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Der israelitische Lehrer · 1866-03-29 · 13 (29.3.1866) · p. Seite 53

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
13 (29.3.1866)
Date
1866-03-29
Page
Seite 53 (sequence 3)
Language
German
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53 Gott für die hohe Auszeichnung ->ira zu sein. Um indessen meine Glaubensgenossen von vornherein mit diesem Titel; auszusöhnen, will ich nur nebenbei bemerken, daß eS sich! mit der Bezeichnung Bachur ungefähr verhält, wie mit! dem „deutschen Michel." 1,,-. Kuhlmäy in Berlin hat seiner Zeit nachgewiesen, daß der deutsche Michel eine historische Person, und die Benennung ursprünglich eine Ehrenbezeichnung gewesen sei, di! sich merkwürdiger Weise in einen Spottnamen verw mdelt. Aehnlich dem verhält's sich mit der Bezeichnung i Brchur, was nichts anders heißt, als: der Beste, der Vor-! ziglichste, darum der Auserwählte. Wollte, in früheren Jahren, eine Gemeinde einen L'hrer für ihre Schule, oder em Privatmann einen solchen fi r seine Kinder, oder cs wollte, was nicht selten der Fall char, ein reicher Jsraelite einen fein gebildeten., gelehrten jungen Mann — abgesehen davon, ob und was er Gütern besaß — als Schwiegersohn emsetzen: in allen diesen Fällen wendete man sich an den Rector einer Talmudschule — XE3'?3 trxi — und erbat sich von ihm den;mrns uns „beit Vorzüglichsten unter seinen Jünglingen." - , Wie sollten wir also ansiehen, dieses so ausgezeichnete Prädrcat wieder zu Ehren zu dringen? Und nun nach dieser kurzen Abschweifung wieder zurück zu unserem Thema. Also Israel oder 3ir>3 ist gleichbedeutend und der erste ,-rro mar unser Stammvater Abraham. Die Zeit seiner m’P’ hat er vielleicht, wie der Midrasch von Jacob sagt, bei i3jn dp zugebracht, und als er nachher seine Wanderung antrat, um als Lehrer zu sungiren, da hatte er eö insofern mit Andern seiner Standesgenosien gemein, daß er sich lange Zeit keiner bleibenden Stätte erfreuen durfte; nur stand ihm der annehmbare Vortheil zur Seite, daß er im Besitze großer RIichthümer, also nicht gcnothigt mar, chie Anitsverrichtungen sich bezahlen zu lasten, um davon zu leben. Was Wunder, daß er unter solchen Umständen unangefochten blieb? Wie würden wir, Alle höhere und niedere Bn:n3 um so viel beliebter, um so viel einflußreicher sein, wenn wir nur Ohren und Herzen, nicht aber auch die Geldbeutel unserer Pflegebefohlenen Zöglinge in Anspruch zu nehmen genöthigt wären?! Anders verhielt es sich schon mit seinen Nachkommen in Egypten: die mußten schon eine harte Schule durchmachen und mit schlechtem Wanderlrsch «’jj? stcro vorlieb nehmen. Weil sie indesten unter diesen Umständen auch die für ihren hohen Beruf nothwendige geistige Befähigung nicht erlangen konnten, wurden sie aus dem finstern , wo es wohl Schläge genug, aber keinen ordentlichen Unterricht gab — in den freien Hörsaal — hinaus in die Wüste geführt, um sich da in ebensovielen Jahren für ihren hohen Beruf vorzuberciten, als der Beste unter ihnen Tage brauchte, um das Material zu ihrer Belehrung zu sammeln. Doch war dieses Studium während des 40jäbrigen Aufenthaltes in der Wüste nur ein vorbereitendes, es erlangte der iu-,3 Israel noch nicht die Gediegenheit, um schon in vre Welt zu taugen, er kockettirte noch zu viel mit denen, deren Lehrer er werden sollte (man denke nur an das goldene Kalb, an den Baal-Peor rc.) seine eigentliche rn’P’ nmr im Lande Kanaan, eine Lehrzeit, die zwar eine Unterbrechung von 70 Jahren erlitt, welche letztere jedoch nur dazu diente, um seiren Lerneifer desto mehr zu steigern, und als sodann seine Gottesgelahrtheit, durch sattsam« Erwägung aller Subtili äten des Gesetzes, festgegründet stand — da wurde er erst in die Welt hinausgeschickt, uni überall-zu dociren. Es liegt in der Natur der Sache, daß der Bochur- Jsrael überall am scknödesten behandelt, und am kürzesten gehalten wurde; ereignete es sich aber, daß die Gemeinden, reip. Völker, unter welchen er weilte, von Mißgeschicken heimgesucht wurden, o war er es, der immer am schwersten, durch 02 rc. darunter büßen mußte; er war der Sündenbock, der die Pest, Brunnen- und Lust - Vergiftung, kurz Alles verschulde haben mußte. In dem Maaße, wie die Bildung unter den Völkern zunimmt, hört die Verkennung des Bachur-Jsrael auf, und er wird ganz seinem hohen Beruf gemäß geachtet und behandelt werden, wem das Licht der Wahrheit alle Völker durchdrungen haben wird. Daun ist er wieder, wie einstens aus Egypten befreiei et*? nnEp1?;u’D , nnr6 nrojn •?hj iiiO nbswxoi Ein. (Aus der Knechtschaft zur Freiheit, vom Kummer zur^ Freude, aus Trauer zum Festtag und aus Finsterniß zum glänzenden Licht.) Und dieser Brchur- Israel hat wieder seine eigene cnro, die in sein r Mitte dieselbe Stellung eiunehmen, die er unter den Völkern entnimmt. Es war dieß schon vom Anfang her so, und der Unterschied von früher und jetzt ist nur, daß cs früher ein Stamm war*) während es jetzt ein Stand st. In Zeiten, d< Israel seine vorgezeichnete Bahn verließ und nachhing i en Götzen der Heiden, da konnten seine Bachurim (d’jde rnrd E"i3) am Hungertuche nagen, und jetzt: da wir den iüerth von Kenntnissen und Wissenschaft mehr zu schätzen wissen werden die Bachurim über die Achsel angesehen? Ihnen, den Verbreitern von Licht und Wahrheit, die das erhabene Verdienst, der Erziehung und Bildung der Juger d haben, wird nicht selten dar Gemüth trüb und finster durch die quälendsten Sorgen für das Leben — sie werden von allen Denjenigen, die Bildung und Erziehung nicht zu würdigen wissen, stiefmütterlich behandelt. Mußten!fie ja früher oft auch sich zu niedrigen uno gemeinen Bermchtungen hergeben! Also gerade so, wie Bachur-Jsrael stiefmütterlich von rohen Völkern behändest wurde! Worauf älso dar Gesammtisrael seine Hoffnung zu setzen hat, darauf - nämlich, daß wahre Bildung des Geistes uud der! Herzens durch die Massen sich Bahn breche und diesen höchsten Gütern der Menschhest von den Menschen mehr Anerkennung gezollt werde, dasselbe ist , _ des Lehrerstandes, dem ich darum heute an dem schönen Aeste der Befreiung zurufe: Nur immer mit Gott rüstig fo ckgearbeitet, um dem schönen Ziele näher zu kommen, dar uns schon unser größter Lehrer Mosche ausgedn'ickt in den Worten: E’noj rrm 'n cy -3 ]rv ’O. Wir werden nicht nothwendiK haben dieses Ziel — dessen *) Der Stamm 3tOP’3 CS'SN' üeoi, dem Vater Jacob sagte: 3pp'3

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