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Der israelitische Lehrer · 1866-03-22 · 12 (22.3.1866) · p. Seite 48

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
12 (22.3.1866)
Date
1866-03-22
Page
Seite 48 (sequence 2)
Language
German
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48 bt’r hebräischen Worte mit deulicyen Buchstaben als auch der deutschen Worte mit hebraiichen Buchstaben «ntgegenstehn. Wir müßten die Berechtigung dieses Einwands zugestehen, wenn wir es darauf adsehen würden, durchgreifend die Worte der einen Sprache mit den Schriftzeichen der anderen zu schreiben; und so beiden Sprachen Gewalt anthun wurden. AäeMT^r^ ist durchaus nicht unsere Meinung. Wir behaupten durchaus nicht, daß man alle oder nur sehr vi le deutsche .Worte mit hebräischen Buchstaben schreiben kann; daß man aber doch solche-genügend finden kann, um die hedräi'chen Buchstaben teilweise einzuüben, ist nicht al zuleugitcn. Wir benützen ebm nur sehr wenig deutsche Worte, und nur solche, bei welchen jene Grundverschiedenbeiten in der Aussprache nicht heroorlreten. Es ist ja nnr ein Mittel das Kind zum hebräischen Idiome auf leichte und verständliche Weise hinzuführen, und daß dies w der iür die reine Aussprache, des deutschen noch für die : coniea rente Festhaltung des hebräischen Sprachidioms und >s:ner Eigenkhümlichen Nachtheile hat, selbst da, wo der! Lieh rer die Diphtonge (1 — ou; .. — ei u. s. s.) festhalten w.ll — werden diejenigen, welche berücksichtigen, daß wir nur auf möglichst pädagogische Weise vom Deutschen in'S Hebräische überführen wollen, zugestehen müssen. Wir wiederholen: wir gehen "diesen Eigenthümlichkeiten aus dem Wege und benutzen nur solche Worte und Sylben, bei | welchen dies ohne Härten geschehen kann, und nur so lange, als dies durchaus nöthig ist. 1 Sobald -eS möglich ist, fügen wir solche hebr. Worte bei, die leicht auszu'prechen sind, schreiten dabei vom Einfachen zum Zusammengesetzten, vom Leichteren zum Schwereren fort, und geben alsbald die Uebersetzungm dieser Worte. Wir führen so in ciusacher kindlicher Werse das Kind ins Hebräische ein, uno bereitenes vor, immer größere und zusammengesetztere Abschnitte zu erfassen und zu verarbeiten. Man könnte auch hiergegen Einwendungen machen, obwohl dieselb.-n sich nicht ganz' coasequent zu den ersten verhalten würden. Man-könnte behaupten, daß das Kind den Unterschied zwischen den verschiedenen Sprachen noch nicht zu fassen im Stände fei, und durch dies Nebeneinanderftellen deutscher und hebräischer Worte wohl verwirrt werden könnte, 'rcx vzoy ’xb dkt Es ist ein anderes, deutsche und hebräische Buchstaben nebeneinander zugleich zu Lehren als einzelne hebräische Worte den deutschen Leseubungen anhängen, und in solcher Weise die erst«, Kenntnisse im Hebräischen zu begründen. Mau. könnte ferner sagen: was ist dabei gewonnen, wenn das Kind alsbald bei dem Lesen 30 bis 40 hebräische Worte erfährt? Freilich materiell viel gewonnm ist dabei nicht; esoll nur der Anfang und die passmde Vorbereitung für dm Unterricht sein, die nun bald zu folgm hat. \ - So stehen wir denn auch noch jetzt, fest in der Ansicht, es sei gerathm, für dm ersten hebräischm Lese-Unterricht dmtsche Worte Mit hebräischm Buchstabm zu wählen, welchm einzelne, dem AnschauunKskreise der Kuider entnommene Worte — die alsbald zu überfetzm und einzuübm find — und einzelne bekannte Ramm, aus der biblifchm Geschichte beigefügt werden könnm. Wir habm nun noch über dm drittm Punkt zu sprechm, daß wir nämlich das blofe ,Oren„ aus der Schule verbannt wissm wollen. (Schluß felgt.) Wie bewahrt man Kinder vor Lüge? Wmn schon! jeder Lehrer und Erzieher, er gehöre zu welcher EonfessioN er wolle, seine Zöglinge frühzeitig zur Wahrheit bilden und erziehen muß, so liegt diese Pflicht dem jüdischen Lehrer um so mehr ob, als noch immer Borurtheil und Haß uns Juden den Betrug zum Borwurfe machen, welcher doch nichts Anderes als die Furcht der Lüge ist; obgleich dieser Borwurf sich meist als leere Verleumdung erwiesm hat, so hat er doch auch schon viele Leiden, Verfolgungen, Martern und Qualen unseren Glaubensgenossen verursacht. Um aber gar keine Veranlassung mehr zu diesem Borwurfe zu geben, ist eS Aufgabe der jüdischen Schule, dahin zu wirken, daß schon frühzeitig dev-Keim des Betruges, die Lüge nämlich bei dm Kindern erstickt werde, damit derselbe sich nicht zur verderblichm Blüthe, KnoSpe und Frucht enthalte. Es wird demnach so manchem unserer geehrten Tollegm nicht unwillkommen sein, in dem „Israelitischen Lehrer", dem geschätzten Organ der jüdischm Schule, obiges Thema behandelt zu sehen. Man bewahrt Kinder vor der Lüge dadurch, daß 1) Zunächst und vor Allem der Erzieher selbst stets die Wahrheit spricht und die Liebe zur Wahrheit seinm Zöglingm zu erkennen gibt; dem Zögling dient bei all seinem Thun und Lassen der Erzieher ,'zum Vorbilde; und geht dieser jenem mit einem gutm Beispiele voran, so kann er einen gutm Erfolg seiner Bemühungen erwrrtm. 2) Muß der Erzieher seine Zöglinge mit Liebe und Schonung behandeln, sich ihnen nicht als böswilliger Zuchtmeister zeigm, der die kleinsten Vergehungm mit unnachsichtlicher Strenge ahndet. So lange der Zögling seinen Vorgesetzten als seinen Quäler, seinm Tyrann anfieht, sucht er jede Gelegenheit auf, ihn zu hintergehm. Die Furcht vor der Strafe ist es, welche dm Zögling zur Lüge führt. Anstatt daß derselbe seine begangmen Fehler frei und ossm bekennen und um Abbitte sichen soll, sucht er vielmehr dieselben zu verbergm und zur Lüge seine Zuflucht zu nehmm. Die Folge davon ist, daß der Zögling dm begangmen Fehler oft wiederholt, und sich so an die Lüge gewöhnt. 3) Muß der Erzieher seinm Zöglingen Beispiele aus dem KindeSlebm und aus der Religion bringm, wie die Lüge stets üble Folgm für die hatte, die sich ihr zuwandtm und wie sehr Gott solche Mmi'chm bestrafte u. s. w. Solche Beispiele find die bewährtesten Mittel, die Kinder an Wahrheit zu gewöhnen; da» jugendliche Semüth ist ja so sehr empfänglich für das lebendige Beispiel und wen» es die Lust zur Lüge anwandelt, so ennnert eS sich an die chm bereits bekanntm Borbllder und an die verderblichm Folgm der Lüge und sucht dieselbe zu vermeidm. 4) Muß der Lehrer bereits bekannt gewordene Lügm eines Schülers auchöffmtlich vor der ganzm Schule nrü» strmge rügm, damit alle Schüler ein abschreckmde- Beispiel habm und sich vor dersÄbm hütm. Außerdem gibt der Lehrer durch die öffentliche Rüge dm Schüler» zu «rkennm, daß er begangene aber eingestaudeve Fehler nicht so hart bestrafe, wie die Verhehlung derselbe« und die damit verknüpft« Unwahrheit.

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