Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 10 (8.3.1866)
- Date
- 1866-03-08
- Page
- Seite 40 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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40 de- Ausländischen mit der Muttersprache und beider Idiotismen, durch" Erforschung deS NätionalcharakterS, welcher sich in der betreffenden Sprache reflectirt, durch Äenntnij? der literarischen Production feiner hervorragendsten Geister, welche keine Uebersetzung zu ersetzen im Stande ist. Auch dar Gedächtnißvermögen wird geübt, durch den in allen Sprachen sich vorfindenden massenhaften Vorrath von Materiell an Vocabeln und Regeln, und hierdurch geeigneter und nützlicher für Leben und Beruf. Ein anderer Beweis, daß Sprachkenntniß bilden muß, ist der, daß in Gymnasien und höheren technischen Schulen sehr viele Sprachen erlernt werden, sei der Lebensberuf auch ein solcher, der ein näheres und tieferes Eindringen in dieselben unstatthaft mgcht. Mit diesem Allen aber soll ein breiter wissenschaftlich« Boden gelegt, eine allgemeine Bildung erstrebt werden. Bezeichnend hierfür ist, daß der Lehrer eS in seiner Schule auch nicht anderzu thun gewohnt ist. (?) Da hört er denn oft unwissende Eltern klagen: „Aber wozu treiben Sie denn Dies und Das (z. B. Realien) in Ihrer Schule? Was kanu dameinen Kindern frommen?" Ist das Grund genug, uns zu verpflichten, von da an diesen so bildenden Unterrichtszweig aus der Schule zu verbannen? Keineswegs. Und wie hier, so dort! Treibst du so Manches in deiner Schule, studirst so Mancheim Leben, dessen Zweck dir nicht klar vor Augen schwebt, *) und du treibst eS doch, lediglich um deine Mußestunden nützlich auszufüllen oder um deinem Wiffen einen guten Boden zu geben, so rathe ich dir hier, lieber College, zu einem Studium, das Geist und Herz bildet und dir auch Etwas für deine Zukunft verspricht Ueberlege einmal und denke im schlimmste« Falle, wie die allen Hellenen dachten: „Gib uns ' znm Guten anch das Schöne." Hl. Der dritte Thell Meiner Frage:, „Stellt sich der Lehrer durch dar Studium der fremden Sprachen, beziehungsweise durch Unterrichten in denselben auch äußerlich bester?" bedürfte meines Wissens keines Nachweises. Doch anch hier meine Ansicht Indem ichdieser niederschreibe, liegt vor mir ein, Annoncen-Blatt. ES ergllll sich, nach Durchmusterung deS-' selbe», etwa folgender R«ume.: 20 Anzeigen, Sttlle« für jüdische Lehrer offerirend, theilen sich so ein, daß etwa 3/& die Bemerkung enthalten: „Bewerber können durch Unterrichten im Französischen und Englischen das Fixum um mehr als die Hälfte desselben erhöhen; Vs fordern geradezu die „Qualifikation" in beiden Sprachen und dar letzte Fünftel verheißt „nicht unbedeutende NebeneiNkünste." 'Man könnte nun geradezu annehmen, daß unter „Nebenverdiensten" Privatunterricht verstanden sei. Doch, auch davon abgesehen, beweist unsere Statistik, daß 4k der deutschen Stellen für unsere Ueberzeugung sprechen. ES liegt •) Das wäre srbltmm! Und der Zweck bei dem Unterricht in den Realie» steht denn doch ungleich^ höher, ist ei» viel nLherlt«ge»ber und klarerer. Tie Realie» find eben die „realen" Bildu»gsel««e»te, die uns vor de« „abstrakien" Formalismus stützen. Eie fi»d das eigentliche Wiffen, die Grundlage der allgemeinen Menschenbildung. — Red. nichts.UeberttiebeueS darin, anzunehme», daß der Lohn für den Unterricht in beiden Sprachen in vielen Gemeinden sich höher stellt, als das Fixum, war ich aus eigener Erfahrung nachweifen könnte*). Nun nehme man an, daß meine Gemeinde nur aus 14 jüdischen Haushattungen besteht und die! letzte Volkszählung etwa 1300 Seelen im ganzen Orte ergeben hat. Dazu ein Dorf und nicht well von großen Städten liegend. Lehrer in großen Städten und bedeutenden Gemeinden können jedenfalls noch mehr durch Privatunterricht in fremden Sprachen verdienen**). Das ist sonach für den Familienvater, zumal wenn er dürch Lleiß und Tüchtigkeit sich auszeichuet, eine vorzügliche Erwerbsquelle. Auch bleibt ihm stets die Aussicht auf 'Anstellung an höheren Schulen unbenommen und ist ihm die- Mögltchkell^llberhaupt geböken, iriHetner großen Stadt, auch mit geringem Fixum existiren zu können, war für khn und seine Kinder von unberechenbarem Vorcheile sein kann. Welche Sprachen die „anzurachensten" seien, erhellet aus dem Vorhergehenden. Ganz besonderaber kann ich noch zur englisch«» rathen, da durch die starken Auswanderungen sich allenthalben Gelegenhell darbietet.- diese zu verwerthen und es für Jede» AuSwandernden von nicht geringem Interesse ist Und sein »mß, sich im Englischen erst tüchtig vorzubilden. Ich glaubte zu ^beiden Sprachen überhaupt auch außer andern genächtigten Gründen deshalb anrathen zu sollen, well der Unterricht in älteren Sprachen theilS schwieriger, theilS weniger gesucht ist. Zudem liegt eS außerhalb unsereS Berufes, eine spezielle Fachbildung anzustreben. „Deine Bildung sei eine allgememe," sagt Diesterweg und „Dein Unterricht ein allgemeiner:" darum allgemeine und nicht Fachbildung. Lassen wir die Rothwendigkeit auch noch ein ernstes Wort mitreden und äußere Besserstellung unS Pflicht bleiben, so wird, so Gott will, baU> jener erfahrungSmäßige Sprichwort außer Kraft treten, daß da sagt: „Viel Imagination im Kopfe »md wenig baareS Geld in der Tasche. Wochenbericht. Bayern, im Febr. Die Ertheilnng deS Michaelsordens an Herrn Rabbiner Aub in München ehrt nicht blos den Empfänger, sondern auch die ganze bayr. Judenhell fühll sich damit geehrt, und die Hobe Regierung hat bewiesen, wie sie auch hier« auf der Bahn des Fortschritts wandelt zum Aergerniß aller, Dunkelmäimer. — Ein seltener Fall begab sich kürzlich in Seegnitz in Unterftanken. An dem dortigen Brüffel'schen kaufmännischen Institut starb ein christlicher Lehrer, der sein ganzes Vermögen, in 20,000 fl. bestehend, dem Vorstand derselben, Herrn Dr. Eichberg, testamentarisch verschenkte. Die Schwester desselben, welche nach dem Tode dort mit einem Rechtsgelehrten eintras, fand keine Veranlassung, daS Testament ihres Bruders rechtlich anzugreifen! — Die Gemeinde Nürnberg hat neulich die Erlaubniß zur Anstellung eines eignen Rabbiner- *) Leider I Ein abermaliger Beweis der Korruption in unseren Gemeinden. — Red. ••) Aber: Lieber Herr College: woher Zelt, Brust und Kehlkopf? Redaction.