht schöne Phrasen für die endliche Emaucipation der Irden in Ungarn verschwendet, ohne daß aler in Wirklichkeit auch nur-ein Federzug für di« Realifirung dieser liberalen Idee rellsührt worden wäre. Trotz der ausgesprochenen Freizügigkeit der Juden in Oesterreich gibt e» besrndrr» in Ungarn noch lehr viele Orte, besonder? die Primatial- und andere „privilegirte" Städte, in deren keine Juden geduldet werden. Fmst- Prima» Aleicnder r. Rutnah hat wohl in len zwanziger Jahren diese Beschränkung für viele Orte (Neuhäusel u. a. O.) ausgekoben, nichtsdestoweniger ist z. B. in Somwerkin (Hauplort der Ecküttinsel) den durchreitenden Juten, Handelsleuten, Haunrern?c. ein kaum vicruudzwauzigfiündiser Aufenthalt gestattet. Vir würden von dieser unerqi ieklichen Thatsache kaum Notiz eenowmen haben, wäre damit w'ckr ein anderer eigeuthümlichcr Unstand verbu.iden. Ter Stadtarzt von Ccmmerrin ist näm- I lick ein Jude, Tr. Tiawaut. Treu den Principien ihrer Altvordern, können sich nun die- Svnmereiner Bürger nicht ent-! schließen, den Mann, dem sie ihre Gesundheit uvd ihr Leben 1 anvertrauen, in ihren Mauern zu dulden. Der Doktor wohnt! iu dem zwei Stunden entlegenen.Orte Milchkorf. Täglich mor-! gen» fährt die Equipage de» Semmrreiner Bürgermeisterhinau»,! dew.Dokior abzuholen, dieser bleibt den ganzen Taa über in I Sommerrin und d«S Abend» muß er uneer allen Umständen! bei jedem Wetter nach Milchdorf zurückkehren. Alle Bersucke, die bisher von Ersten des ToktcrS gemacht worden, um diesem Uebelstande alzuhelsrn, bliebe» erfolglo», denn wenn, auch einzelne Bürger in Semmerein geneigt wären, dem Stadtarzt »ine Wolnung anzubieten, unterlassen sie solche» au» Furcht ror den Insulten ihrer Mitbürger, die durchaus ke-ne freirrr Anschauung Eingang finden lassen. Bedürfen solche Thatsache« noch eine» Kommentars? Wie Biele» muß noch ander» werden in unserem Vaterland, bevor die vollständige Entwickln«, wahrer constilutroneller Zustände gehofft werden kann! Dr. Diamant erklärte, auf seine Stelle verzichte» zu wollen, wenn die Bewohner von Srmmerei» auf der Aufrechtholtung ihrer »verbrieften und privllegirten Stadtrechte', die ihre Lebensfähigkeit längst verloren, noch lünger beharrlich bestehen. (Fr. I.) Au» Kurhrssen, im März. In. Nr. 10 de» Israelitischen Lehrer wftd der von den sogenannten „Ziegenhainern' gegründete UnterstützungSverein erwähnt und glaube ick, daß e» der Mühe Werth sein dürft«, wenn man die Antwort der Sckulzeituug liest, die das Organ eire» älteren, besseren, lichtsreuudlichen Verein» ist, auf die Anklage de» Herrn Leimbach und Genosten, dahin lautend, daß der Bere u Kurh. Lehrerwittwen ein unchrifilichrr sei, weil er auch die Feinde Jesu, die Juveu ausnehme. In Nr. 6 der Schulzeitung heißt e»: „Jener finstere Geist» von dem fich jene dunkele Menge vor dem Richt» house blind leiten ließ, bat in Israel keine Stätte uuhr, und nicht nur da» untrügliche Wort, der Verheißung, sondern auch der Geist, in dem dieses Volk heute lebt und w'rkt, seine entschie dene Hinneigung zum Lichte, seine Liebe zur Ausklärurg, zur geistigen Freiheit, ser» zwar stille», aber mächtiges Ringen gegen Knechtschaft und für die Rechte de» Volke» in Staat und Kirche find Beweis dafür, daß die» Volk auf dem Boden de» neuen Bunde», auf den es Gott mit der Zerfiörung seine» alttest. Staate» und Gottesdienste» gestellt, ein andere», geistig freie» geworden ist.... daß Israel heute bereits seinen Messias"), das „Licht der Welt' liebt, obgleich eS ibn persönlich noch nicht kennt. Weiter beißt es: „Wir wüsten Jtrael... im Glauben lieben. Wir können und dürfen Israel nickt von unserem Verein verstoßen, so wenig als Christus Petrum ver» I stieß, da er ihn dreimal verleugnet hatte. Wie dürfen wir fluchen, denen Gott nicht flucht; wie schelten, denen der Herr nicht schilt" v. s. w. Aber da» „Käuzchen," der sogenannte christliche Schuliote glaubt doch df thuu zu dürfen, obgleich e» in der t ibel deutlich und'klar genug steht und wellen die Ziegenhainer consequer.t bleiben, so müssen sie hübsch da» Buch der Bücher lesen, waS man doch von einer solchen „christlichen" Parth.i erwarten dürste. Einsender Hot schrn genug Gelegenheit gehabt, alt- und strensgläubige, christliche Pfarrer kennen zu lernen, tie sich nickt entblötrlen, in der Predigt a^s die Juden zu schiv psen, inSbelrndere vor dem Umgang mit Juden zu warnen, daS Seelenheil den Juden abzuerkenr.cn re. :c. Wclrlich, wenn das in der zweiten Hälfte des neunzehnten JahrbundertS noch geschieht» we:n man so den Zankapfel in die Welt wftst, wenn man aller alt- und neutestomentlichen Lieb« gegen die Menschen bar ist, wenn man statt die Confesfioncn zu vereinig-n, sie zu ertzwe'rn stickt; dann ist die wahre Erlösung, die Zeit de» wahrer ächten Messias neck sein, sehr fern' (Schluß folgt.) •) Das klirgt deck ein win'g lefreinbenderd — in ver Weise wie wir früher von vr. Schwarz sagten. Annonce* Ich suche-einen jungen Morn, der für mich die .iv'nee besorgt und zugleich auch in meiner Abwesenheit oder bet etwaiger Verhinderung den 'Vorbeterdienst versehen könnte. Hierauf Refletrirende belieben fich weoen de» Näheren portofrei an mich zu wenden. Gießen. Lehrer 8. Bfayer. Le-.anlrrortticher Redactlur: I. Llingenstein m Ldcrnheim in Rheinhesen, Selbstverlag drr Rcdaction. Für den Duchbondcl: in kerrwistien Ui Cslar Sunjr m Leipzig. — 5 an rf.-k chmllpns enbiuck ran I. Äo.tielcben -n Main?.