Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 11 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- Seite 44 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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geben den Grund, ans welchem die Schule weiterbanen kann und muß, und die Muttersprache ist das Mttel zur Verständigung und Entwicklung dieser Anschauungen. Lehrer und Kind wünschen eine Fixirung deS Besprochenen: die Schriftsprache ist dach^Mittel dazu. Sie knüpft an die Anschauungen an, aber nur als Muttersprache. Woran soll aber das Hebräische angeknüpft werden? Soll es mit dem Deutschen zugleich eingeübt werden, so verwirrt das Kind das Eine nut dem Andern. Nur nacheinander und nicht neben einander können die ersten Grundlagen der Unterrichtsgegenstände gleicher Art gelegt werden. — Es ist durchaus unpädagogisch, zweierlei Buchstaben zu gleicher Zeit unterricht-n zu wollen. Wir glauben, das bedürfte keines Beweises. Und wo es dennoch geschieht, da zeugt es von einer solchen Verkennungder menschlichen und kindlichen Natur, daß wir uns wundern, daß auch nur eine Stimme für einen solchen Wirrwarr sprechen konnte. Wohl wird so mancher Lehrer auf die „mechanischen" Erfolge seiner Kunst hindeuten, wird mit Wunderkindern Wunder verrichten und im ersten Quartale des Schullebens fixe „Orer" adrichten. Wir schaudern vor solcher grundsätzlichen Mißkennung der menschlichen Natur zurück I Nein, wir wollen naturgemäße Entwicklung. Die harmonische Entwicklung der Geisteskräfte deS Kindes ist gestört, wenn das Kino, aus seiner naturgemäß vom Nahen zum Entfernten fortschreitenden Richtung herausgerissen, auf einmal dreierlei oder gar viererlei Buchstaben (Schreib-, Lese- und hebr. Buchstaben) lernen soll, deren Zusammensetzung dabei dann noch eine grundverschiedene ist. Wir warten darum mit dem hebräischen Unter- _richte mindestens so lange, bis das Kind einfache Worte und Sätze deutsch lesen kann, »twa bis zum zweiten Schuljahre. — Das kann der Elementarlehrer, der auch den deutschen Unterricht zu ertheilen hat — so anlwortet der Religionslehrer; aber wir, was sollen wir mit unfern Kmdern im ersten Schuljahre thun, wenn mir sie nicht „oren" laffen? Was würden die Mütter sagen, wenn ihre Kinder vielleicht ein ganzes Jahr zu uns in die Schule gingen, ohne etwas zu lernen? Wir halten diese Emwände für unwichtig und unbegründet. Es gibt' viele Mittel, solche Vorwürfe von sich abzuhalten Einmal wird es leicht sein, die Eltern von der Naturgemäßheit, unserer Handlungsweise zu überzeugen, wenn wir dann später die älteren Kinder desto größere Fortschritte machen laffen. Mau nehme die Kinder nie zu früh in die Religionsschule auf, suche sie anderweitig zu beschäftigen und schlimmsten Falles wird der Religionslehrer selbst den Unterricht im Deutschlesen in die Hand nehmen müffen, um in solcher Werse den Grund zu legen. Sagt "der Lehrer dann: das ist so meiueMethode, so hat sicherlich feine Mutter dagegen etwas ei'nzuwenden. (Forts, folgt.) Bücherschau. Vrer Jahrhunderte aus der Geschichte der Juden. Von der Zerstörung des t. Tempels bis zur makkabäischen Tempelweihe. In i2 Vorlesungen von 'Or. M. Jastrow, Rabbiner in Worms. Heidelberg, Ernst Carlebach. 1865. (Preis fl. 1. 24 kr.) Vorliegende Vorlesungen wurden im Winter 1864/65 vor einem gemischten Publikum in Worms mit großem Beifall gehalten und bezwecken dieselben hauptsächlich, wie der geehrte Verfasser im Vorwort sich ausdrückt, „das Jntereffe für unsere Vergangenheit zu beleben, das Verständ-! ntß unsrer in dieser wurzelnden Institutionen zu erweitern, j den sterilen Jndisferentismus zu beseitigen und endlich die noch immer nicht geschwundene Abneigung gegen Juden und Judenthum zu überwinden." Wir sind der festen Ueberzeugung, daß, wenn diese Vorlesungen recht inS Volk dringen und nicht allein von Juden, sondern auch von Christen fleißig benützt werden, sie sehr Vieles zur Erreichung des Zieles, das der Herr Verfasier sich gesteckt hat, beitragen müssen; denn in ihnen weht ein frischer, lebendiger Geist, eine Wärme für Juden und Judenthum, ein Geist der Verbrüderung des Menschengeschlechtes, verbunden mit einer Darstellungsgabe, die auch den Indifferentesten anregt, den Kältesten aufrüttelt und erwärmt. Die neueste Zeit hat wohl im Gebiete der jüdischen Geschichte viel Werthvolles geliefert, manchen glücklichen Fund aus alten vergrabenen Schätzen gethan und ihn zu Tage gefördert; Jost, Zunz, Grätz rc. rc. haben Herrliches in diesem Fache geleistet, haben das lange Zeit brach liegende Felo der jüdischen Geschichte angebaut, aber für's Volk — mögen wir die Werke genannter Autoren noch so schätzen — eignen sich doch nur solche Schriften, wie tie vorliegende. Und das muß doch schließlich daS Endziel aller unsrer Bestrebungen sein, die Wissenschaft zum Gemeingut des Volkes zu machen. Wenn irgend, so ist dies der der Kenntniß der jüdischen Geschichte der Fall. Denn so lange unser jüdisches Volk nicht seine Geschichte kennt, so lange wird es nie und nimmer seinen Beruf, den es nun einmal bat, erfüllen; die Unkenntniß und die vielen Jrrthümer unsrerseits waren es, — wie der geehrte Verfasser so wahr in seiner eisten Vorlesung sich ausdrückt, — die in der frühesten, wie in der jetzigen Zeit unS verhinderten, in der rechten Bahn zu bleiben. „Wir müssen unfern Geist verjüngen, auf unserm eignen Boden stehen, von innen heraus rcformircn." Ebenso wird der noch immer nicht verlöschte Judenhaß erst dann vollständig verschwinden, wenn auch unsere christlichen Mitbrüder mit unserer Geschichte vertraut werden. Darum sind solche Bücher, wie das vorliegende, ein wahres Bebürfniß der Zeit; sie bringen in einfachen und , belebenden Bildern die einzelnen Zeitepochen und die in' j demselben lebenden bedeutenden Männer zur deutlichen Anschauung und zum Berständniß und regen zu weiterem Forschen an. i Zu unserm Bedauern gestattet es der Raum dieses Blattes nicht, auf die einzelnen Vorlesungen näher einzu-! gehen, doch können wir uns nicht versagen, Einzelnes auS manchen herauszuheben. i In der i. Vorlesung, in welcher der Verfasser über! das Wesen und die Epochen der isr. Geschichte spricht, wird; in kurzen, markigen Zügen der Untergang des Reiches Israel und Juda (1. Epoche), das Exil in Babylon, die Hennj kehr nach Jerusalem, die glorreiche Erhebung der Makka-! bäer, die Verbindung des Judenthums mit dem Griechen-