Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 11 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4896751-5428724-5431589--1307-4897824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V Zeitschrift 'S für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerslandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer'Lehrer, Lehrer- Wittiven und -Waism in Deutschland. J\§ 11* Mainz, den 15. März 1866. (Seohftter Jahrgang.) Wöchentlich 1 Kummet. Vierteljährlicher Abonnementspieis 27 kr. 1/4 Thlr. Bei frankireer Zusendung unter Kreuzband jährlich-2 sl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Unter ft ützungSverein. Wir bitten die Herren Agenten, Mitglieder und Förderer unseres Vereins, welche „Achawas" zum Vertriebe haben, nunmehr gefälligst baldigü Rechnung oblegen zu wollen. Die Herren Bezirksagenten mögen eine Anzahl der nicht verkapsle» „Achawas" bis zur nächsten Rechnungsablage zurückbehalten, wenn sie dafür im Laufe des Jahres Verwendung zu-finden hoffen dürfen. Odern heim in Rheinheffen, den 8. März 1865. Der Geschäftsführer: J. Klingen titeln. r Der evfte Unterricht im Hebräischen. In früher» Nummern dieser Zeitschrift wurden über die principielle Seite des Unterrichts im Hebräischen mancherlei Ansichten laut. Die Redaction fand sich veranlaßt, die Besprechung in dieser Richtung zu schließen. Wohin sollte auch eine solche unfruchtbare Discussion führen? Der Unterricht im Hebräischen ist zur Zeit in allen jüdischen Schulen eingeführt. Behörden und Commissionen (das Pfälzer Comitö), Schulvorstände und Rabbinen fordern eine Erweiterung dieses Unterriches und beffere Vorbereitung der Lehrer für dies Fach, selbst wenn sie, wie z. B. obengenanntes Comitä, der fortgeschrittensten religiösen Richtung angehören. In allen Synagogen bildet der hebräische Theil des Gottesdienstes das weitaus überwiegende Element. Diejenigen Veranstaltungen zum Gottesdienste, in welchen das Hebräische ganz verbannt war, — die Berliner Reformemeiude, die Andachtsstunde in Frankfurt a. M. u. dgl.! nd für die Entwicklung des Judenthums im Großen und -I Ganzen bedeutungslos geblieben. Die Andachtsstunde zu Frankfurt ist sogar ganz eingegangen, seitdem das re- ■ formistische Element in der Synagoge Eingang fand. So zeigt die Geschichte der Entwicklung des JudenthumS die innige Verbindung der hebräischen Sprache, mit dem religiösen * 1 Leben des Judenthunis, und das ist natürlich. Religion und Volksthum war im Judenthum von Anfang her auf's Innigste mit der hebräischen Sprache verknüpft. In den vier Jahrtausenden der jüdischen Geschichte hat diese Sprache unsere Väter begleitet auf dem dornenvollen Pfade, den sie wandeln mußten. Die Zeugniffe dieser Geschichte, die ganze! erhabene Geistesarbeit der JudenthumS find in dieser Sprache j niedergelegt. Sie ist wohl eine tobte Sprache; für den i Juden war fie's nicht, wird fie's niemals werden. Schwinj det sie aus unser» Gotteshäusern, so schwindet sie auch aus j unfern Schulen und Lehrsälen. Dann ist ein vorzügliches j Band zerrissen, das uns noch mit unserer Vergangenheit, I mit den Trägern jüdischen Geistes aus alter Zeit verknüpft. Doch, wir wollten ja der prinzipiellen Frage aus dem Wege gehn. Wir wollten im Gegentheile so demonftrire«: der Unterricht im Hebräischen ist nothwendig, er wird als un-! abweisbar verlangt. Was ist zu thun, um ihn l.als wirksamen Faktor für die gesammte geistige Entwicklung zu benützen, uitb-2, in die Reihe der methodisch betriebenen Unterrichtsgegenstände einzuführen, und so zu unterrichten, wie wir es mit unserm pädagogischen Gewiffm verantwortm können, den andern Unterrichtsgegenstünden ebenbürtig zu machen? Die methodische Durcharbeitung des hebräischen Unterrichts ist ein von vielen Lehrern gefühltes Bedürsmß. Einen Beitrag zur Lösung dieser Aufgabe sollen auch diese Zeilen bieten. Die erste Frage ist hier: Wann soll mit dem Unterrichte im Hebränchen begonnen werden? — Die Pädagogik hat darüber bereits entschieden und der Grundiatz ist in diesen Blättern oft ausgesprochen worden: — erst nachdem das Kind deutsch lesen kann. Der Grundsatz: „vom Nahen zum Entfernten", vom „Bekannten zum Unbekannten" ist so allgemein, daß es hier eigentlich keines weiteren Beweises bedürfte. Das Kind kommt wohl nicht als tabula rasa in die Schule; Anschauungen und Vorstellungen, die es vom Vaterhause, vom Feld und Wald, vom Spielplätze mitdringt,