Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 13 (29.3.1866)
- Date
- 1866-03-29
- Page
- Seite 52 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Stunde hinwirkt, während das denkende, innerlich beschäftigt sein wollende Kind sich in der geistigen Anregung der nächste folgenden Stunde gleichsam erholt, und wie in einem stärkenden Bade erfrischt? Und nun noch eine Gewissensfrage an die Lehrerselbst! Wir, die wir den Inhalt der Gebete kennen, werden doch zuweilen von der Erfahrung überrascht werden, daß wir uns die Andacht beim Gebete nicht aus dem Gebete selbst, sondern aus unserem Gemüthe holen müssen! Die inhaltvollsten Gebete gehenoft. spur- und wirkungslos an uns vorüber, wir beachten ihren Jyhalt kaum, unsere Gedanken weilen in anderen Regionen ohne daß wir uns selbst absichtlicher Gleichgültigkeit zeihen könnten, weil wir — nun eben, weil wir viele Jahre diese und andere Gebete gesprochen haben, ehe ihr Gehalt uns eröffnet worden. Wir haben in unserer Jugend ebxN vor allem „geort" — das heißt, die hebräischen Worte-gesprochen, ohne zu wissen, daß diese Worte auch nur irgend welchen Sinn haben. — Ist es nicht wahr, daß manche unserer unverständigen Gemeindemitglieder oft andachtsvoller jcipe tit’x und rmpn E-irr sprechen als z. 33. und . Wodurch kann diesem Mißstand am gründlichsten begegnet werden? Eben dadurch, daß. in unseren Schulen Hebräisch gelehrt aber das s. g.Oren, d. h. das Lesen ohne Übersetzung verbannt wird, daß unsere Schüler gewöhnt und von vornherein angehalten werden, nie etwas zu lesen, was sie nicht voraus übersetzt haben. Darin liegt das ganze Geheimniß und die' Folgen einer durchgreifenden Einführung dieser Methode des hebräischen Unterrichts müßten groß und bedeutend sein. Ist das durchführbar? Allerdings! Es wird wohl etwas länger dauern, bis das Kind vollkommen Hebräisch leien kann; es werden wohl Jahre darüber hinweggehen, bis es am Gottesdienste Theil nehmen kann. Aber desto kräftiger wird dann sein geistiger Fortschritt fein, desto erhebender das Bewußtsein, dir Andacht von der Schule aus gefördert zu haben. Das Verfahren. ist einfach. Sobald das Kind die Buchstaben und einzelnen Worte der ersten Adtheilung des Leseunterrichts eingeübt hat, übt dasselbe sich an kleinen Sätzen, deren Worte ebenfalls dem Kinde voraus übersetzt worden >md, zugleich' im Lesen. Es liest den Satz, übersetzt ihn, liest und übersetzt ihn wieder bis zur völligen Geläufigkeit, ehe es an einen w iteren Satz geht, der in derselben Weise behandelt wird. Sprachliche, resp. grammatische Leie - und Uebersetzungs - Uebungen — Alles geht Hand in .ßarib; wird an einem und demselben Satze vorgenommen. Eine weitere.Folge ist, daß wir die Lesestücke nicht machen, sondern sie dem vorhandenen Uebungsmateriale, dem Gebetbuche und der Bibel entnehmen und vom Einfachen zum Zusammengesetzten, vom Leichteren zum Schwereren fortschreiten und so die Kraft steigern; daß wir auch den hebräischen Unterricht in der Schule in einer Weise betreiben, um-religiöse Gedanken entwickeln, Geist und Gemüth in dem Gegenstände entsprechender Weise beschäftigen zu können. Ein näheres Eingehen ist Sache der Methodik, die wir in unserer Schrift „Der Unterricht im Hebräischen", methodische Anleitung rc. wie praktisch in unserm „ersten Lese- und Uebersetzungsbuch" gegeben haben. Wir fchließen über diesen Gegenstand mit der Ueberzeugung: der hebräische Unterricht ist kein Hemmschuh für die jüdische Schule, sondern, ein kräftigendes und förderndes Element derselben. Die jüdischen Lehrer, welche diesen Gegenstand vernachlässigen, versündigen sich ebensosehr an dem Genius der jüdischen Geschichte, als Diejenigen, welche diesem Gegenstände ein allzugroßes Uebergewicht geben und in der veralteten Weise mechanisch forttreiben, die Zukunft des religiösen Lebens und die-Weihe des Gottesdienstes, den sie angeblich stützen wollen, gefährden. Nur im rechten Maaße und in der rechten Weise wirkt der Unterricht fördersam auf Geist und Gemüth. Aller Unterricht soll gsi st bildend sein, und jeder Unterricht, welcher den Geist bilden soll, muß eine Uebung seiner gesammten Kraft sein. Bachur und Bachurim. □'Trm uni D’motP b'bc 2-.ua; ' Eine Paralelle, zum BefrciungSfeste! Welcher fromme Jsraelite wird nicht am herrlichen Seder-Abende als an dem schönsten und frohesten aller unserer Festabende, von einem Gefühl der Wonne durchdrungen sein, wenn er im Kreise seiner Lieben dem Geber alles Guten dankt, für die unfern Vätern einstens geschenkte Freiheit? Und wer von uns fände nicht in den Worten: 'cur n2s>2 u-ncx nx u3*) eine Beziehung zu seinen Verhältnisten, in Folge deren er mit dankbarem Herzen ausrufen könnte: Auch ich und die Weinigen hat Gottes ewig umwandelbare Güte befreit aus der oder jener Roth 5? Und nnn, was ist's, wofür wir am Seder-Abend am innigsten Gott dankten, wie wir überhaupt täglich dafür danken? Alle wahrhaften und frommen Israeliten zu allen Zeiten, wie heute noch dankten und danken dem Gotte unserer Väter, daß er uns zum -flfQ gemacht hat. Uns! Wen denn? höre ich Einen und den Andern fragen: Nun, men denn anders, als uns Israeliten? das Geiammt - Israel ist mnd l Da werden sich nun freilich meine lieben Glaubensgenossen, absonderlich die Reichen und Vornehmen unter ihnen schönstens bedanken wollen, wenn ich sie zum mni machen will; allein, meine Theuren I ich kann Euch nicht helfen. Ihr müßtet denn unsere heiligsten Gebete verleugnen, und Euch der gemeinsamen hohen Bestimmung entziehen wollen. Um nur mit einem der täglichen Gebete apzufangen, ist es Euch nicht ernst damit, wenn Ihr Gott dankt in den Worten ninta iojü min? Ist aber Gott -)£□, so ist Israel "W-Q — und in unserm sc-rrp und in unfern Festgebeten überall strömt unser Herz über von Dank gegm *) Nicht unsere Väter allein erlöste Gott, sondern auch uns rc.